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Unerklärliche Disqualifikation für Lorei

Reiten

Trotz hervorragender Leistungen musste die Reiterin Talina Lorei ohne zählbares Ergebnis aus Kronenburg heimkehren.

Schermbeck

, 12.07.2018
Unerklärliche Disqualifikation für Lorei

Talina Lorei und ihr Hannoveraner „Akuna“ reiten bei der großen Eröffnungsfeier der Nationen des CHIO in Aachen mit. Foto: Horst Lehr

Bestärkt durch ihren Erfolg im letzten Wettbewerb fühlte sich die junge Schermbecker Reiterin Talina Lorei bereit für die große Bühne der Working Equitation Europameisterschaft.

Schon beim Aufeinandertreffen der internationalen Konkurrenz im „Equestrian Centre de Peelbergen“ in Kronenburg, Niederlande gab es einen engen Zeitplan. Lorei ritt hoch konzentriert nach dem Startaufruf in den Parcours, und nahm sofort Fahrt auf. Doch schon beim Durchreiten der ersten Ecke löste sich auf der gegenüberliegenden Seite ein großes Werbebanner laut flatternd im Wind. Da „Akuna“ sowieso sehr extrovertiert ist, war Lorei sofort klar. „Jetzt ist der Parcours für ihn ein Sperrgebiet“. Kaum zu Ende gedacht, stoppte Akuna auch schon, und ließ sich nur noch durch gezielte Hilfen weiter bewegen. Lorei erwartete zu diesem Zeitpunkt natürlich das sofortige „Abklingeln“ der Runde durch die Wettkampfrichter, doch nichts geschah. Sie bat dann selbst die Richter um Beseitigung der Störung, als dann immer noch nichts passierte, wurde es auch dem Publikum zu viel und ein Zuschauer zurrte das Banner von außen wieder fest. Lorei, die zwischenzeitlich ihr Kürprogramm blitzschnell umgestellt hatte, ritt mit einem wieder etwas beruhigten Akuna die Prüfung zu Ende und wurde danach auf dem dritten Rang platziert.

Stiltrail und Rinderarbeit

Am Samstag stand mit dem Stiltrail die zweite Aufgabe an. Akuna hatte den Schreck vom Vortag gut verdaut und ging erstaunlich gut den 16 Hindernisse umfassenden Parcours an. Lorei „war sehr zufrieden mit ihm“ und Platz vier bestätigte die gute Leistung.

Mit der Rinderarbeit am Morgen begann der dritte Wettkampftag. „Das war‘s jetzt erst mal mit den guten Platzierungen“, dachte Lorei, da dieser Teil nicht zu den Stärken Ihres Hannoveraners zählt. Doch am Ende waren diese Sorgen völlig unbegründet. Im ersten Lauf wurde das Rind zügig eingefangen und zur Linie gebracht. Im zweiten Lauf konnte Lorei das sogar noch toppen.

Knappe 15 Sekunden nach dem Anreiten war die Aufgabe erledigt. Mit dieser hervorragenden Performance erkämpfte sie sich den zweiten Gesamtplatz, es fehlte nur noch ein einziger Punkt zum führenden Niederländer Arie de Best. Der sagte anerkennend zu ihr: „Jetzt bist du mir aber schon gefährlich nahe gekommen“.

Danach folgte mit dem Speedtrail der reiterliche Höhepunkt des Tages. Der Parcours ähnelte dem Stilgelände, hatte aber weniger Hindernisse. Bis zu ihrem Start war es schon sehr warm geworden, doch Akuna ließ sich von der Hitze nicht beeindrucken und Lorei ritt die zum Teil enggestellten Hindernisse wie immer mutig und mit vollem Tempo an.

Bei dieser Prüfung soll das Pferd den Weg fehlerfrei und nur mit leichten Hilfen bei höchster Geschwindigkeit finden. Unterwegs entwickelte sich wieder einmal die so oft beschriebene „Einheit“ zwischen Pferd und Reiterin und unter dem Jubel des fachkundigen Publikums gelang dem Paar ein wahrer Parforceritt. Am Ende waren sie sogar noch schneller als der Führende in der Speedeinzeldisziplin. Als Lorei danach ihr Pferd versorgte trat überraschend eine der Richterinnen zu ihr und verkündete, dass sie „auf Richterbeschluss nachträglich für die Dressur wegen Hilfe von außen disqualifiziert worden“ ist. Lorei, die sich sicher war, selbst alles richtig gemacht zu haben, konnte das zuerst gar nicht fassen und erklärte die Sachlage aus ihrer Sicht. Doch die Richterin bestätigte das Urteil. Bei der abschließenden Platzierung reagierten viele Reiterkollegen mit Unverständnis.

Zu Hause lud Lorei ein Video des umstrittenen Vorfalls bei Facebook hoch und in kurzer Zeit bekam sie aus der „Workercommunity“ sehr viel positiven Zuspruch. Lorei hat mittlerweile den Vorfall „zu den Akten“ gelegt und sagt: „Ich weiß ja, dass wir viel besser waren, als das Ergebnis zeigt.“

Nach Ihrem tollen Auftritt bei der Equitania hat der bekannte Turniersprecher Volker Raulf der jungen Schermbecker Reiterin einen Kontakt zum Organisationsteam des CHIO vermittelt, und Sie bei den Verantwortlichen für das große Showprogramm ins Gespräch gebracht. Daraus entstand eine feste Verpflichtung für den Auftritt bei der Eröffnungsfeier in der „Aachener Soers“. Lorei wird dabei mit Akuna in der großen Eröffnungsparade der Nationen mitreiten. „Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt die Reiterin.