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Kein Kinderspiel

Südlohn Computer auf dem Esstisch, Baby im Arm, rundherum Spielsachen verstreut. Mehr als einmal hat Landtagsabgeordnete Stefanie Wiegand ihr Wohnzimmer in den vergangenen Monaten zu Büro und Kinderstube umfunktioniert.

04.01.2008

Kein Kinderspiel

<p>Stefanie Wiegand und ihre Tochter Elena Ailis. Schon vor ihrer Schwangerschaft hat sich die Landtagsabgeordnete für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eingesetzt. Seit der Geburt ihrer Tochter hat dieses Thema einen anderen Stellenwert. Herbers</p>

Seitdem Tochter Elena Ailis auf der Welt ist, kann die Politikerin die Sorgen und Nöte vieler Frauen, die Kind und Beruf unter einen Hut bringen müssen, alltäglich nachvollziehen. "Das ist alles schwieriger als gedacht. Bevor es so weit war, habe ich an finanzielle Folgen, nicht aber an ganz praktische Dinge gedacht." Wie komme ich in das Geschäft? Wo wickel ich mein Kind? Plötzlich werden ganz simple Dinge zum Problem, so ihre Erfahrung.

Erste Wickelplatz

Seit der Geburt ihrer Tochter vor knapp drei Monaten arbeitet Wiegand überwiegend Zuhause. Zu Außenterminen ist sie nur selten gefahren. Wenn wichtige Sitzungstermine in Düsseldorf anstehen, benötigt sie jetzt eine Tagesmutter. Denn: "Der Landtag ist absolut nicht kinderfreundlich." Erst im vergangenen Jahr sei der erste Wickelplatz dort eingerichtet worden. Nicht nur für sie als junge Mutter, sondern gerade auch für Besucher mit kleinen Kindern ein Problem. Auf ähnliche Schwierigkeiten sei sie auch in vielen Restaurants oder Geschäften gestoßen. In anderen europäischen Ländern sei dies anders, gibt die 38-Jährige zu bedenken.

Fläschchen im Gepäck, Reisebett im Büro - und jede Menge helfender Hände seien zur Stelle gewesen, als Wiegand bei den ersten Sitzungen im Dezember dabei war. "Das war wie ein kleiner Umzug. Viele Mitarbeiter und Kollegen sind eingesprungen. Trotzdem, es ist schwierig, beidem gerecht zu werden. Das schlechte Gewissen ist ständiger Begleiter", berichtet sie. Jede Mutter müsse zufrieden sein, dürfe nicht das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen. Elternzeit nehmen zu können, sei wichtig, von der Herdprämie halte sie allerdings nichts. "Nicht das Portemonnaie darf darüber entscheiden, ob ein Kind in den Kindergarten geht." Wickeln, auf den Arm nehmen, füttern - wie viele junge Väter kümmere sich ihr Mann um sein Kind, wenn er an den Wochenenden Zuhause sei. Seine Arbeit für eine gewisse Zeit an den Nagel zu hängen, sei jedoch auch für ihn nicht in Frage gekommen. "Ich bin quasi allein erziehend, muss den Alltag allein bewältigen." Immer noch geistere das Klischee von den typischen Frauenaufgaben wie Kinderkleidung kaufen in den Köpfen vieler Männer - und Frauen, merkte die Süldohnerin.

Veränderter Blick

Ob sich durch ihre Tochter der Blick und die Einstellung der Politikerin Stefanie Wiegand verändert habe? "Viele Dinge sehen ich jetzt anders. Auch vor der Geburt meiner Tochter habe ich dafür plädiert, Betreuungsangebote zu schaffen. Danach stellte sich für mich allerdings auch die Frage, ob ich sie schon abgeben kann, wenn sie noch so klein ist", meint die 38-Jährige. Und noch eine Erfahrung hat sie gemacht: Nicht alle haben sich während der Schwangerschaft mit ihr freuen können. "Dass Frauen, besonders Akademikerinnen, zunehmend auf Kinder verzichten, ist teils unfreiwillig. Viele können keinen Nachwuchs bekommen. Auch dieses Tabu-Thema muss endlich offen thematisiert werden." kh

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