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Interview

„Uns eint die Liebe zu A-ha – nicht notwendigerweise zueinander“

Dortmund A-ha musste 35 Jahre Bandgeschichte hinter sich haben, um ihre ersten Akustik-Konzerte zu spielen. Dafür haben sie auch ihren größten Hit „Take on me“ völlig neu arrangiert. Im Interview spricht Sänger Morten Harket über die Besonderheit akustischer Konzerte, der Bedeutung von Medien und die Beziehung zwischen den Bandmitgliedern.

„Uns eint die Liebe zu A-ha – nicht notwendigerweise zueinander“

A-ha eint die Liebe zur Band und zur Musik. Beste Freunde müssen sie nicht sein. Foto: Just Loomis/Universal Music

Die Norweger Pal Waaktaar-Savoy, Magne Furuholmen und Morten Harket haben sich in ihrer Bandgeschichte mehr als einmal getrennt und wieder zusammengerauft. Zurzeit läuft es für A-ha richtig gut. Sie haben ein neues Album und gehen auf Unplugged-Tour.

Viele hat es überrascht, dass A-ha jetzt auf Unplugged-Tournee gehen. Dabei liegen die Wurzeln doch im Akustik-Bereich...

In gewisser Weise schon, weil wir ja auf diese Art komponiert und unsere Songs geschrieben haben. Sie sind alle auf dem Klavier und an der Gitarre entstanden. Obwohl wir das E-Piano bevorzugt haben. Aber es hat natürlich auch praktische Gründe gegeben. Eine akustische Gitarre kann man eben überall hin mitnehmen und etwas ausprobieren.

Als sich A-ha das letzte Mal getrennt haben, geschah das mit der Begründung, die Bandmitglieder seien sich nicht mehr nah genug. Aber muss man sich nicht besonders nah sein, wenn man ein Unplugged-Konzert spielt?

Nicht unbedingt. Es ist, glaube ich, wichtig, wie das Zusammenspiel generell verläuft. Ob die Instrumente akustisch oder elektronisch sind, muss keine Rolle spielen. Aber wir mussten natürlich diese altmodische Art der Kommunikation nutzen, um Ideen für Arrangements vorzutragen. Sonst haben wir Vorschläge am Computer entwickelt und sie hin- und hergeschickt. Wenn Du mit Musikern im Studio sitzt und experimentierst, immer live, ist das was anderes.

Ist es schwieriger?

Es kommt einem manchmal tatsächlich schwieriger vor, weil man auf Akustikinstrumenten weniger Variationsmöglichkeiten hat. Allerdings kann man Ideen auch schneller ausprobieren und feststellen, ob irgendwas gut klingt, wenn die Band die Idee gemeinsam und quasi live verwirklicht. Das ist ein Vorteil gegenüber unserer sonstigen Art zu produzieren.

Nach 35 Jahren A-ha und der einen oder anderen Trennung: Wie nah fühlen sich denn die Musiker heute?

Auf einer Skala von 1 bis 10 oder so?

Nein, das würde mir nichts sagen. Etwas genauer wäre schön. Schließlich hieß es ja bei der Trennung 2011, man fühle nicht mehr viel füreinander. Und schon gar keine Freundschaft.

Sehen Sie, das ist das Ärgerliche. So habe ich das ja nicht gesagt. Journalisten machen es sich oft zum Konzept, die Dinge zu verkürzen, damit sie knackig klingen. Das geht dann durch mehrere Hände, und am Ende kommt so eine Aussage dabei heraus. Etwas, was bestenfalls irgendwo in der Nähe der Wahrheit ist.

Okay, dann ist hier die Chance, die Dinge richtigzustellen.

Das höre ich auch oft. Aber es ist mir wichtig klarzustellen, wie oft man falsch zitiert wird.

Sagen Sie. Andererseits kann ich nicht jedes Zitat, das von Morten Harket zu finden ist, überprüfen, indem ich anrufe und frage: Haben Sie das mal so gesagt?

