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Paketshops lohnen sich für Betreiber kaum

Viele Kunden machen Paketshops das Leben schwer

NRW Paketshops sind praktisch. Nicht nur für Logistik-Unternehmen, sondern auch für Kunden. Doch die Betreiber der kleinen Läden, die mit Paketen ein Zusatzgeschäft machen wollen, verdienen damit kaum Geld. Und einige Kunden stellen sie zusätzlich vor Probleme. 

Viele Kunden machen Paketshops das Leben schwer

Die Pakete stapeln sich: Nithiyananthan Sarvananthan betreibt seit drei Jahren in seinem Kiosk einen UPS-Paketshop. Zwar beschere ihm der Paketversand einen kleinen Nebenverdienst, viel sei das aber nicht, sagt er. Foto: Beneke

Es ist sieben Uhr früh. Nithiyananthan Sarvananthan öffnet seinen Kiosk in der Plauener Straße 1, an der Saarlandstraße in Dortmund. Bis Mitternacht ist er für seine Kunden da. Durchgehend. Draußen an Tür und Fenstern kleben kleine Aufkleber, die seinen Kiosk als UPS-Paketshop ausweisen. Der Kiosk ist einer von insgesamt 30 UPS-Paketshops in Dortmund. Von früh bis spät trudeln daher bei Nithiyananthan Sarvananthan nicht nur Kiosk-Kunden, sondern auch Pakete ein.

Sarvananthan betreibt den Paketshop in seinem Kiosk bereits seit drei Jahren. Das Nebengeschäft sei nicht kompliziert, sagt er. Dennoch ärgern ihn die vielen Pakete. „Kunden haben zehn Tage Zeit, die bei mir abzuholen. Viele kommen erst am letzten Tag. Solange liegen die Pakete hier rum, je mehr es werden, desto weniger Platz bleibt, wenn ich für den Kiosk Lieferungen bekomme“, sagt er und deutet auf die vielen Kartons, die sich fein säuberlich gestapelt neben ihm auftürmen.

Paketshops wie der von Nithiyananthan Sarvananthan sind oft in Kiosken zu finden – und ein Platzproblem haben viele der kleinen Buden, sagte Marketing-Expertin Prof. Sabine Benoit, Professorin an der Surrey Business School in der Nähe Londons, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Ein paar Pakete am Tag kann ein Kioskbetreiber sicherlich zusätzlich lagern. Wenn das Volumen aber zunimmt und die Kunden ihre Pakete nicht sofort abholen, kann das problematisch für Kioske sein.“

Das Ruhrgebiet ist ein großer Paket-Hotspot

Deutschlandweit wurden 2017 nach Schätzung des Bundesverbands Paket und Expresslogistik (Biek) mehr als drei Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen verschickt. Seit 2012 habe es hier einen Anstieg von etwa 30 Prozent gegeben, sagt Elena Marcus-Engelhardt vom Biek. Der Grund: Onlinehandel boomt, immer mehr Menschen bestellen Waren im Internet.

Mit dem Handel im Internet gewinnen auch Paketshops an Bedeutung. „Hermes hat als erster Paketdienst bereits 1999 testweise erste Paketshops im Einzelhandel eröffnet. Im Jahr 2000 wurde das Paketshop-Netz dann offiziell gestartet“, sagt Ingo Bertram, Pressesprecher von Hermes. Hotspots in NRW seien Köln, Düsseldorf und Essen, „zudem können Sie das gesamte Ruhrgebiet aufgrund der dichten Besiedlung guten Gewissens als einen großen Paket-Hotspot bezeichnen“, so Bertram.

Ist das Paket bestellt, können Kunden bei Paketdiensten wie der DHL, Hermes, GLS, UPS und DPD online Filialen, Packstationen und Paketshops bequem selbst nachsehen. Postleitzahl angeben, auf „Suchen“ klicken, los geht’s. So lassen sich nicht nur Adresse und Öffnungszeiten nachvollziehen, sondern auch die Leistungen, die der jeweilige Paketshop anbietet. So nehmen einige Shops beispielsweise nur Pakete an und geben sie raus, verkaufen aber keine Briefmarken.

80 bis 100 Euro im Monat verdienen Paketshops zusätzlich

Meist genutzt unter den angebotenen Leistungen ist die Lieferung in den Shop statt nach Hause. „Ich bestelle regelmäßig, vielleicht alle zwei Wochen. Liefern lasse ich, wenn Hermes der Zusteller ist, immer in diesen Paketshop. Er liegt direkt bei mir um die Ecke, hier kann ich einfach hinkommen und es abholen“, sagt ein 40-jähriger Dortmunder, der seinen Namen nicht nennen möchte. Er nutzt den Hermes-Paketshop in der Nähe des Vinckeplatzes. „Paketshops sind praktisch, ich bin oft nicht zuhause und die haben fast immer geöffnet, das Paket zu holen ist ganz leicht.“

Ungefähr 80 bis 100 Euro verdienen sich Paketshop-Betreiber wie die Sarvananthans durch den Paketshop monatlich dazu. Wirklich viel sei es nicht, aber es lohne sich dennoch, sagt der Kiosk-Besitzer. „Mit Paketshops können die Betreiber nicht viel verdienen“, sagt Herbert Millmann vom Postagenturverband Deutschland, in dem sich Betreiber von Postfilialen organisieren. Über Geld möchte keines der großen Unternehmen öffentlich sprechen. Doch Millmann sagt, dass alle Firmen den Shop-Betreibern pro Paket unter 50 Cent zahlen. „Für Betreiber ist das kein Erfolgsrezept. Man soll damit kein Geld verdienen. Es ist ein Nebenverdienst, der kostendeckend sein soll.“ Dabei fordert er, dass der Betrieb eines Paketshops auskömmlicher werden müsse. „Für den großen Logistik-Unternehmer ist es ein großer Erfolg, aber der kleine Betreiber hat viel Arbeit mit seinem Paketshop.“

