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Post ohne Ende

Oeding Ein krebskranker siebenjähriger Junge möchte mit dem längsten Kettenbrief ins Guinessbuch der Rekorde. Wer kann einem todkranken Kind diesen Wunsch schon abschlagen? Mitglieder des Oedinger Spielmannszugs reagierten skeptisch - zu recht.

22.08.2007

Vor wenigen Wochen erreichte der Kettenbrief den Musikverein per Post - mit der Bitte, ihn mit weiteren Unterlagen an zehn Adressaten und das Landesklinikum Donauregion Tulln in Niederösterreich zu schicken. Viele Vereine, Unternehmen, Kommunen und auch Privatleute aus ganz Deutschland waren der Aufforderung bereits gefolgt.

Markus Frenk (Bild) vom Spielmannszug Oeding ging das zu weit: "Wir haben entschieden, dass wir uns beteiligen, wenn es eine gute Sache ist. Aber erst wollten wir recherchieren, bevor wir die Kosten für über hundert Kopien auf uns nehmen", sagt der 34-Jährige. Die Skepsis war berechtigt. Denn den sieben Jahre alten, kranken Jungen gibt es nicht.

Nie Patient in Tulln

"Über zehn Jahre ist es jetzt her, dass der Kettenbrief erstmals bei uns aufgetaucht ist. Doch das genannte Kind ist nie bei uns Patient gewesen", erklärt Lisbeth Fohringer, Pressesprecherin des Klinikums. Gerade in Deutschland tauche der Brief zurzeit wieder extrem häufig auf. Sogar die britische Botschaft in Berlin warne auf ihrer Internetseite vor der Beantwortung. Neben Österreich sei er auch in Bulgarien und Ungarn sehr verbreitet.

Tatsächlich gab es 'mal einen Jungen aus England, der mit Hilfe von gesammelten Visitenkarten ins Guinessbuch der Rekorde gelangt ist. Doch der habe nichts mit dem Krankenhaus in Österreich zu tun gehabt, so Fohringer. Darüber hinaus ist besagter Craig Shergold inzwischen erwachsen - und kämpft immer noch gegen die Flut an Schreiben, die ihn aus der ganzen Welt erreichen.

Genau wie das Krankenhaus in Tulln. Täglich kommen dort zwischen 20 und 40 Briefen an, schätzt Fohringer. "Ein ungeheurer Aufwand für die Beschäftigten." Ein Aufwand, der einfach nicht zu stoppen ist. "Wir haben alles probiert. Es funktioniert nicht." Immerhin kämen immer häufiger Anfragen von Menschen, bevor sie den Brief losschickten.

Nicht strafbar

Strafbar ist das Versenden der Kettenbriefe nicht. "Solange nur der Aufruf erfolgt, Briefe zu verschicken, ohne dass Konsequenzen angedroht werden, ist es jedem selber überlassen, mitzumachen oder nicht", sagt Paul Bußhoff, Pressesprecher der Kreispolizei Borken. Anders läge der Fall, wenn vorgetäuscht würde, ein Kind benötige Geld. Im Fall des "kleinen Jungen profitiert nur einer. Fohringer: "Gewinner ist allein die Post." Katrin Herbers

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