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Fabio Demuro hat sich zur neuen Saison den Sportfreunden Ammeloe in der Kreisliga A angeschlossen. Dass er gehörlos ist, fällt nur selten auf.

Ammeoe

, 10.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Das Fußballspielen liegt Fabio Demuro in den Genen. Sein Vater Michael Demuro spielte immerhin lange Jahre in der Verbandsliga bei der SpVgg Vreden. Dort kickte auch der Sohnemann von klein auf – ehe er zur aktuellen Saison zu den Sportfreunden Ammeloe wechselte. Mit seinem Handicap – Fabio Demuro ist seit seinem ersten Lebensjahr gehörlos – kommt der 21-Jährige gut zurecht. In Sachen Fußball hat er dadurch schon einiges an Erfahrung gesammelt.

„Mit einem normalen Hörgerät“, sagt der Vredener, „würde ich so gut wie nichts verstehen.“ Mit dem implantierten Gerät über seinem rechten Ohr und dem dazugehörigen Einsatz in der Ohrmuschel klappt das deutlich besser. Die Kommunikation mit den Mitspielern funktioniere problemlos und auch dem Schiedsrichter müsse er vor Spielen nicht extra einen Hinweis geben, sagt Fabio Demuro. „Aber wenn es eine Standardsituation gibt, nehme ich das Gerät vorsichtshalber in die Hand, sonst könnte es beim Kopfball Probleme geben.“

Herausforderungen

Bei seiner Geburt sei noch alles „ganz normal“ gewesen, „als ich ein Jahr alt war, hatte ich dann eine Hirnhautentzündung und bin nach der Operation gehörlos geworden“, erzählt Fabio Demuro. Das brachte im Alltag durchaus Herausforderungen mit sich. So besuchte er eine Grundschule für Schwerhörige in Münster, anschließend die Realschule und das Gymnasium in Dortmund. „Da bin ich jeden Tag mit dem Taxi von Vreden hin- und wieder zurückgebracht worden. Da ging ganz schön viel Zeit drauf“, erinnert sich Fabio Demuro. Die Möglichkeit, das Abitur auf einer speziellen Schule abzulegen, bot sich allerdings nur in München, Berlin und Essen. Die Entscheidung fiel auf die Ruhrgebiets-Metropole, wo der Vredener schließlich im Internat lebte und in diesem Jahr sein Abitur erlangte.

Mittlerweile lebt er wieder bei seinen Eltern in Vreden, ehe er im Oktober das Lehramtsstudium für Mathematik und Religion in Köln aufnimmt. „Mein Ziel ist es, Lehrer an einer Förderschule zu werden“, sagt Fabio Demuro.

Spezielle Fußballmannschaften

Neben speziellen Schulen war er auch in Fußballmannschaften für Gehörlose aktiv – als 14-Jähriger trainierte er sogar in der deutschen Nationalmannschaft mit. Seit einiger Zeit und auch aktuell noch schnürt er die Schuhe für den GSF Wuppertal-Dönberg in einer Liga für Gehörlose. „In dieser Liga dürfen nur Spieler mitmachen, die eine Hörschädigung von 50 bis 100 Prozent haben“, erklärt der 21-Jährige. Einige Spieler haben es trotz dieses Handicaps auch im „normalen“ Fußball in höherklassige Ligen geschafft. Zum Beispiel Torhüter Christian Bölker, der aktuell in der Regionalliga West für den 1. FC Kaan-Marienborn spielt. Oder auch Simon Ollert, der bereits für Drittligist SpVgg Unterhaching stürmte.

Vor dem Kopfball kommt das Hörgerät ab

Fabio Demuro am Ammeloer Sportplatz © Sascha Keirat

Ganz so hoch wird es für Fabio Demuro wohl nicht mehr gehen, „aber zumindest wollte ich es mal in der Kreisliga A probieren“, sagt er, nachdem er bis Sommer in der dritten Mannschaft der SpVgg Vreden in der Kreisliga C gespielt hatte. Bei der SpVgg habe er schon als kleiner Junge angefangen und sich immer wohlgefühlt. „Aber auch in Ammeloe sind die Menschen super und haben mich sehr gut aufgenommen.“

Start bestens geglückt

Und auch sportlich ist der Start dem Abwehrspieler bestens geglückt. „Man sieht Fabio an, dass er sich hier pudelwohl fühlt. Er passt gut in unsere Mannschaft, ist ein netter, freundlicher und offener Typ“, sagt Trainer Matthias Wesseler, der auch mit Demuro senior befreundet ist und dessen Sohn Fabio nach Ammeloe gelotst hat. „Er ist technisch gut, kennt das Spiel, ist für seine 21 Jahre schon ganz schön abgezockt. Er spricht auch viel auf dem Platz. So zu agieren, auch wenn er nicht alles hört, verdient schon Respekt.“

In der Vorbereitung hat der Neuzugang bereits regelmäßig in der Startelf gestanden „und auch in der Liga hilft er uns sportlich auf jeden Fall weiter“, ist sich der Trainer sicher. Eines gibt Fabio Demuro aber zu denken: „Ich weiß noch nicht genau, wie ich es schaffe, parallel in Wuppertal und Ammeloe zu spielen.“ Doch auch dafür dürfte er eine Lösung finden.

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