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Streit zwischen VW und Prevent: Zulieferer schließt Werk

Der Zulieferstreit zwischen der Prevent-Gruppe und Volkswagen trifft nun auch Beschäftigte: das Prevent-Unternehmen Neue Halberg Guss will den Standort Leipzig schließen. VW betont, immer wieder zur Sanierung der Firma beigetragen zu haben.

Leipzig

von Von André Jahnke und Thomas Strünkelnberg, dpa

, 07.06.2018
Streit zwischen VW und Prevent: Zulieferer schließt Werk

Blick auf einen Firmensitz des Automobilzulieferers Prevent. Foto: Julian Stratenschulte

Neue Runde im Zuliefererstreit zwischen Volkswagen und der Prevent-Gruppe: Das Prevent-Unternehmen Neue Halberg Guss will sein Werk in Leipzig voraussichtlich bis Ende 2019 schließen.

Für die rund 800 Mitarbeiter will das Unternehmen mit den Betriebsräten einen Sozialplan aushandeln, wie Werksleiter Thomas Pregel auf Anfrage sagte. Dem Autoriesen Volkswagen warf die Neue Halberg Guss (NHG) vor, die Abnahmemenge reduziert zu haben, gleichzeitig sollten Kosten gesenkt werden. Volkswagen betonte, unternehmerische Entscheidungen der Lieferanten nicht zu kommentieren.

In der VW-Stellungnahme hieß es aber auch: „Fakt ist: Wir haben mit der Neuen Halberg Guss gültige und ungekündigte Lieferverträge und bereits mehrfach einen Beitrag zur Sanierung der NHG“ und zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze geleistet.

Derzeit würden Chancen für eine längerfristige Lösung ausgelotet, die für beide Seiten tragfähig sei und mit der erneut ein Beitrag zum Erhalt der Arbeitsplätze geleistet werde. Der Restrukturierungsbedarf der Neuen Halberg Guss sei seit langem bekannt und „nicht VW anzulasten“. Über die Schließung des Werks in Leipzig hatte zunächst der Saarländische Rundfunk berichtet.

Der Konflikt zwischen dem Wolfsburger Konzern und der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor mit deren Zulieferkonzern Prevent schwelt schon lange. Auch Daimler liegt mit der Zulieferergruppe im Clinch. 2015 hatte Prevent in Brasilien den Sitzbezug-Hersteller Keiper übernommen. Es folgten Lieferstopp, Preiserhöhungen und schließlich die Kündigung durch VW. Der Zwischenfall brachte Volkswagen 160 Tage Produktionsstopp, ein Minus von 140.000 Fahrzeugen und Zwangsurlaub für rund 18 000 Beschäftigte ein.

2016 ließ ein Lieferstopp bei den Prevent-Ablegern ES Automobilguss und Car Trim wegen geplatzter Liefervereinbarungen Bänder in mehreren VW-Fabriken still stehen. Die Gießerei Neue Halberg Guss hatte Prevent erst vor wenigen Monaten übernommen, und zwar über die zu Prevent gehörende Castanea Rubra Assets GmbH.

Die Neue Halberg Guss teilte nun mit, die Schließung des Leipziger Werks sei „unumgänglich, da sonst das Unternehmen als Ganzes in seiner Existenz gefährdet wäre“. Der Betrieb in Saarbrücken mit derzeit rund 1300 Beschäftigten geht dagegen weiter.

Die IG Metall in Saarbrücken machte klar: Die Belegschaften in Leipzig und Saarbrücken werden „um ihre Arbeitsplätze kämpfen“. Die Beschäftigten seien nicht bereit, sich ihrem Schicksal kampflos hinzugeben.

Die Metaller beschlossen Forderungen für einen Sozialtarifvertrag. „In dieser Auseinandersetzung kommen die Beschäftigten schlicht nicht vor“, kritisierte Patrick Selzer, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken. Wenn nötig, werde es zum Streik kommen.

Halberg Guss stellt Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kurbelwellen her, vor allem für Grauguss-Dieselmotoren. Das Problem: Die Nachfrage nach Autos mit Dieselmotoren in Deutschland sinkt seit Monaten als Folge von „Dieselgate“ und angesichts drohender Diesel-Fahrverbote deutlich. Grauguss ist zudem in Zeiten von Leichtbau weniger gefragt.

Anfang April hatte Volkswagen fristlos die Lieferverträge mit ES Automobilguss, Car Trim und einer weiteren Prevent-Tochter gekündigt. Prevent drohte mit einer Klage auf Schadenersatz. Schon damals betonte VW: „Volkswagen ist auf eine jederzeit planbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten angewiesen.“ Daher würden bestehende Geschäftsbeziehungen regelmäßig überprüft.