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Alle feiern zusammen

Südlohn Wir schreiben das Jahr 1183 - zumindest im indischen Bundesstaat Kerala, aus dem Pater Benny Augustine stammt. Das wird auch noch einige Monate so bleiben. Denn in Kerala beginnt das neue Jahr erst Mitte August.

30.12.2007

Alle feiern zusammen

<p>Von Glücksboten wie Hufeisen hält Pater Benny Augustine nichts. Er zählt eher auf Gottes Beistand. Herbers</p>

In vielen der insgesamt 29 Bundesstaaten in Indien gelten unterschiedliche Zeitrechnungen. Auch die Jahreswechsel werden zu verschiedenen Zeiten begangen. Kein Wunder: In einem Land, in dem 1,1 Milliarden Menschen leben, das knapp neun Mal so groß wie Deutschland ist, wo 21 Amtssprachen anerkannt und acht Weltreligionen vertreten sind, gelten andere Maßstäbe.

Lichter-Prozession

Trotzdem feiern die Menschen auch am 31. Dezember. "Das Silvester-Fest ist wohl von der englischen oder amerikanischen Kultur übernommen worden. Es wird aber nicht so wie hier gefeiert", erklärt Benny Augustine. Um 23 Uhr versammeln sich die Christen in der Kirche, um zu beten, schildert er den Ablauf. "Wir lassen das Jahr Revue passieren, bitten um Vergebung." Um 24 Uhr läuten alle Glocken, jeder zündet eine Kerze an und es geht raus zu einer Lichter-Prozession rund um die Kirche. Im Gebet bitten die Gläubigen Gott auch für das nächste Jahr um Unterstützung. Nach der Messe gibt es Kaffee und Kuchen. Viele beteiligen sich auch an großen Feuerwerken, die den Himmel erhellen. "Muslime, Christen, Hindus - alle feiern die ganze Nacht zusammen." Für Augustine völlig normal: "Schließlich haben wir alle einen Gott." Das Böllern sei jedoch eine Entwicklung, die erst vor rund dreißig Jahren in Indien Einzug gehalten habe, meint Benny Augustine.

Der eigentliche Jahreswechsel im August gehe hingegen auf König Maveli zurück, der vor vielen Tausend Jahren gelebt hat, wie die indische Mythologie besagt. "Ihm zu Ehren wird das zehntägige Onam-Fest gefeiert. Für die Menschen ist es die Erinnerung an eine friedliche und reiche Zeit." Bedeutend sei es vor allem für Hindus, die mit rund 81 Prozent die größte Religionsgemeinschaft im Land stellen.

Alle feiern zusammen

Am letzten Tag des Festes gehen die einen in den Tempel, die anderen in die Kirche, verschiedene Spiele werden gemacht, Bootsrennen veranstaltet, schildert der Pater das Spektakel. "Das ganze Bundesland feiert dann zusammen. Die Menschen nehmen Rücksicht auf die verschiedenen Religionen." Auch in Köln seien im vergangenen Jahr rund 2000 Menschen aus ganz Deutschland zum Onam-Fest zusammengeströmt.

Anders als sonst kann Benny Augustine die Stunden vor dem Jahreswechsel nicht mit seiner Familie verbringen. Wie Zuhause auch wird er jedoch in die Kirche gehen. "Noch mehr Menschen sollten dorthin kommen. Sie sollten die Feier in Verbindung mit Gott sehen, ihm danken und warten, was kommt." Von Glücksbringern oder Silvesterbräuchen hält der Pater hingegen nichts: "Das Glück schickt Gott." kh

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