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So lernen Kinder in der St.-Marien-Schule lernen

Grundschule

Wie wird in der Grundschule das Lernen gelehrt? Wir haben drei Stunden eine Klasse begleitet.

Vreden

, 22.06.2018
So lernen Kinder in der St.-Marien-Schule lernen

In der Öffentlichkeit gibt es häufig Kritik daran, wie Kinder schreiben lernen. © Victoria Thünte

Dienstagmorgen, 7.35 Uhr. Grundschullehrerin Mareike Wensing und Erzieherin Luisa Rahmel bereiten den Klassenraum der 2a der St. Marienschule für den Schultag vor. Mareike Wensing stellt eine Kiste mit Bausteinen auf eine Bank und legt Spielkarten daneben. Spielzeug in der Schule? „Im offenen Anfang ist alles erlaubt“, erklärt die Lehrerin. Es ist 7.45 Uhr, der Schultag beginnt. Zwei Jungs betreten den Klassenraum, schmeißen ihre Tornister auf den Tisch und holen ihre Lega-Ninjago-Sammelkarten raus. Das Klassenzimmer füllt sich. Vorne baut Mareike Wensing mit einigen Kindern Kartenhäuser, hinten liest Luisa Rahmel mit zwei Mädchen ein Buch. Drei Jungs rätseln vor einem Glas, wie viele kleine Legosteine wohl darin sind, und hoffen, dass sie mit ihrer Schätzung in dieser Woche vorne liegen. „Der offene Anfang sorgt für eine gewohnte Struktur und ein großes Stück Sicherheit. Der Tag startet immer gleich. Die Kinder können sich erst einmal untereinander austauschen und sich dann darauf fokussieren, was von ihnen gefordert wird“, erklärt Mareike Wensing.

1. Stunde: Wochenplan

7.55 Uhr, leise Klaviermusik mit Vogelgezwitscher setzt ein. Die Kinder wissen, was das bedeutet. Sie setzen sich auf ihre Plätze, kramen ihre Hefte raus und fangen an zu arbeiten. Innerhalb weniger Sekunden ist es still im Klassenraum. Nur die Musik und das Rascheln von Papier ist zu hören. „In der ersten Stunde arbeiten die Kinder immer selbstständig an ihrem Wochenplan“, so Mareike Wensing. Das gehört zum Konzept der Marienschule und zieht sich durch alle Klassen. „Die Gesellschaft fordert selbstständige und verantwortungsvolle Kinder“, sagt Schulleiterin Elisabeth Olthoff-Watermann. Genau das lernen die Grundschüler mit dem Wochenplan. Die Lehrer erstellen für jedes Kind einen individuellen Plan mit Aufgaben, die in der Woche erledigt werden müssen. In welcher Reihenfolge sie sie bearbeiten, bleibt dabei ihnen selbst überlassen. Konzentriert arbeiten die Kinder der 2a an ihren Aufgaben, stehen ab und zu auf, um sich ein neues Arbeitsblatt oder eines der drei Tablets zu holen, oder zeigen auf, weil sie alleine nicht weiterkommen.

„Die Pläne sind dem Lernfortschritt der Kinder angepasst, aber sie merken das gar nicht unbedingt, weil sie sich nur auf sich konzentrieren“, erklärt Mareike Wensing. Ein Junge mit Förderbedarf hat also auf seinem Plan auch Memory oder puzzeln stehen. „Man muss ihn gesondert fördern, ohne dass es auffällt“, weiß die Lehrerin. Am Montag bekommen die Kinder eine Bewertung im Ampelsystem für die erledigten Aufgaben. Wer auch die Zusatzaufgaben geschafft hat, bekommt einen Aufkleber.