Auch wahr. Also werde ich es erklären. Wir haben unterschiedliche Ansprüche an uns gehabt und daraus Konsequenzen gezogen. Sehen Sie, in einer Band ist es, wenn sie funktionieren soll, so, dass alle sich hundertprozentig darauf konzentrieren müssen. Man kann nicht mal eben was nebenbei machen. Und die Möglichkeiten, mal etwas außerhalb der Band zu tun, sind ja riesig. Aber man kann eben nicht sagen: So, dieses Jahr mache ich was anderes, nächstes Jahr dann wieder A-ha. Was Du tust, musst Du mit vollem Einsatz tun, ohne Zeitlimit. Heißt: Du bist in der Band – oder draußen. Und ich wollte draußen sein. Also haben wir gesagt: An dieser Stelle stoppen wir die Weiterentwicklung von A-ha, was allen erlaubt, etwas anderes zu machen. Wir wussten aber nicht, für wie lange. Es hätte durchaus fürs ganze Leben sein können. Wir haben aber nie gesagt: Das war es jetzt definitiv mit A-ha.

2015 haben Sie weitergemacht. Warum?

Weil es sich danach anfühlte. Es ist ja auch so, dass ich ständig gefragt werde: Seid ihr Freunde oder nicht? Für viele gibt es nichts dazwischen. Wo im Leben sind die Dinge so einfach? Dass immer alles schwarz oder weiß sein muss? Es ist respektlos, die Dinge im Leben nur wie eine Schablone zu sehen. Dafür ist es zu kompliziert und zu schön.

Einverstanden. Sonst noch Kritik? Ich teile sie übrigens in manchen Punkten.

Ich will nur sagen: Wenn diese Entwicklung so weitergeht, ist die Rolle der Presse als Stimme der freien Welt in Gefahr. Wenn die Medien nicht mehr als ehrenhaft wahrgenommen werden, bekommen wir ein Riesenproblem. Und wir brauchen seriöse Medien in Zeiten von Donald Trump mehr als je zuvor. Der ist ja nicht vom Himmel gefallen. Der wurde gewählt. Man darf Medien nicht allein als Business sehen.

Den Punkt darf ich gern mal zurückgeben. Denn durchaus nicht wenige Ihrer Kollegen betreiben ihr Geschäft genau so: Schlagzeilen um jeden Preis, egal ob positiv oder negativ.

Ja, aber sie passen sich dem an, was von Ihnen erwartet wird. Es ist vorgegeben.

Das ist mir nun wiederum zu einfach.

Also einigen wir uns darauf, dass das Leben viele interessante Facetten bereithält, über die man berichten kann, die aber nicht auftauchen, weil sie nicht massentauglich sind. Dabei ist es so wichtig, Mechanismen hinter dem großen Geschäft aufzuzeigen, was manchmal nicht ausreichend geschieht.

Den Konsens kriegen wir hin. Ich würde aber gern noch mal über die Beziehung der Bandmitglieder reden.

Es sind drei sehr starke Individuen. Und wir sind alle völlig unabhängig. Aber uns eint die Liebe zu A-ha und unserer Musik. Nicht notwendigerweise zueinander. Das war von Anfang an so.

Drei Leute – da ist es schwierig, im Streitfall zu einer Entscheidung zu kommen.

Aber das macht ein Triangel doch so stark. Wenn Du vier Leute hast, hast Du immer die Chance auf ein Unentschieden. Auch nicht befriedigend. Bei Dreien gibt es immer eine Mehrheit, wenn eine Entscheidung ansteht.

Viele Bands haben sich von A-ha beeinflussen lassen. Gibt es eine Band, von der Sie sich haben beeinflussen lassen?

Nein, da gibt es keinen Namen. Ich verfolge die Musikszene nicht, habe ich nie getan. Ich höre lieber der Stille zu. Natürlich registriert man manchmal etwas, das einem gefällt. Aber mich interessiert der dazugehörige Name eigentlich nicht. Das ist ja dann wieder der Teil des Business, den ich nicht so mag. Der, bei dem die Vermarktung von Namen beginnt. Aber halt, der Name einer wirklich starken, innovativen Band fällt mir schon ein: Daft Punk.

Und bei Ihnen bleibt das Radio dann im Auto und zu Hause aus...

Meistens. Ich mag es eher, wenn bei mir daheim in der Stille ein Truck vorbeifährt. Dann weiß ich, gleich ist er wieder weg, es wird wieder ruhig. Ja, Musik ist ein großer Teil meines Lebens, aber ich möchte nicht Gefangener der Musik sein, indem ich mich ständig berieseln lasse. Und was die Qualität angeht, halte ich es mit Jimi Hendrix. Als sie ihn mal gefragt haben, welche Art von Musik er bevorzugt, hat er gesagt: gute.

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