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Kostbare Momente

Vreden Nele hat ihren kleinen Cousin auf dem Schoß. Till flüstert seinem Bruder etwas ins Ohr. Es muss lustig sein, zumindest strahlt Mats über beide Ohren.

31.10.2007

Als seine Mutter, Doris Niewöhner, ihm den bunten Clown zeigt und die Stabpuppe zwischen den Fingern dreht, so dass die Glöckchen am Kostüm klingeln, ist Mats vollkommen begeistert.

Drei Menschen ganz dicht in seiner Nähe und er mittendrin. Nebenbei hat Nele die Stabpuppe in Mats Hand gesteckt. Sonst lässt Mats sie nach wenigen Sekunden fallen, aber dieses Mal klappt es minutenlang. Als Doris Niewöhner das kleine Wunder bemerkt, erklärt sie begeistert: "Das hast du noch nie gemacht, Matsi."

Schwerstbehindert

Plötzlich fängt der Achtjährige an zu husten, und sofort hören die beiden Großen mit allen Späßen auf. Till sieht sich schon suchend um, als seine Mutter ihn um ein Tuch bittet. Sie hat ihren schwerstbehinderten Sohn gerade aufgerichtet, um ihm beim Husten zu helfen, und beruhigt ihn mit sanfter Stimme. Dieses Mal ist es noch einmal gut gegangen, und der Achtjährige, der weder seine Beine noch seine Arme bewusst bewegen kann und mit einer Magensonde ernährt wird, muss sich nicht übergeben.

Mats Lachen, aber auch sein Husten und häufiges Erbrechen gehören zum Alltag der vierköpfigen Familie in Vreden, seit der Geburt von Mats. "Dass er so gut husten kann, ist ein Glück. Auch dass er ein so fröhlicher Mensch, so goldig ist. Damit macht er es uns leicht. Aber er hat schnell einen Infekt, dann muss ich auch nachts aufsehen, weil er nicht abhusten kann", berichtet Doris Niewöhner. Die Mutter strahlt Vitalität, Kraft, Lebensfreude und viel Gelassenheit und Ruhe im Umgang mit ihrem schwerstbehinderten Sohn aus, aber sie fühlt sich selbst immer öfter ausgepowert und gestresst. "Man weiß nie, ob morgens alles klappt und Mats zur Schule kann oder ob ich ihn zwischendurch abholen muss. Wir können uns nichts vornehmen, weil mit Mats vieles ganz anders kommt. Biologisch ist der Mensch dafür gemacht, um ein oder zwei Jahre die aufwendige Pflege eines Säuglings zu bewältigen, wir machen es jetzt schon seit acht Jahren."

Freiräume muss sich die Familie ganz bewusst schaffen. Doris Niewöhner verteidigt ihren Chor, in dem sie singt und der für sie eine Kraftquelle ist. Ihr Mann findet Entspannung beim Modellbau. In den Herbstferien waren die Eltern mit Till eine Woche auf Mallorca und Mats war 14 Tage in der Kurzzeitpflege in der Gruppe Theresa in Haus Hall in Gescher.

Kraft schöpfen

"Das war ein ganz anderes Leben ohne Uhr und Versorgung," berichtet Doris Niewöhner, die ihren Sohn zum ersten Mal über eine so lange Zeit nicht gesehen hat.

Leicht ist ihr dieser große Schritt nicht gefallen, aber sie weiß, wie wichtig es ist, um auch Kraft zu schöpfen, Zeit für sich, den Partner und Till zu haben. Eine große Erleichterung war es, dass ihre Schwester zwischendurch Mats besucht hat.

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