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„Victoria“ Staffel 2: Die junge Königin wird erwachsen

Berlin. Königin Victoria prägte Großbritannien wie keine andere. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis England ihr eine eigene Serie widmete. Nun ist schon die zweite Staffel erschienen.

„Victoria“ Staffel 2: Die junge Königin wird erwachsen

Die Liebe und die Konflikte zwischen Königin Victoria (Jenna Coleman) und Prinz Albert (Tom Hughes) stehen im Mittelpunkt der 2. Staffel von „Victoria“. Foto: ITV/Gareth Gatrell

Die britische Monarchin Victoria regierte das Vereinigte Königreich 63 Jahre, so lange wie niemand vor ihr. Erst 2016 gelang es Queen Elisabeth II., diesen Rekord zu brechen. Das würdigte der Streamingdienst Netflix mit der Serie „The Crown“, die im Jubiläumsjahr veröffentlicht wurde.

Nahezu zeitgleich bekam auch Victoria ein Historiendrama mit Jenna Coleman in der Hauptrolle. Nun ist die zweite Staffel als Deluxe Edition auf DVD und Blu-ray erschienen.

Die Fortsetzung widmet sich weiterhin den ersten Jahren ihrer Regierungszeit, räumt jedoch politischen Ereignissen größeren Raum ein. Der militärische Konflikt in Afghanistan, Verfassungskrisen und die Hungersnot in Irland stellen die junge Königin vor riesige Herausforderungen, zumal sie obendrein vielzähliger Skandale am Hof Frau werden muss. Dass Victoria mittlerweile mit dem zweiten Kind schwanger ist, macht ihren Alltag nicht einfacher.

Inmitten dieser Turbulenzen reift sie zu einer verantwortungsbewussten Staatsfrau heran, die ihre kindlichen Allüren allmählich ablegt. Mit mutigen wie instinktsicheren Entscheidungen nötigt sie zunehmend nicht nur ihren Kritikern, sondern auch ihrem Ehemann Prinz Albert (Tom Hughes) Respekt ab.

In der ästhetischen Umsetzung folgt auch die zweite Staffel dem bewährten Rezept historischer Dramen: Schicke Kostüme, ausgefallene Frisuren, pompöse Interieurs und herbstbelaubte Alleen, auf denen prächtige Pferde galoppieren. All das gibt es in Überfülle. Wer sich für Mode und Einrichtungsstil des viktorianischen Zeitalters interessiert, wird in der Fortsetzung auf seine Kosten kommen.

So beeindruckend die Schauplätze aber sind, so enttäuschend ist allerdings die Dramaturgie. Die Konflikte kochen zu sehr auf Sparflamme, als dass sie wirkliches Drama erzeugen würden. Dabei wirkt es sich nicht gerade zum Vorteil aus, dass Drehbuchautorin Daisy Goodwin ihre Konzentration hauptsächlich auf den auf- und abschwellenden Streit zwischen Victoria und Albert richtet, der die Zuschauer mit der Zeit eher ermüdet als in Atem hält.

Für Lichtblicke sorgt erneut Rufus Sewell als Victorias Mentor Lord Melbourne, der dieses Mal zwar seltener auftritt, dafür umso mehr durch sein zurückgenommenes Spiel überzeugt. Einige wenige Mienenzüge genügen ihm, um die Tragik zum Ausdruck zu bringen, die in seiner Beziehung zu der jungen Königin liegt.

In dem über 90-minütigen Bonusmaterial, das aus Interviews, einem Making-of und dem Featurette „Hinter den Kulissen“ besteht, kommt Sewell leider nicht zu Wort. Dafür äußern sich die restlichen Hauptdarsteller zu den markanten Charakterzügen der jeweiligen Figuren und sprechen über ihre Erfahrungen am Set. Sehr schnell wird deutlich, dass die Eleganz der Kulissen bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Großes Lob finden sie vor allem für die Arbeit der Kostümbildner, die sich ausschließlich an historischen Porträts orientiert haben. Produktionsdesigner Michael Howells erklärt hingegen, wie sich die Räumlichkeiten des Palastes gegenüber der ersten Staffel verändert haben.

Diese Passagen sind insofern sehenswert, als in ihnen der Übergang vom Design König Georgs zum viktorianischen Look geschildert wird. Nebenbei lernt man viel über die einstige Monarchin selbst. Sowohl die Schauspieler als auch Drehbuchautorin Daisy Goodwin erklären, wodurch sich Victoria ihrer Meinung nach auszeichnete.

Diese im Bonusmaterial verstreuten Aussagen ergänzen die Serie und komplettieren das Porträt einer starken wie leidenschaftlichen Frau, die nicht nur neun Kinder zur Welt brachte, sondern auch das Vereinigte Königreich in die Moderne führte.

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