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Gefahr durch kleine Raupen

Städte in NRW bekämpfen Eichenprozessionsspinner

NRW Jedes Jahr wieder gibt es Probleme mit der Raupe des Eichenprozessionsspinners. Die aggressiven Raupen können mit ihren Brennhaaren für Menschen gefährlich sein. Dieses Jahr sind die Tiere besonders früh geschlüpft. Wir erklären alles Wissenswerte zu den kleinen Tierchen.

Städte in NRW bekämpfen Eichenprozessionsspinner

Eine Dortmunder Spezialfirma entfernt Nester des Eichenprozessionsspinners in der Grünanlage Schützenstraße./ Schäferstraße. Foto: Oliver Schaper

Er ist doch eigentlich nur ein kleiner Falter, der Eichenprozessionsspinner. Doch seine Raupen halten momentan viele Städte und Gemeinden auf Trab. Überall verteilt kriechen die haarigen Raupen seit einigen Wochen die Bäume hinauf. Immer schön in einer Reihe gehen sie auf Nahrungssuche, daher auch der Name „Prozessionsspinner“. Das Problem sind ihre Brennhaare.

Denn diese sehr feinen Haare enthalten ein Eiweißgift namens Thaumetopoein. Und das kann richtig wehtun. Auch Schädlingsbekämpfer Tom-Louis Brinkmann vom Unternehmen Angelkort aus Ascheberg kann ein Liedchen davon singen. „Ich achte immer erst darauf, wie der Wind steht, bevor ich näher herangehe“, sagt er. Gerade ist er dabei, zusammen mit seinem Kollegen Simon Hermez einen Baum von den Schädlingen zu befreien.

Wissenswertes zu den Eichenprozessionsspinner

Nicht nur Menschen sind von den Eichenprozessionsspinnern gefährdet. Auch Haustiere können unter den Härchen der Raupe leiden. Das starke Eiweißgift der Schmetterlingsraupen kann dabei vor allem die Schleimhäute der Nase und Augen sowie das Maul der Tiere angreifen. In diesem Fall sollte der Hund gründlich abgeduscht werden, um die giftigen Haare auch aus dem Fell zu entfernen, raten Experten.
Besonders empfindlich reagieren Pollen- oder Hausstaubmilbenallergiker. Bei ihnen kann der Eichenprozessionsspinner sogar einen allergischen Schock auslösen – die Beschwerden können mit Kortison und Antihistaminika behandelt werden.
Trotz der für Menschen schädlichen Wirkung ist der Eichenprozessionsspinner ein wertvoller Bestandteil der Natur. Befallene und kahlgefressene Bäume erholen sich in der Regel. Die Raupen und später die Falter sind Teile verschiedener Nahrungsketten. Natürliche Feinde sind Wanzen, Raupenfliegen, Schlupfwespen und räuberische Käfer wie zum Beispiel der Puppenräuber.
Grundsätzlich gilt der Rat: Nester und Raupen auf keinen Fall berühren und in betroffenen Gebieten beim Spaziergang oder Aufenthalt im Garten möglichst dicht schließende Kleidung tragen. Ausschließlich Schädlingsbekämpfer sollten die Nester beseitigen.
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bilden feine Härchen an ihrem Körper. Diese können die Tierchen verlieren und mit dem Wind weit verteilt werden. Das Problem: Die Härchen sind giftig. Wer damit in Berührung kommt, kann zum Beispiel Hautausschlag bekommen, Fieber und gereizte Augen.
Oft werden die auffälligen Gespinste der Gespinstmotte mit dem Nest des Eichenprozessionsspinners verwechselt. Man erkennt die Gespinnstmotten an ihren Nestern, die sich wie weiße Schleier über einen ganzen Strauch oder Baum legen können.
Man erkennt die Raupen der Gespinstmotten an ihrer hellgrauen Färbung, die je nach Art von unterschiedlich vielen Reihen schwarzer Punkte durchzogen ist. Auffälligstes Unterscheidungsmerkmal: Gespinstmottenraupen haben keine Haare. Für den Menschen sind sie harmlos.
Die Raupen sind vollständig mit den Brennhaaren überzogen. Sie ziehen in teils großen Gruppen über die Gehölze und fressen sie kahl. Die Raupen sind zunächst gelblich-braun, werden dann aber grau-blau bis schwarz.
Man erkennt Eichenprozessionsspinner daran, dass ihre weißen Gespinste einem Nest ähneln, das am Stamm des Baumes hängt. Der Name rührt daher, dass die Tiere primär Eichen befallen und sich in hier in Kolonnen bewegen. In schlimmen Jahren sind sie aber zum Beispiel auch Hainbuchen zu finden.
Zwar verpuppen sich die Raupen bis Anfang Juli, aber ihre Nester mit Resten von den Häuten inklusive der Brennhaare können lange am Gehölz erhalten bleiben – und damit auch die Gefahr für den Menschen.
Haare, die sich von den Eichenprozessionsspinnern gelöst haben, können über viele Meter durch die Luft fliegen. Menschen sollten bei Kontakt möglichst schnell die Bekleidung ausziehen, duschen und die Augen unter fließendem Wasser ausspülen. Der Giftstoff wird erst bei einer Waschtemperatur von mindestens 60 Grad zerstört.

