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Knorrig und anekdotenbeladen: Jahrhunderte alte Bäume im Münsterland

Tag des Baumes

MÜNSTERLAND 600 Jahre, 750 Jahre, 1000 Jahre oder sogar 1300 Jahre – manche Bäume haben Jahrhunderte im Geäst. Etliche besonders schöne Exemplare stehen im Münsterland. Zum „Tag des Baumes“ am Sonntag lohnt ein näherer Blick.

von Von Michael Hagel

, 24.04.2010
Knorrig und anekdotenbeladen: Jahrhunderte alte Bäume im Münsterland

Die alte Kugeleiche bei Ruhmöller in Saerbeck-Sinningen ist gut 300 Jahre alt und hat einen Kronendurchmesser von über 26 Meter.

Sie waren Zentren des Dorf-Universums. Sie stifteten so etwas wie Heimatgefühl. Unter ihnen wurde getafelt, gezecht und getanzt. Sie sahen merkwürdige Rituale, spendeten Schatten für Gerichtsverhandlungen, aber auch für grausame Hinrichtungen. Mancherorts wurden sie sogar kultisch verehrt. Alte Bäume hätten – könnten sie denn sprechen – viel zu erzählen.

  Im späten Mittelalter gab es kaum ein Dorf, das nicht einen Baum als Mittelpunkt aller gesellschaftlicher Aktivitäten besaß. Hier, unter Schatten spendenden Eichen- oder Lindendächern, trafen sich die Menschen gerne. Das ist noch heute so, das Blätterwerk großer Kugeleichen lässt selbst die größte Sommerhitze ertragen. Fast alle der noch erhaltenen Baum-Methusalems stehen unter Naturschutz. Heimatfreunde hegen und pflegen sie, Baumdoktoren versorgen ihre gewitterbedingten Wunden. „Baumpersönlichkeiten“ nannte der münstersche Baumfotograf Wolfgang Schürmann kürzlich die knorrigen Zeitzeugen. Eine ganz besondere Baumpersönlichkeit ist die Femeiche in Raesfeld. Gut 1300 Jahre alt, hat sie das Geschepper der Ritterrüstungen ebenso erlebt wie den Geschützdonner des Dreißigjährigen Kriegs und die Neuerungen der napoleonischen Ära. Oder die Marienlinde in Telgte. 750 Jahre steht sie bereits in dem Wallfahrtsstädtchen. Der Sage nach soll aus ihrem Holz das bekannte Telgter Gnadenbild geschnitzt worden sein. Was sie prompt zu einem Objekt religiöser Verehrung machte.

Nicht selten indes wird bei der Altersangabe der Bäume ein wenig geschummelt. Viele Dörfer und Städte rühmen sich, die älteste Eiche, Linde oder Eibe Deutschlands zu besitzen, was bei näherer Prüfung meist nicht haltbar ist. Für die Asbecker „Dicke Linde“ trifft das wohl nicht zu. Sie soll – so die Dorf-Saga – positive Strahlung verbreiten. Wünschelrutengänger, das erzählt man sich in dem Legdener Ortsteil, hätten nahe der Linde an ihren Ruten heftige Ausschläge registriert ... Solche Geschichten, ob wahr oder nicht, sind es, die den betagten Bäumen eine geradezu mystische Kraft verleihen. Vielleicht wird auch deshalb seit 1952 deutschlandweit immer am 25. April der „Tag des Baumes“ begangen. Vielleicht aber auch deshalb, weil die Menschen ein schlechtes Gewissen plagt, so viele Bäume, Wälder und Wallhecken abgesägt zu haben. Unser Freund, der Baum, er hat es nicht immer leicht mit uns – und sei er noch so schön.