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Streik trifft Nahverkehr empfindlich

DÜSSELDORF Der Streik der Lokführer hat den regionalen Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen empfindlich getroffen, das befürchtete Chaos auf Straßen und Bahnsteigen blieb aber aus. Von den 4500 täglichen Zugverbindungen im Nahverkehr seien bis zum Nachmittag etwa 40 Prozent ausgefallen, sagte ein Bahnsprecher.

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So sieht es in den Bahnhöfen aus: Viele Züge stehen still.

Der Blick auf die Info-Tafel in den Bahnhöfen - wie hier in Dortmund - bereitete den Reisenden meist keine Freude.

Im Bahnhof gestrandet.

Zwei Drittel der S-Bahnen blieben im Depot und die Hälfte der Regionalzüge. „Das sind schon gravierende Auswirkungen“, sagte ein Sprecher der Bahn in Düsseldorf. In den Bahnhöfen blieb es dennoch vergleichsweise ruhig. Zum Abend hin nahm nach Bahnangaben die Zahl der fahrenden Züge wieder zu, und die Lage entspannte sich etwas. „Die Fernzüge waren voll bis übervoll, aber ansonsten hat sich das sehr entspannt“, sagte der Bahnsprecher.

                

  Im Fernverkehr kam es zwar zu Verspätungen, aber die völlig überfüllten Züge rollten. Anscheinend hatten sich viele Pendler auf die Störungen im Vorfeld eingestellt und auch Fahrgemeinschaften mit dem Auto gebildet. Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL in NRW, Frank Schmidt, zeigte sich überrascht von der Durchschlagskraft des Streiks: „Ich habe nicht mit diesem Einfluss auf den Verkehr gerechnet“, sagte er.    

Die Autobahnen im Land waren, wie an Freitagen üblich, sehr voll, aber auch nicht voller als sonst, teilte die Polizei mit. Trotz vieler Berichte von entnervten Autofahrern, die  in teils kilometerlangen Staus feststeckten, sei die Lage „nicht außergewöhnlich“ gewesen, betonte ein Sprecher der Landesleitstelle in Duisburg.

Die Mitfahrzentralen im Land registrierten einen deutlich erhöhten Zulauf. „Wir haben in den vergangenen 24 Stunden einen der stärksten Tage des Jahres erlebt“, sagte der Geschäftsführer von mitfahrzentrale.de in Bonn, Martin Buske. Normalerweise habe seine Seite täglich um die 30 000 bis 40 000 Besucher, nun seien es um die 60 000 gewesen.

Die Reaktionen der Reisenden auf den Bahnsteigen reichten von deutlicher Gereiztheit bis zu vollem Verständnis für die Lokführer. Im Düsseldorfer Hauptbahnhof zeigte sich eine junge Frau überrascht, wie problemlos ihre Bahnreise an diesem Tag verlief. „Ich muss nach Wuppertal und bin überrascht, wie gesittet hier alles zugeht“, sagte die 27-Jährige. Sie habe noch genug Zeit bis zu ihrem Termin eingeplant und werde wohl problemlos mit einem der wenigen Regionalzüge hinkommen.

Pendler Tobias Schulz am Kölner Hauptbahnhof war nicht so gelassen. „Ich bin jetzt schon seit zweieinhalb Stunden unterwegs und immer noch nicht am Ziel“, sagte der 26-Jährige verärgert. Für den Rückweg von Bonn nach Düren wollte er zur Not ein Taxi nehmen. „Auf dieses Chaos habe ich keine Lust mehr.“ Kaum Verständnis für den Lokführerstreik hatte der 18 Jahre alte Johannes Brack: Eine Stunde lang hatte er am Morgen auf dem Bahnhof in Bünde (Kreis Herford) warten müssen, am Nachmittag verzögerte sich in Bielefeld auch seine Rückfahrt. „So wenig verdienen die gar nicht, das haben wir gerade heute in der Schule durchgenommen“, sagte er zu den Forderungen.

Im ländlichen Münsterland war kaum etwas vom Streik zu spüren. Laut Bahn waren in der Region vergleichweise viele beamtete Lokführer im Einsatz und solche, die bei Transnet organisiert sind. Außerdem werden etliche Linien von der privaten Konkurrenz befahren.

"Es ist einiges los"

Die Taxizentralen in den großen Städten hatten zwar gut zu tun, ob der Ansturm aber vom Streik herrührte, war nicht klar. „Es ist einiges los“, sagte Murphy Pohl, Chef einer Taxizentrale in Dortmund. Auch in der Landeshauptstadt Düsseldorf waren die Taxis ausgelastet, sagte Dennis Klusmeier, Vorstandsvorsitzender der Taxi Düsseldorf e.G. „Wir sind aber weit von chaotischen Zuständen entfernt“, betonte er. „Wenn die Busse und Straßenbahnen hier in der Stadt nicht fahren, spüren wir das stärker.“  In Essen hielt sich der Andrang vor dem Bahnhof in Grenzen. „Wen sollen wir denn fahren, wenn niemand mit dem Zug ankommt?“, fragte ein Taxifahrer.

Zum Nachmittag hin wurden die Bahnhöfe wieder voller. „Wahrscheinlich machen sich die Wochenendpendler bemerkbar“, sagte ein Bahnsprecher. Für das Wochenende rechnete er mit einer relativ schnellen Normalisierung des Fahrplans. Seiner Einschätzung nach dürfte der Verkehr spätestens am Montag wieder problemlos laufen.

  

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So sieht es in den Bahnhöfen aus: Viele Züge stehen still.

Der Blick auf die Info-Tafel in den Bahnhöfen - wie hier in Dortmund - bereitete den Reisenden meist keine Freude.

Im Bahnhof gestrandet.

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