Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Tod als wirbelnder Luftgeist

Stadtlohn Von einem Theaterstück der ganz besonderen Art waren jüngst viele Zuschauer in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums tief beeindruckt.

22.10.2007

Es handelte sich um das Figurentheater aus Stuttgart, eingeladen vom Hospiznetz des Altkreises Ahaus, in der die Künstlerin Christel Johanna Witte mit großem Geschick das Grimmsche Märchen vom Gevatter Tod kreativ umsetzte, unterstützt durch ihren Kollegen Reinhard Hofmann, der die Lichttechnik effektvoll einsetzte.

Den Gedanken an den Tod, der immer und überall gegenwärtig sei, wäre als Teil des Lebens zu sehen, forderte Sozialarbeiterin Marie-Theres Dapper in ihren Begrüßungsworten. Bürgermeister Helmut Könning verwies darauf, wie wichtig und wertvoll die Tätigkeit im Netz der Hospizdienste sei und Pfarrer Meinhard Jonscher befand, dass im Notfall schnell und gut über die Hospizbewegung Hilfe geholt werden könne. Pfarrer Uwe Weber meinte, dass Menschen in der Jetzt-Zeit Angst hätten, allein zu sterben - umso tröstlicher sei der Hospizgedanke.

Eine rätselhafte, fast gespenstige Stimme lässt die Zuhörer plötzlich aufhorchen und mit großen Schritten betritt die Künstlerin Christel Witte die Bühne. In unterschiedlichen Rollen und Masken, mal als Tod, als Arzt oder als König spielt und erzählt sie das Märchen, das die Endlichkeit des Lebens versinnbildlicht. Ein Tagelöhner nimmt für sein 13. Kind weder Gott noch Teufel, sondern den, wie er glaubt, gerechten Tod zum Paten. Wirkungsvoll setzt die Künstlerin hier ihre Stimme ein beim Schreien des Kindes und der Atemlosigkeit des Vaters. Dem Tod wird der Schrecken genommen. Wie ein wirbelnder Luftgeist kreist er über die Bühne. Er hegt sogar menschliche Gefühle und verleiht seinem Paten die Kraft, als Arzt Leben zu retten.

Große Stille in Aula

Dann lauschten die Zuhörer dem Summen des Sensemannes und dem Läuten des Totenglöckchens. Große Stille herrscht in der Aula, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Die Zuschauer schauen gebannt auf die Künstlerin. Sie spielt enthusiastisch den kranken König und später die todkranke Königstochter, die der Tod holen will. Aber sein Patensohn der Arzt hält sich nicht an das gegebene Versprechen und trickst den Tod aus. Doch das Glück ist nicht von Dauer. Der Tod revanchiert sich und lässt das Lebenslicht des Arztes bald verglimmen. Christel Witte erhielt für die Interpretation dieses nachdenklich stimmenden Märchens langen, anerkennenden Applaus. sd

Lesen Sie jetzt