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Vor allem der Export wäre von Streiks betroffen

BERLIN Die möglichen Lokführerstreiks bewegen Deutschland. Denn wenn Bahner streiken, dann sind die Menschen direkt betroffen: Viele kommen nicht pünktlich zur Arbeit. Über weiter reichende wirtschaftliche Folgen des Konflikts sprach unser Berliner Korrespondent <i>Christoph Slangen</i> mit Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft.

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Vor allem der Export wäre von Streiks betroffen

Michael Hüther (IW): "Der tägliche Schaden dürfte sich auf rund 100 Millionen Euro belaufen."

Streiks im Nahverkehr, vorerst aber nicht im Güterverkehr – wie groß wären die wirtschaftlichen Schäden? Hüther: Die wirtschaftlichen Schäden eines Streiks im Personenverkehr – etwa durch Verspätungen bei der Arbeit – kann man überhaupt nicht seriös beziffern. Ein Streik im Güterverkehr kann zumindest näherungsweise eingeschätzt werden. Täglich werden Güter im Wert von 240 Millionen Euro auf der Schiene transportiert.

Nimmt man an, der Bahn würde es gelingen, die Hälfte zu behindern, blieben Güter für 120 Millionen stecken. Ein kleiner Teil kann sicher auf Schiffe oder LKW umdisponiert werden. Der tägliche Schaden dürfte sich auf rund 100 Millionen Euro belaufen, wenn es zu einem längeren Streik käme.

Wäre ein Streik eine Aufschwungbremse? Hüther: Betroffen wären natürlich vor allem Exportbranchen wie die Stahlbranche oder der Maschinenbau, also tragende Säulen des Aufschwungs. Wenn Lieferschwierigkeiten entstehen und sich im Ausland herumsprechen, könnte das zum Imageproblem werden.

Das Streikrecht soll ja genau dazu dienen, die Arbeitgeber unter Druck zu setzen. Hüther: So ist es. Allerdings: Den Streit, den die Bahn jetzt austrägt, gäbe es bei einem privaten Unternehmen wohl kaum. In einem privaten Unternehmen würden bestimmte Funktions-Eliten ohnehin anders vergütet als im Tarifvertrag vorgesehen. Dort gäbe es eine höhere außertarifliche Bezahlung.

Piloten, Ärzte, Lokführer – verstärkt sich der Trend zu einer Aufsplitterung von Gewerkschaften? Hüther: Solche berufsständischen Gewerkschaften entstehen in den Bereichen, in denen der Staat eine hohe Einflussnahme ausübt. Ich glaube, dass die Zahl solcher Gewerkschaften begrenzt bleiben wird. Die Bildung von Spezialgewerkschaften erfordert hohen Koordinierungsaufwand. Sie müssen zudem klar definierte Berufsprofile haben: Cockpit, Lokführer, Arzt – diese Berufe sind klar abgegrenzt. Viel mehr ist da nicht zu sehen.

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