Starke Kritik an Tafel für Aufnahmestopp gegenüber Migranten

Nach dem Aufnahmestopp für Migranten bei der Essener Tafel hagelt es Kritik an der Entscheidung des Vereins. „Viele ausländische Mitbürger befinden sich in Notsituationen. Sie auszuschließen finde ich entsetzlich“, sagte der Miguel Martin González Kliefken (CDU) vom Essener Integrationsrat der „Bild“-Zeitung. Zuvor hatten die Grünen in Essen die Entscheidung der Tafel als nicht nachvollziehbar bezeichnet.

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Essen

, 22.02.2018, 12:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zahlreiche Menschen bei einer Lebensmittel-Ausgabe. Foto: Caroline Seidel/Archiv

Zahlreiche Menschen bei einer Lebensmittel-Ausgabe. Foto: Caroline Seidel/Archiv

„Ausschlaggebendes Kriterium dafür, wer die Tafel nutzen darf, sollte allein die nachgewiesene Bedürftigkeit der Kunden und Kundinnen sein“, forderte Christine Müller-Hechfellner von der Ratsfraktion der Grünen. Dass der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an dieser Gruppe besonders hoch sei, könne auch kaum überraschen, denn diese Zahlen spiegelten die soziale Wirklichkeit in der Gesellschaft.

Das Straßenmagazin „fiftyfifty“ will Abgewiesenen eine anwaltliche Unterstützung bieten. „Es ist schon schlimm genug, dass arme Menschen in einem reichen Land wie Deutschland auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Dass jetzt allerdings der Pass entscheidet, ob jemand etwas zu Essen bekommt, wenn er Hunger hat, ist unhaltbar und menschenverachtend“, erklärte Julia von Lindern, Sozialarbeiterin bei „fiftyfifty“. Die Essener Tafel verstoße gegen die eigenen Statuten.

Die Tafel gibt Lebensmittelspenden an anspruchsberechtigte Bedürftige kostenlos weiter. Bei der Hilfsorganisation in der viertgrößten Stadt Nordrhein-Westfalens müssen sich Interessenten registrieren. „Da aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahren der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen“, heißt es auf der Internetseite des Vereins.