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Bäumchen wechsle dich

Südlohn/Borken Grenzen sind oft fließend. Dass dies auch für die Grenzen einer Gemeinde gelten kann, machen jetzt die Kommunen Südlohn und Borken vor.

19.10.2007

Der Flächentausch ist schon seit Jahren Thema. Jetzt ist die erste Hürde überwunden: Die Stadt Borken und die Gemeinde Südlohn wollen offizielle Verhandlungen aufnehmen. Ihr "Ja" gaben jetzt die Mitglieder des Rats in der vergangenen Sitzung - und taten es so ihren Borkener Kollegen gleich. Wenn alles gut geht, sollen fast 1,5 Mio. Quadratmeter Fläche getauscht werden. Das Ziel: Mehr Raum für Baugebiete, mehr Platz für Industrieflächen - kurz mehr Entwicklungschancen für Südlohn und Borken.

Auch für 82 Einwohner in den Ortsteilen Südlohn-Oeding und Borken-Weseke hieße das, die Seiten zu wechseln. Für die Bewohner der Hedwigstraße kein Problem. Bereits wenn sie die Seite des Bürgersteigs wechseln, beschreiten sie streng genommen fremdes Terrain, nämlich das ihrer Borkener Nachbarn. Quer durch die Straße verläuft die Grenze. Seit wann das so ist. Daran kann Josef Garver-Föcker sich nicht mehr erinnern. Gestört hat es ihn in den vergangenen 40 Jahren, die er hier lebt, jedenfalls nicht. "Ob Schule, Kirche oder Verein - wir waren immer mit von der Partie." Dass sie nun ihre Steuern woanders zahlen sollen, berührt auch Sohn Stefan Föcker nicht. "Die Veränderungen sind minimal." Der Gemeinde jedoch ginge einiges an Steuern und Schlüsselzuweisungen flöten, wenn die 67 Einwohner - wie geplant - zu den Nachbarn "überliefen". Denn im Gegenzug fielen lediglich 15 Einwohner aus Weseke an sie zurück. Und die sind nicht alle erfreut über den Schachzug der Kommunen: "Wir liegen zwar näher an der Gemeinde Südlohn. Aber ich bin als Wesekerin geboren. Und das möchte ich auch bleiben", sagt Mathilde Tenhagen.

"Willen erfragen"

Auch einige Landwirte in der Nachbarschaft mit viel Flächenbesitz wollen sich nicht beugen. Und eines dürfe auf keinen Fall passieren: "Das darf nicht über unsere Köpfe hinweg entschieden werden." Dies werde nicht geschehen, wird von offizieller Seite versichert. Für Bürgermeister Georg Beckmann hat eines oberste Priorität: Zunächst gilt es, "den Willen der Betroffenen zu erfragen". Gelassen sieht Landwirt Heinrich Böcker-Osseler das Ansinnen. "Vor dem Krieg verlief die Kreisgrenze mitten durch unsere Diele. Das gab Probleme. Aber heute." Der Weseker winkt ab. Für ihn hat der Tausch nur Vorteile. 18 Hektar seines Lands liegen auf Südlohner Gebiet. Statt grasender Kühe könnten hier in Zukunft Industriehallen stehen. kh

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