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Roter Lindwurm zieht um

VREDEN Lautes Sirenengeheul durchbricht am Samstagmittag plötzlich die stille Idylle. Doch kein Großeinsatz ruf: Der Fuhrpark der Feuerwehr zieht um.

15.08.2007

Vom provisorischen Gerätehaus in der ehemaligen Dechering-Halle geht es auf in das neue Domizil am alten Standort an der Wüllener Straße. Aber nicht irgendwie, sondern mit Geheul und wild blinkenden blauen Alarmleuchten. Wie ein roter Lindwurm zieht sich der Tross der modernen Spritzenwagen um die letzte Kurve, nur unterbrochen von dem Tross in Reih und Glied marschierender Blauröcke. Der paradierenden Kolonne voran der "Bulli", auf dem "Einsatzleitung" steht und in dem auch Bernhard Nienhaus, verantwortlicher Wehrführer, wie seine Kameraden in voller Montur sitzt.

Mit Leib und Seele

Kurz zuvor führte er noch stolz durch das nigelnagelneue Gebäude der kurzen und damit schnellen Wege. "Genau so, dass man gescheit arbeiten kann, einfach passend", meinte Kreisbrandmeister Heinz Tenspolde in der Werkstatt "fürs Gröbere". Da, wo unter anderem Udo Pag, Oberbrandmeister, das Sagen hat. Scheinbar mit Leib und Seele Brandbekämpfer, denn: "Was ist mit dem hier?", fragt er Nienhaus und reckt ihm einen (noch) weißen Schlüsselkasten entgegen. Der nickt und schmunzelt nur: "Die wollen einfach alles in Rot haben."

Wichtig ist ihm danach der neue Nachbesprechungsraum mit Küche. Dort müssen er und seine älteren Kollegen, wie Löschzugführer Andreas Becking, vor allem den Jüngeren psychologisch zur Seite stehen, beispielsweise nach dramatischen Unfalleinsätzen. "Mit den schlimmen Bildern lassen wir die nicht nach Hause. Gelernt haben wir das zwar nicht", aber die Erfahrung mache das schon wett, so Nienhaus.

Dieselgeruch speien die metallenen Ungetüme wie der Unimog oder der Drehleiterwagen, mittlerweile auf der Wüllener Straße angekommen, aus ihren Auspuffrohren. Und plötzlich steht der Verkehr dort still. Jetzt schaut alles gebannt auf die dort ablaufende Aktion.

"Heilige Hallen"

Mit koordinierter Einfahrt rücken die 112-Notrufretter nacheinander zum ersten Mal in ihre "heiligen Hallen" ein - da wird das jüngst installierte Abluftsystem in Zukunft seinen Zweck erfüllen müssen. Die saugenden Schläuche lösen sich im Fall des Falles beim Fahrzeugstart automatisch.

Genauso schwenkt die Schranke vor dem Hinterhof-Parkplatz für die nach dem Alarm anbrausenden Privat-PKW hoch, die nächste Eingangstür entriegelt sich. High-Tech-Schnickschnack ist das nicht, sondern "funktional", so Nienhaus pragmatisch.

Denn jede Sekunde Zeitersparnis kann über Leben oder Tod von Menschen in Gefahr entscheiden. Allein das rechtfertige die 2,3 Millionen Euro teure Aus- und Aufrüstung der Stadt Vreden mit dieser Feuerwache als Investition für das 21. Jahrhundert. Vom 14. bis 16. September kann sich jeder Interessierte beim Festwochenende zum 100-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr selbst davon überzeugen. tke

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