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Urteil im Fall Hungertod von Jacqueline

Marburg (dpa) Für den Hungertod der kleinen Jacqueline aus Bromskirchen in Hessen müssen ihre Eltern jahrelang ins Gefängnis. Das Landgericht Marburg verurteilte die 22 Jahre alte Mutter am Freitag zu acht Jahren Haft wegen Totschlags durch Unterlassen und Misshandlung Schutzbefohlener.

Urteil im Fall Hungertod von Jacqueline

Die Mutter (2.v.l.) des verhungerten Kindes Jaqueline sowie Jaquelines Vater (2.v.r.) mit ihren Anwälten.

Der 34 Jahre alte Vater des Mädchens muss wegen vorsätzlicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung für drei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Die Staatsanwaltschaft hatte für das Paar lebenslange Haft wegen Mordes durch Unterlassen beantragt. Dem psychiatrischen Gutachten zufolge waren die Eltern voll schuldfähig. Die Staatsanwaltschaft kündigte Revision an.

Der Verteidiger der Mutter hatte am Freitagmorgen sechs bis sechseinhalb Jahre Haft wegen Totschlags durch Unterlassen gefordert. Für den Vater plädierte sein Verteidiger auf Freispruch.

Das 14 Monate alte Mädchen war im vergangenen März in der nordwesthessischen 2000-Seelen-Gemeinde verhungert und verdurstet. Als die Mutter Jacqueline zu einer Ärztin brachte, war das Kind bereits tot. Durch die wochenlange Mangelversorgung und fehlende Pflege war die Kleine so wund, dass sich ihre Haut zwischen Knien und Nabel ablöste und sie starke Schmerzen hatte. Als das Mädchen starb, wog es sechs Kilogramm - rund die Hälfte dessen, was ein Kind dieses Alters normalerweise wiegt.

Jacqueline sei gequält worden, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Jemanden verhungern und verdursten zu lassen, führe zu einem grausamen Tod. Der Vater habe sich «aus der Sorge um sein Kind ausgeklinkt» und alles der Mutter überlassen. Der 34- Jährige hatte angegeben, Jacqueline rund zwei Wochen vor ihrem Tod das letzte Mal gesehen zu haben. Da habe er von ihrem schlechten Zustand gewusst und nichts unternommen, um ihr Leiden zu verhindern.

Auch Jacquelines Mutter habe gesehen, dass sich der Zustand ihrer Tochter «dramatisch verschlechterte», sagte der Richter und habe die Probleme des Kindes billigend in Kauf genommen.

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