Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Verbände warnen vor digitaler Spaltung im Klassenzimmer

Schüler sollen eigene Handys im Unterricht nutzen

Bislang müssen private Handys in den meisten Schulen in der Tasche bleiben. Demnächst sollen Schüler in Nordrhein-Westfalen ihr eigenes Smartphone im Unterricht nutzen. So stellen sich CDU und FDP den mordernen digitalen Unterricht vor.

,

Düsseldorf

, 21.03.2018
Verbände warnen vor digitaler Spaltung im Klassenzimmer

Schüler sollen nach Ansicht der Landesregierung künftig ihre eigenen digitalen Endgeräte im Unterricht nutzen. © dpa

Schüler an weiterführenden Schulen sollen nach den Plänen der NRW-Regierungsparteien künftig ihr eigenes Handy, Tablet oder Laptop im Unterricht einsetzen. Diesen Vorschlag zur Digitalisierung im Klassenzimmer machen sowohl die CDU-Landtagsfraktion als auch Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). „Bring your own device“ (BYOD) - „Bring dein eigenes Gerät mit“ - heißt die Devise in modischem Englisch.

Die Bildungsverbände halten allerdings wenig davon. Sie befürchten eine „digitale Spaltung“ im Klassenzimmer - und eine weitere Kluft zwischen Arm und Reich.

Lernvideos für Mathe auf Youtube? Englisch-Vokabeln schnell mal im Internet-Wörterbuch nachschlagen? Rollenspiele oder Versuche in Physik filmen? Nach Ansicht der CDU ist der Einsatz digitaler Medien in der schulischen Bildung eine „willkommene Ergänzung“ klassischer Methoden, aber kein Ersatz etwa zum Füllfederhalter.

Wer kein eigenes Gerät hat, bekommt eins gestellt

„Zumeist sind Schüler mit aktueller Hardware ausgestattet und kennen sich mit ihren eigenen Geräten am besten aus“, heißt es in einem Positionspapier zur Digitalisierung, das die CDU-Fraktion auf einer Klausurtagung erarbeitet hat. Wer kein eigenes Gerät habe oder eines, das den Mindeststandards nicht entspreche, solle es zur Verfügung gestellt bekommen. Schließlich werde der im Koalitionsvertrag der neuen schwarz-roten Bundesregierung vereinbarte Digitalpakt Schule die Bildungseinrichtungen entsprechend ausstatten.

Auch FDP-Ministerin Gebauer hält es für vorstellbar, „für eine gewisse Übergangszeit“ Schülern zu erlauben, ihr eigenes Smartphone im Unterricht zu nutzen. Grundsätzlich müsse aber der Staat die Schulen mit geeigneten Geräten ausstatten, sagte sie der „Rheinischen Post“. Deshalb müsse der Digitalpakt Schule jetzt an den Start kommen. „Die Kommunen und Bundesländer warten auf das Geld und wollen loslegen.“

GEW: Vorschlag zeigt Versagen der Politik

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW warnte dagegen vor einer „digitalen Spaltung in den Klassenzimmern“. Alle Schüler müssten „unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern“ ein digitales Endgerät mit gleichen Standards nutzen können, erklärte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern. Der Vorschlag, dass die Schüler ihr eigenes Gerät mitbringen sollten, „zeigt doch nur das Versagen der Politik“.

„Das kann im Sinne der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit keine Lösung sein“, sagte auch Stefan Behlau, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Vielmehr müssten Schulträger oder die Landesregierung entsprechende Medien zur Verfügung stellen. Es gebe bei der Verteilung der Finanzmittel auch große regionale Unterschiede, sagte Behlau. Und: „Wenn wir über „Bring your own device“ sprechen, habe ich das Gefühl, dass da vor allem die Gymnasien in den Fokus gerückt werden“, sagte Behlau. Andere Schulformen, die vor ganz anderen Herausforderungen stünden, würden außer Acht gelassen.

Landesweite Lernplattform wegen Mängeln gestoppt

„Digitalisierung darf man auch nicht auf Youtube-Videos reduzieren“, sagte Behlau. Es müsse auch einheitliche Betriebssysteme geben. Leider sei die geplante landesweite Lernplattform Logineo, die auch den Datenschutzrichtlinien entspreche, wegen technischer Mängel gestoppt worden. „Es ist dringend an der Zeit, dass da eine Lösung geschaffen wird, um sowohl Lehrkräfte als auch Schüler aus der Grauzone der Digitalisierung in den sicheren Bereich zu holen.“

Denn auch bei Lehrern ist der Einsatz privater Rechner für den Unterricht umstritten. So sollen Lehrer seit kurzem eine Datenschutzerklärung unterschreiben, die sie zu Vorsicht beim Umgang mit Schülerdaten verpflichtet. Die GEW fordert bereits seit langem dienstliche Computer für Lehrer, die durch IT-Fachkräfte gewartet werden müssten. „Das sind übliche Standards in Industrie und Verwaltung, aber offenbar nicht in den Schulen des Landes. Dazu fehlt das Geld.“

dpa