10 Tage vor dem Urlaub werden keine Pakete mehr geliefert

So fallen neben den Paketen für Shop-Betreiber ganz alltägliche Dinge ins Gewicht: Urlaub nehmen beispielsweise. Der Shop sollte möglichst das ganze Jahr geöffnet sein, will der Betreiber in den Urlaub fahren, muss er das an das Versandunternehmen kommunizieren, damit das Unternehmen und die Kunden sich auf die kurzweilige Schließung einstellen können. GLS schreibt dazu: „Generell stellt GLS zehn Tage vor einem Urlaub keine Pakete mehr in einen Paketshop zu und holt alle Pakete einen Tag vor dem Urlaub aus dem Paketshop ab.“

Viele Kunden machen Paketshops das Leben schwer

Ahmad-Reza Rahimi betreibt den Schuh- und Schlüsseldienst „Goldschlüssel“ an der Hohen Straße in Dortmund. Ihm ist wichtig, dass die Dortmunder durch den Paketshop seinen Betrieb kennenlernen. Foto: Beneke

Ein Argument, das Logistik-Unternehmen für den Betrieb eines Paketshops anführen, ist die Akquise neuer Kunden. Shop-Betreiber, so die Meinung der großen Firmen, profitieren durch das zusätzliche Paket-Geschäft, denn das locke neue Kunden an. „Im Gegenteil, das wirkt sich sogar kontraproduktiv aus, wenn die eigentlichen Kunden warten müssen, weil andere ihr Paket holen wollen“, hält Herbert Millmann dagegen.

Auch Ahmad-Reza Rahimi hat sich über Kundenzuwachs Gedanken gemacht. Er betreibt den Schuh- und Schlüsseldienst „Goldschlüssel“ an der Hohen Straße in Dortmund – hier hat er vor fünf Jahren einen DHL-Paketshop eingerichtet. Der Verdienst durch die Pakete spielt für ihn nur eine geringe Rolle. „Ich mache das, damit die Leute meinen Laden kennenlernen“, sagt er. Die Pakete sollen dafür sorgen, dass die Leute wissen, was sein Betrieb zu bieten hat. Für die großen Logistik-Unternehmen wie DHL, Hermes, UPS, GLS und DPD stellen die kleinen Paketshops eine große Entlastung dar – vor allem angesichts des boomenden Onlinehandels. Kunden und Zusteller haben hier eine direkte Anlaufstelle.

20.000 Sendungen am Tag für Dortmund

Als bevölkerungsreichstes Bundesland gehe in NRW im Ländervergleich „die meiste Post ab“, sagt Rainer Ernzer, Sprecher von DHL. Zahlen für das Bundesland oder einzelne Städte will er aus Gründen des Wettbewerbs zwischen den Versandunternehmen nicht nennen. Nur für Dortmund ließ er sich Zahlen entlocken: „Im normalen Jahresschnitt haben wir knapp 20.000 Sendungen am Tag für Dortmund und vor Weihnachten hatten wir an den Spitzentagen über 35.000 Sendungen.“ Seit Jahren gebe es eine Mengensteigerung von sieben bis acht Prozent. Und ein Ende sei nicht in Sicht, sagt Ernzer.

Ein Gutes hat die Paket-Schwemme in der Weihnachtszeit. Es ist wohl die Zeit im Jahr, in der die Betreiber der kleinen Shops ein wenig mehr Profit einfahren als sonst. „Weihnachten war viel los. Da hatte ein Shop um die Ecke geschlossen und alle haben ihre Pakete bei mir abgegeben“, sagt Nithiyananthan Sarvananthan. So hat sich das Geschäft mit den Paketen für den Kioskbetreiber trotz der vielen Arbeit und des Platzmangels gelohnt.

Unternehmen vermelden immer neue Paket-Rekorde

  • In Deutschland werden immer mehr Pakete verschickt. Grund für die steigenden Zahlen sei der Onlinehandel, sagt DHL-Pressesprecher Rainer Erzner. „4,3 Millionen Pakete stellt die DHL bundesweit täglich zu.“

  • „Durchschnittlich ist der nächste Paketshop in deutschen Großstädten nur rund 600 Meter entfernt, in den Metropolen sind die Entfernungen teils noch geringer“, sagt Ingo Bertram, Pressesprecher von Hermes.

  • Vor allem in der Weihnachtszeit explodieren die Zahlen förmlich. Wie die DHL verzeichnet die die dpd jedes Jahr zu Weihnachten neue Rekordwerte. Neben Spitzenreiter München sind die NRW-Städte Köln, Düsseldorf, Essen und Dortmund wahre Pakethochburgen – sie zählen laut dpd zu den Städten, in denen bundesweit vor Weihnachten die meisten Pakete zugestellt werden.

  • Etwa 11.000 Paketshops gehören bundesweit zur DHL, rund 14.000 zu Hermes und circa 6000 gehören zur DPD. UPS gibt diesbezüglich keine Zahlen heraus. GLS-Paketshops gibt es in NRW aktuell über 900.

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