Raupen werden mit Staubsauger entfernt

„Der Schmerz liegt irgendwo zwischen Brennnessel und Qualle“, erklärt Brinkmann. Ein Kollege aus dem Team könne bei solchen Einsätzen mittlerweile nicht mehr dabei sein – er ist Allergiker. „Der hatte beim letzten Mal Quaddeln am ganzen Körper“, erinnert sich der Schädlingsbekämpfer.

Städte in NRW bekämpfen Eichenprozessionsspinner

Jörg Rode vom Ordnungsamt hat schon nähere Bekanntschaft mit den Raupen gemacht. „Nach einigen Tagen ist es aber schon etwas zurückgegangen“, sagt er. Foto: Niehaus

Mit Gift rücken die Profis den Tieren nicht zu Leibe. Ein großer Staubsauger ist es, der zum Einsatz kommt. Simon Hermez fährt mit einem Hubwagen in die Kronen der befallenen Bäume und saugt die Nester direkt vom Stamm ab. Anschließend sprüht er eine Art Leim auf die Stelle, um die nicht erfassten Brennhaare der Insekten unschädlich zu machen.


Nester besonders gefährlich an Schulen und Kindergärten

Dr. Lars Frimann ist Experte beim Naturschutzbund (NABU). Er befürwortet, dass die Raupen mit mechanischen Verfahren einzeln aus den Bäumen abgesaugt werden. „Viele Forstämter spritzen von der Luft aus ganze Wälder. Das schädigt natürlich auch andere Insekten- und Vogelarten“, bedauert er.

Besonders gefährlich sei es, wenn die Nester der Raupen in der Nähe von Spazierwegen, an Schulen, Kindergärten oder Spielplätzen auftauchten. Dann solle man das Ordnungsamt verständigen.

Städte in NRW bekämpfen Eichenprozessionsspinner

Simon Hermez rückt den giftigen Raupen mit dem Staubsauger zu Leibe. Foto: Niehaus

Befallene Stellen umgehen oder meiden

Wie bei Baumkontrollen des Tiefbauamtes festgestellt wurde, sind im Fredenbaum-Park in Dortmund mehrere Bäume stark von den aggressiven Raupen befallen, unter anderem rund um die Grillplätze des Parks. Die Experten des Grünbereichs beim Tiefbauamt haben die betroffenen Bereiche mit Warnbaken und Absperrband großräumig markiert und abgesperrt. Die Besucher des Fredenbaum-Parks werden deshalb dringend gebeten, die abgesperrten Bereiche zu meiden. Anfang nächster Woche sollen die sackartigen Nester, die wie große Spinnenweben wirken, von einer Fachfirma entfernt werden. Die Bäume werden dazu regelrecht abgesaugt.

Auch Selm, Olfen, Haltern, Dorsten, Schwerte und Südlohn haben an verschiedenen Stellen Probleme mit den kleinen Tierchen.

Jörg Rode vom Ordnungsamt rät, nach Kontakt mit den Brennhaaren den Arzt aufzusuchen. „Da gibt es eine spezielle Salbe, die den Juckreiz lindert.“ Und die allerwichtigste Regel lautet: „Nie ein Nest anfassen!“ Auch Lars Frimann weiß, dass die Brennhaare schwere allergische Reaktionen auslösen können – bis hin zum allergischen Schock. „Damit sollte man nicht spielen“, warnt er. Selbst wenn sich die Larven bereits verpuppt haben, solle man die Häute auf keinen Fall berühren.

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