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Warum Italien bei der WM fehlt und beim ESC nicht

Berlin. Für fast alle Italiener nur ein schwacher Trost: Nach der verpatzten Fußball-WM-Qualifikation ist das Land zumindest beim Eurovision Song Contest (ESC) gesetzt - weil es zu den größten Geldgebern gehört. Wer länger darüber sinniert, könnte mit der Gerechtigkeit hadern.

Warum Italien bei der WM fehlt und beim ESC nicht

Eine ganz eigene Welt - der ESC. Foto: Jörg Carstensen

Weil die Fußballwelt gnadenlos grausam, aber auch gerecht ist, hat sie vor ein paar Monaten eine bittere Entscheidung herbeigeführt: Italien schaffte es nicht, sich nach einer 0:1-Niederlage auswärts und einem 0:0 zu Hause gegen den Außenseiter Schweden bei der Fußball-WM-Qualifikation durchzusetzen.

Ausgerechnet Italien! Der vierfache Weltmeister wird beim Turnier in Russland (14. Juni bis zum 15. Juli) fehlen - unter vielen traditionsbewussten Fußballfans herrschen Wehmut und Trauer.

Weil die Musikwelt nicht wie der Fußball ist und deswegen auch nicht so knallhart nach Ergebnissen gerecht sein kann, ist Italien aber beim Eurovision Song Contest dabei (Finale am 12. Mai). Ausgerechnet Italien! 1990 gelang Toto Cutugno mit dem Titel „Insieme 1992“ tatsächlich mal ein Sieg, das war der zweite nach Gigliola Cinquettas Triumph von 1964. Danach rissen die Italiener aber nicht viel, sie fehlten sogar 13 Jahre, begnügten sich mit ihrem Sanremo-Festival, und kehrten erst 2011 zum internationalen Eurovisions-Wettbewerb wieder zurück. Mit dem Duo Ermal Meta und Fabrizio Moro und dem Titel „Non mi avete fatto niente“ (Ihr habt mir nichts antun können).

Italien ist gesetzt, weil es neben Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien im ESC-Sprech zu den „Big Five“ gehört. Die bilden den Kreis der größten Geldgeber und haben die Teilnahme eh in der Tasche, egal ob sie bei der Europameisterschaft der Schlager- und Popmusik mit einem Kandidaten auftreten, der über Bezirksliganiveau verfügt oder vielleicht doch Erstliga-Qualitäten hat. Wenn es in der Fußballwelt bei der EM- oder WM-Teilnahme nur nach dem Einkommen der Kicker der Serie A ginge: Italien hätte seinen Stammplatz sicher.

Aber was ist schon gerecht? Nach seinen Platzierungen in den vergangenen fünf Jahren (mehr als Platz 18 war nicht drin) dürfte Deutschland nie und nimmer eine Startgarantie haben, sondern sich im C-Turnier der schwächsten Bewerber (gäbe es so eines wie in manchen Sportarten) erst wieder in der Hierarchie der Spitzenriege hocharbeiten. Stattdessen muss aber zum Beispiel Schweden, 39 Mal in den Top 10 platziert und sechsmal ESC-Sieger, von Jahr zu Jahr in die Qualifikation - in eines von zwei Halbfinalen vor dem großen Finale.

Früher, da konnten die Deutschen (andere Nationen aber auch) der Gerechtigkeit noch etwas nachhelfen. Zum Beispiel in Spanien. Weil im sogenannten 17. Bundesland, auf Mallorca, schon seit langem Zehntausende deutsche Urlauber regelmäßig am Strand abhängen, gab es aus dem spanischen Festnetz viele Anrufe für die deutschen Kandidaten. Jetzt nicht mehr. Dank des Roamings hat jeder nur noch sein deutsches Handy dabei, mit dem er nicht abstimmen kann. Und wer benutzt schon das Hoteltelefon?

Jedes der teilnehmenden ESC-Länder stellt eine fünfköpfige Jury, die nach bestimmten Kriterien ausgesucht sein muss. Ihre Stimmen gehen zu 50 Prozent ins Ergebnis ein, die anderen 50 Prozent tragen die Fernsehzuschauer durch ihre Anrufe oder SMS bei. Jede Nation hat dieselbe Zahl an Punkten zu vergeben. Ob es sich dabei um ein Riesenreich wie Russland mit mehr als 140 Millionen Einwohnern handelt oder um die Minirepublik San Marino mit gut 33 000 - ist das gerecht? Ist es wohl schon, denn sonst hätten nur noch die großen Länder die Hosen beim Eurovision Song Contest an.

Gern wird auch über das Thema Gerechtigkeit debattiert, wenn es um die vielen Stimmen geht, die sich die osteuropäischen Länder angeblich gegenseitig zuschanzen - vor allem die vielen russischen Minderheiten beispielsweise im Baltikum geben Russlands Kandidaten gern die Stimme. Und was hat Deutschland zu bieten: verschwindend geringe Minderheiten in Frankreich, Belgien oder Dänemark.

Dass deutschsprachige Nachbarn wie die Schweiz oder Österreich aus reiner Kuschelei für Deutschland stimmen, damit ist auch dieses Mal wohl kaum zu rechnen.

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