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TÜV warnt vor Spielzeug-Mängeln

DORTMUND Nach dem Rückruf von Mattel-Spielzeug schlägt der TÜV Rheinland Alarm. Bei Kontrollen fällt jedes zweite chinesische Spielzeug durch, das die Prüfer erstmals unter die Lupe nehmen.

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Chinesische Arbeiterinnen fertigen Puppen in einer Spielzeugfabrik im chinesischen Shantou. Etwa 80 Prozent des in Deutschland verkauften Spielzeugs werden in China hergestellt.

Unter den zurückgerufenen Mattel-Spielzeugen befinden sich auch Barbie-Puppen aus den Jahren 2002 bis 2007.

„Mehr als die Hälfte der Produkte, die wir zum ersten Mal sehen, müssen zur Überarbeitung an den Hersteller zurück“, sagte Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland unserer Zeitung. Die Mängel seien „keine Kleinigkeiten“, erklärte Diekmann weiter. So weise Spielzeug Schwermetalle auf, in Holzwaren finde sich Formaldehyd, das Allergien und Hautreizungen hervorrufen kann. Die Kontrollen, die der TÜV vor Ort in China vornimmt, sind nicht verpflichtend. Große Handelshäuser verlangen sie aber von den Herstellern, um die Qualität ihrer Waren zu garantieren.

"Schärfere Mittel"

Die EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva hatte schon bei einem Chinabesuch im Juli die Produktsicherheit kritisiert: „Wenn wir nicht bald spürbare Fortschritte sehen, greifen wir zu schärferen Mitteln. Und die tun weh“, sagte sie. Die NRW-Verbraucherzentrale fordern nach dem Rückruf schärfere Kontrollen. Das NRW-Verbraucherschutzministerium sieht indes „keinen Grund zur Panikmache“. Die Qualitäts- und Sicherheitsstandards in der EU seien sehr hoch, sagte eine Sprecherin.

Nach dem jüngsten Rückruf von 18 Millionen Mattel-Spielzeugen gerät die Produktionssicherheit in China zunehmend in den Blick. Im Oktober muss das Land der EU-Kommission über seine Sicherheitsstandards bei der Produktion berichten. Rund 80 Prozent des in der EU angebotenen Spielzeugs stammt aus China. Zu schärferen Maßnahmen will die Kommission bis dahin nach eigenen Angaben nicht greifen.

"CE" bringt wenig

Verbraucherschützer und TÜV Rheinland sind sich indes einig, dass das in der EU verpflichtende CE-Zeichen nicht viel wert ist.  Die derzeitige CE-Kennzeichnung „sagt nichts über die Qualität des Spielzeugs aus“, sagte NRW-Verbraucherzentralesprecherin Mechthild Winkelmann. Mit dem CE-Zeichen bestätigen die Produzenten, Sicherheitsvorschriften einzuhalten, unabhängig ist der Check nicht. Kontrollen, wie sie etwa der TÜV Rheinland bei Produkten großer Hersteller vornimmt, sind freiwillig.

Der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) hält das meiste Spielzeug in Deutschland dennoch für sicher. Die Möglichkeit, dass gefährliche Produkte auf den deutschen Markt gelangten, sei „sehr gering“, sagt DVSI-Justiziar Ulrich Brobeil. Eine Sprecherin von Hasbro (MB-Spiele) spricht von „sehr strengen Richtlinien“ – und kündigt zugleich intensivere Kontrollen an. Ein Dorn im Auge sind Hasbro und dem DVSI die Ramschläden: DVSI-Justiziar Brobeil nennt die Situation dort „schwierig“, Hasbro-Sprecherin Rafaela Hartenstein sagt, die „Ein-Euro-Läden spielen in einer anderen Liga“.

Im NRW-Ministerium für Verbraucherschutz heißt es, Kunden sollten mehr auf die Qualität des Spielzeugs achten. Eine Sprecherin sagte: „Lieber weniger kaufen, dafür aber höherwertige Ware.“

Chinas Regierung äußerte sich gestern empört über die Vorwürfe gegen das Land. „Unverantwortliche Menschen“ machten ein kleines Problem zu einem großen, sagte ein Handelsministeriums-Sprecher.

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Chinesische Arbeiterinnen fertigen Puppen in einer Spielzeugfabrik im chinesischen Shantou. Etwa 80 Prozent des in Deutschland verkauften Spielzeugs werden in China hergestellt.

Unter den zurückgerufenen Mattel-Spielzeugen befinden sich auch Barbie-Puppen aus den Jahren 2002 bis 2007.

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