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Streik ohne Chaos

KÖLN/DÜSSELDORF Das große Streikchaos ist am Donnerstag am Kölner Hauptbahnhof ausgeblieben. Nach Angaben von Geschäftsinhabern waren deutlich weniger Berufspendler als an normalen Wochentagen unterwegs. „Wir haben tolle Kunden. Die denken mit“, freut sich eine Bahnangestellte.

Streik ohne Chaos

Leere Bahngleise fuehren aus dem Hauptbahnhof in Koeln. In der Nacht zum Donnerstag haben die Streiks der Lokfuehrer im Nah- und Regionalverkehr begonnen.

Nach dem Streikaufruf der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) sind zahlreiche S-Bahnen und mehrere Regional-Expressbahnen ausgefallen.

Diejenigen, die Köln anfuhren, haben bis zu 50 Minuten Verspätung. Das eigene Auto stattdessen zu nutzen, ist an diesem Morgen zumindest im Ballungsraum Rhein-Ruhr keine gute Alternative.

Bereits in den frühen Morgenstunden verzeichnet der ADAC mehr Verkehr auf den Autobahnen als üblich.

Zeitweise sei es landesweit zu insgesamt 100 Kilometer Stau gekommen, sagt eine ADAC-Sprecherin. Besonders betroffen seien die A 1, der Kölner Autobahnring sowie die A 46 von Wuppertal in Richtung Düsseldorf.

"Alberner Machtkampf"

In Köln bleiben die meisten Bahnreisenden gelassen, dennoch gibt es Kritik. „Natürlich dürfen auch Lokführer streiken. Aber dieser Machtkampf zwischen Gewerkschaft und Bahn-Spitze wird allmählich albern“, findet ein Passagier. Als Bahnkunde könne er nicht glauben, dass bei den Tarif-Verhandlungen erwachsene Menschen zusammensitzen. „Wenn mir mein Arbeitgeber wie die Bahn zehn Prozent mehr Gehalt für zwei Arbeitsstunden mehr in der Woche anbieten würde, dann würde ich ihn küssen“, sagt eine Frau, die sich bei der Kundeninformation über ihren Anschlusszug informiert.

Auch die Düsseldorfer Bahnhofshallen bleiben am Vormittag ungewöhnlich leer. Sogar an den Informationsschaltern, vor denen sich an den vergangenen Streiktagen Menschenschlangen gebildet hatten, sucht kaum jemand Rat. „Aufgrund der Streiks kommt es zu Verspätungen und Zugausfällen im S-Bahn- und Regionalverkehr“, ruft eine Frauenstimme über die Lautsprecher. Die wenigen Reisenden haben für diese Ansage nur ein müdes Lächeln übrig.

„Die Leute haben sich inzwischen an die Streiks gewöhnt“, sagt ein Bahnmitarbeiter am zusätzlich eingerichteten Servicepoint. Der Ärger halte sich inzwischen in Grenzen. Pendler und Reisende schauten vielmehr, welche anderen Verkehrsmittel sie nutzen könnten. Viele seiner Kollegen zeigen Verständnis für die Forderungen der Lokführer. „Es ist nachvollziehbar, dass sie bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn wollen“, kommentiert ein Mitarbeiter am Informationsschalter.

"Streik nicht auf dem Rücken der Reisenden austragen"

„Dass sich der ganze Tarifstreit allerdings so sehr in die Länge zieht, ist unmöglich.“ Ähnlich sieht es eine Kollegin aus dem Reisezentrum. „Ihren Streit sollten Bahn und Lokführer nicht auf dem Rücken der Reisenden austragen“, zeigt sich die Frau erbost. So sieht das auch eine Dame, die auf eine Verbindung nach Wuppertal wartet. Nahezu alle S-Bahnen fallen an diesem Morgen aus, die Regionalzüge und die freigegebenen Fernzüge haben zum Teil massiv Verspätung.

„Es ist unglaublich, was die Lokführer da veranstalten“, sagt die Frau erzürnt. „Ihre Forderungen interessieren mich nicht. Mein Job steht auf dem Spiel, wenn ich zu spät komme.“ Vor dem Bahnhof haben sich seit 5.30 Uhr einige Lokführer versammelt. Über ihren dicken Jacken tragen sie Transparente ihrer Gewerkschaft GDL. Die meisten Passanten gehen wortlos an ihnen vorüber.

„Aber wir erleben auch spontane Solidaritätsbekundungen“, sagt einer der Männer. „'Kämpft für das Streikrecht', sagen uns die Leute oder 'Kämpft für Eure Ziele'„, erklärt er. Genau das wollen die GDL-Mitglieder tun. “Wir streiken weiter, bis unsere Forderungen erfüllt werden“, kündigt der Lokführer an.

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