Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Rettungsgassen-Muffel geht es an den Kragen

Autobahnpolizei testet Dashcams

Autofahrer, die keine Rettungsgasse bilden, kamen bislang oft ungeschoren davon. Nun erprobt die Polizei in NRW ein neues Mittel, um sie zu überführen. 50 Streifenwagen der Autobahnpolizei sollen in einer Testphase mit sogenannten Dashcams unterwegs sein.

,

Mönchengladbach

, 18.04.2018
Rettungsgassen-Muffel geht es an den Kragen

Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, lässt sich von einer Polizistin die Dashcam eines Streifenwagens erklären. Die Autobahnpolizei in Nordrhein-Westfalen wird mit Kameras an der Windschutzscheibe ausgestattet, um Rettungsgassen-Verweigerer zu überführen. © dpa

Etwas ungelenk drückt der nordrhein-westfälische Innenminister auf dem kleinen Gerät herum. Noch vor einem Jahr sei er selbst unsicher gewesen, wie das denn genau gehe, mit der Rettungsgasse. Inzwischen wisse er es, versichert Herbert Reul (CDU) am Mittwoch in Mönchengladbach.

Autos auf der linken Fahrspur fahren nach links, auf der mittleren und rechten Fahrspur nach rechts. Doch weil häufig immer noch nicht alle Platz machen, wenn Rettungskräfte und Polizei mit Blaulicht an Unfallorte eilen, will die Polizei nun nachhelfen. 50 Streifenwagen der NRW-Autobahnpolizei sollen in einer einjährigen Testphase mit sogenannten Dashcams unterwegs sein.

Mehr als 50 Verstöße allein in diesem Jahr

Die Kameras sollen das Verhalten von Rettungsgassen-Verweigerern dokumentieren und die Auto-Kennzeichen festhalten. Im akuten Einsatz haben die Beamten dazu bislang meist nicht die Zeit. Schließlich geht es oft um Menschenleben. „Mit den Kameras sorgen wir dafür, dass Rettungsgassen-Verweigerer endlich erfasst werden“, sagt Reul. Neben NRW hat auch Hessen die Mini-Kameras zu diesem Zweck angeschafft.

Der Begriff Dashcam heißt wörtlich übersetzt Armaturenbrett-Kamera. Bei der Autobahnpolizei in Mönchengladbach wird die neue Technik am Mittwoch vorgeführt. Eine der hochauflösenden Kameras kostet 160 Euro. Mit einem Saugnapf werden sie an der Windschutzscheibe befestigt.

Allein in diesem Jahr seien bereits mehr als 50 Verstöße in Nordrhein-Westfalen beim Bilden der Rettungsgasse registriert worden. „Die Kameras werden nur bei hartnäckigen Rettungsgassen-Muffeln eingeschaltet. Verkehrsteilnehmer, die sich an die Regeln halten, müssen sich daher keine Sorgen machen“, verspricht Reul. Wenn die Testphase erfolgreich verläuft, sollen weitere Dashcams angeschafft werden.

ADAC begrüßt den Test der Dashcams

Seit Ende 2017 droht Autofahrern, die Einsatzkräfte blockieren, eine deutlich höhere Strafe. Statt 20 Euro müssen sie mindestens 200 Euro zahlen. Bei schweren Verstößen drohen sogar Strafen von bis 320 Euro und ein Monat Fahrverbot.

Der ADAC Nordrhein begrüßt die Testphase mit den Mini-Kameras: „Bei schweren Verkehrsunfällen auf der Autobahn zählt jede Sekunde! Wir hoffen, dass die Autofahrer durch die Aktion noch stärker für das Thema Rettungsgasse sensibilisiert werden“, sagt Pressesprecher Thomas Müther.

Am 15. Mai will der Bundesgerichtshof entscheiden, ob auch private Dashcam-Aufnahmen aus Autos als Beweismittel vor Gericht zulässig sind. Der ADAC meint: „Kurze anlassbezogene Aufnahmen von Unfällen im Straßenverkehr sollten zur Klärung der Schuldfrage bei Gerichtsverfahren verwendet werden dürfen.“

dpa