2. Stunde: Lesen

8.40 Uhr, die Musik wird lauter und fröhlicher. „Aufräumen und dann nach vorne“, ruft Mareike Wensing ihren Schülern zu. Heute darf sich Lukas ein Lied wünschen, zu dem dann die ganze Klasse ausgelassen tanzt. Im Sitzkreis stellt die Lehrerin danach die neuen Aufgaben für die Lesezeit vor. „Hier werden im Text Schlümpfe beschrieben und ihr müsst den Texten die passenden Bilder zuordnen“, erklärt sie eines der Spiele. Mit ihrem Kommando „Sucht euch eine Aufgabe!“ springen die Grundschüler auf und verziehen sich in alle Ecken des Klassenraumes, auf den Flur und in einen Raum gegenüber.

So lernen Kinder in der St.-Marien-Schule lernen

Die Klasse 2a der Marienschule Vreden mit Lehrerin Mareike Wensing © Victoria Thünte

Sie können wählen zwischen Leserätseln, verschiedenen Spielen und Zuordnungsaufgaben. Immer geht es darum, gut zu lesen und die Informationen zu verarbeiten. Drei Mitarbeiter unterstützen die 24 Schüler dabei: Lehrerin Mareike Wensing, Erzieherin Luisa Rahmel und die pädagogische Mitarbeiterin Martina Robers.

„Früher fanden Kinder Lesen doof. Aber es muss eine feste Hausnummer sein und eine feste Zeit haben“, weiß Elisabeth Olthoff-Watermann. Dadurch habe sich auch die Rolle der Lehrer verändert. „Es geht weg von den frontalen Situationen, hin zum Lernbegleiter.“ Während früher oft gemeinsam in der Klasse gelesen wurde, also immer nur ein Kind dran war, bekommt heute jeder Schüler in freier Arbeit die Möglichkeit das Lesen zu üben.

Am Ende der Stunde stellen drei Jungs vor, was sie heute gelernt haben. Sie wissen zum Beispiel, dass Nashörner bis zu 50 Stundenkilometer schnell laufen können, dass Krokodile für Menschen eigentlich ungefährlich sind und dass Tiger unter dem Bauch keine Streifen haben. Sogar Nachfragen ihrer Mitschüler können sie beantworten.

3. Stunde: Deutsch

9.45 Uhr, nach der Pause wird geschrieben. Jedes Kind schreibt im Deutschunterricht in individuellem Tempo an einer Geschichte. Das Thema ist egal: ein Abenteuer auf dem Bauernhof, ein Märchen mit Prinzessinnen und Drachen oder eine verrückte Wissenschaftler-Geschichte. Wer mit seiner Geschichte zufrieden ist, liest sie zunächst einem Klassenkameraden vor und bekommt von ihm Rückmeldung. Dann wird der Text überarbeitet und schließlich von Mareike Wensing korrigiert. „Man wirft uns immer vor, dass wir nicht auf Rechtschreibung achten würden, aber natürlich lege ich da auch ein Augenmerk drauf.“

So lernen Kinder in der St.-Marien-Schule lernen

Die Pädagogische Mitarbeiterin Martina Robers liest mit zwei Schülern Interessantes über Tiere aus Afrika. © Victoria Thünte

Das Schreiben lernen die Kinder an der Marienschule mit der Fresch-Methode. Das steht für Freiburger Rechtschreibschule. Die Wörter werden dabei in vier Kategorien eingeteilt, um herauszufinden, wie sie geschrieben werden.

Gerade bei langen Wörtern hilft es, jede Silbe einzeln zu sprechen und dann aufzuschreiben. Wörter wie „rund“ kann man verlängern („runde“), um zu verstehen, warum es mit d geschrieben wird. Das Wort Bäume kommt von Baum, wird also mit „äu“ geschrieben. Das ist die Regel ableiten. Und dann gibt es Merkwörter, wie zum Beispiel Idee. Hier müssen die Kinder einfach auswendig lernen, dass es am Ende zwei sind.

Im ersten Schuljahr fangen die Grundschüler mit einfachen Wörtern an, die genau so geschrieben werden, wie sie auch klingen. „Für das Erfolgserlebnis“, sagt Mareike Wensing. Nach und nach werden dann die Rechtschreibregeln eingeführt und angewendet.