Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Teure Schlüsselnotdienste: Nicht jeden Preis hinnehmen

Düsseldorf/Berlin (dpa/gms) - Schnell ist es passiert: Da will man nur die Zeitung hereinholen, schon schlägt ein Windstoß die Wohnungstür zu - und der Schlüssel ist drinnen. Wer dann einen Schlüsselnotdienst zu Hilfe ruft, muss oft tief in die Tasche greifen.

Anzeige

«Es gibt unseriöse Firmen, die den Kunden nur abzocken wollen. Dieses Ärgernis zieht sich schon seit Jahrzehnten hin», sagt Jürgen Schröder, Jurist von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Doch auch in der Notlage muss der Betroffene sich nicht über den Tisch ziehen lassen, wenn er ein paar vorbeugende Regeln beachtet.

«Überdurchschnittlich viele Anbieter mit zweifelhaftem Hintergrund» hat Simone Vintz von der Stiftung Warentest in Berlin schon vor zwei Jahren bei einem Test von Schlüsselnotdiensten ausgemacht. Ihre Hauptvorwürfe: Die geprüften Firmen boten unqualifizierte Arbeit durch unfähige Monteure, die vorsätzlich Türen und Schlösser demolierten, überteuerte Ersatzteile einbauten, zweifelhafte Zuschläge verlangten und unverschämte Preise kassierten. Der unwissende Kunde könne häufig nur auf sein Glück vertrauen. «Ich habe nicht den Eindruck, dass sich da wirklich etwas geändert hat», sagt Vintz.

Die Liste der Tricks, mit denen die unseriösen Anbieter arbeiten, sei lang. Um im Branchentelefonbuch ganz vorne zu stehen, beginnen viele Firmennamen mit einem oder mehreren A, einer Null oder einem Ausrufungszeichen. Vermittlungsdienste inserieren unter verschiedenen Namen und Nummern. Doch der Anrufer landet immer in demselben Callcenter, das Aufträge an Handwerker vergibt. Monteure reisen daher oft von auswärts an, was den Preis in die Höhe treibt.

Mindestens ebenso umfangreich wie die Liste der Praktiken zweifelhafter Firmen sind die Tipps, die etliche Verbände für die Suche nach einem seriösen Schlüsselnotdienst anbieten. «Nicht einfach anrufen und sagen: Kommen Sie mal», nennt Schröder die Grundregel. Wer die Chance habe, solle mehrere Firmen anrufen, sich nach Arbeits- und Fahrkosten erkundigen und fragen, woher der Monteur kommt.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt/Main beschreibt im Internet gleich auf fünf Seiten, wie sich Kunden vor Abzockern schützen können. «Das Problem genau schildern: ob die Tür abgeschlossen oder nur zugefallen ist», heißt es da etwa. In mehr als 80 Prozent der Fälle könnten zugefallene Türen einfach mit einem Draht geöffnet werden, ohne den Schließzylinder zu zerstören. «Falls man den Verdacht hat, die Rechnung ist erheblich zu hoch, sollte man einen angemessen erscheinenden Betrag zahlen», empfiehlt die IHK. Dann sollte man Fachleute zur Beurteilung der Rechnung einschalten.

Im Frankfurter Raum gibt es seit 2003 ein Pilotprojekt von Fachbetrieben aus der Schließ- und Sicherungstechnik, die sich von den schwarzen Schafen der Branche absetzen wollen. «Der Schlossprofi», eine Initiative der Bundesfachgruppe im Bundesverband Metall, wird von Firmen und Verbänden getragen, die Höchstpreise für den Noteinsatz empfehlen und damit für Transparenz sorgen wollen.

Doch bundesweit ist das Projekt noch nicht ins Laufen gekommen, wie Karsten Zimmer von der zuständigen Fachgruppe beim Bundesverband Metall in Essen einräumt. «Unsere Mitglieder sind Klein- und Kleinstbetriebe, die haben Probleme, einen 24-Stunden-Notdienst anzubieten», sagt er. Ein neuer Versuch werde aber etwa in Bayern gestartet.

Wer glaubt, betrogen worden zu sein, sollte dies nach Ansicht von Simone Vintz auf jeden Fall bei der Verbraucherzentrale melden und den Gang zum Gericht erwägen. «Oft lässt sich das Problem aber schon im Vorfeld mit einem Brief des Anwalts der Verbraucherzentrale an die Firma klären», sagt die Expertin der Stiftung Warentest. Die Datenbanken der deutschen Gerichte sind dennoch gut gefüllt mit Urteilen zum Stichwort Schlüsselnotdienst.

Simone Vintz weiß aber aus Erfahrung, dass viele an der Tür den verlangten Preis zahlen, weil ihnen die ganze Situation peinlich ist. «Der Kunde hat schon ein schlechtes Gewissen, weil er den Schlüssel verbummelt hat, da schluckt der jeden Preis», sagt sie.

Wer gar nicht erst in die Notlage kommen will, einem eventuell unseriösen Schlüsselnotdienst auf den Leim zu gehen, sollte einen Rat beherzigen, den alle Experten geben: Einfach bei Nachbarn oder Freunden in der Nähe oder an einem sicheren Versteck einen Ersatzschlüssel deponieren. «Das beugt allen Problemen am besten vor», sagt Verbraucheranwalt Schröder.

Ratgeber der IHK Frankfurt/Main: www.frankfurt-main.ihk.de, Rubrik «Suche», Suchwort: Schlüsseldienste

Firmenübergreifender Notdienst «Der Schlossprofi»: www.der-schlossprofi.de (Derzeit nur im Rhein-Main-Gebiet)

THEMEN

Anzeige
Anzeige