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Niederländern drohen lange Haftstrafen

Landgericht Münster

Teils hohe Haftstrafen hat die Staatsanwaltschaft jetzt im Fall der drei Niederländer beantragt, die über Monate mit Drogen bestückte Briefumschläge auf Postkästen verteilt haben sollen.

von Klaus Möllers

09.10.2018

Insgesamt über zehn Kilogramm Amphetamin und Marihuana steckten laut ursprünglicher Anklage in über 2000 Briefen, die von Oeding, Vreden, Borken und Bocholt aus ihre Empfänger in diversen Ländern erreichen sollten (Münsterland Zeitung berichtete mehrfach). Die Drogen waren – verpackt in Taschen – von September bis Dezember 2017 per Pkw über den Grenzübergang Sandersküper nach Deutschland gebracht worden.

Fünfeinhalb Jahre Gefängnis fordert die Staatsanwältin für den Haupttäter wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln sowie Beihilfe zum Handeltreiben mit dem Stoff. In einem weiteren Fall soll der Mann selbst Drogen an einen Oedinger verkauft haben.

Jugendstrafrecht

Ein weiterer Niederländer soll wegen drei Einfuhrfahrten und Beihilfe zum Handel dreieinhalb Jahre in Haft. Der Jüngste würde nach Jugendstrafrecht verurteilt – wegen fünf Fahrten und Beihilfe zum Handel zu drei Jahren. Er war zur Tatzeit 19 Jahre alt – deswegen kommt eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht noch infrage. Sein Anwalt sprach sich für eine Haftstrafe von maximal zwei Jahren auf Bewährung aus.

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Das Gericht hatte sich zuletzt unter anderem mit Spuren-Gutachten und der Auswertung von Aufnahmen aus Überwachungskameras an bestimmten Tankstellen und Parkplätzen im Gebiet befasst. Es ging darum, ob sich Angeklagte an Orten befanden, die auf ihren Routen hätten liegen können.

Ein Verteidiger zweifelte in dem Zusammenhang an, dass sein Mandant auf einem Tankstellen-Video überhaupt zu sehen ist. In Wirklichkeit sei der nämlich am fraglichen Tag in seiner Heimat Marokko gewesen. Zwei Tankstellenmitarbeiter hingegen wollen ihn wiedererkannt haben, wie sie als Zeugen vor Gericht aussagten.

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Laut Ermittlungen der Polizei waren die bei Prozessbeginn 20, 26 und 31 Jahre alten Männer Boten zweier Drogenhändler aus Enschede, die unter anderem Amphetamin und Marihuana über das Darknet im Internet anboten. Sie wurden später ebenfalls verhaftet.

Auslandssendung im Fokus

Dass die Briefe in Deutschland auf den Postweg geschickt wurden, liegt daran, dass Auslandssendungen in den Niederlanden häufiger von der Post dort geprüft werden und der Inhalt leichter aufgefallen wäre. Diese Erkenntnis der Polizei war bereits schon in diversen ähnlichen Gerichtsverfahren gegen Drogenhändler mit Beziehungen ins Darknet zur Sprache gekommen.

Am nächsten Verhandlungstag (16. Oktober) wollen die Anwälte der beiden weiteren Angeklagten ihre Anträge stellen. Anschließend verkündet die Strafkammer voraussichtlich ihr Urteil.

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