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Wie umweltfreundlich ist die Gemeinde?

Weltumwelttag in Nordkirchen

Am Weltumwelttag zieht die Gemeinde Nordkirchen Bilanz: Was tut sie, um die Ressourcen zu schützen? Und was kann man als Privatmensch im eigenen Garten tun?

Nordkirchen

von Marie Rademacher

, 04.06.2018
Wie umweltfreundlich ist die Gemeinde?

Manchmal sieht es aus wie Wildwuchs, ist von der Gemeinde aber durchaus so gewollt: zum Beispiel auf der Weide hinter der Gesamtschule Nordkirchen verzichtet sie ganz auf Düngemittel. © Marie Rademacher

Bewusstsein schaffen: Darum geht es gemeinhin bei international ausgerufenen Thementagen. In diesem Sinne weist die Gemeinde Nordkirchen in einer Pressemitteilung auch auf den immer am 5. Juni stattfindenden Weltumwelttag hin. „Die Gemeinde Nordkirchen fühlt sich in vielfacher Weise dem Umweltschutz verpflichtet“, teilt Bürgermeister Dietmar Bergmann darin mit. Wie genau sie das tut? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Die Gemeinde Nordkirchen ist verantwortlich für die Pflege vieler Grünflächen. Wie hält sie es dabei mit Unkrautvernichtungsmitteln?

Sie benutzt keine. „Zum Wohl der heimischen Tiere und Pflanzen setzen wir schon seit Jahren keine Unkrautvernichtungsmittel mehr ein“, erklärt Josef Klaas, Fachbereichsleiter bei der Gemeinde. „Auch das ist Ressourcenschutz, nämlich von heimischen Tieren und Pflanzen.“

Was sind die Alternativen zu chemischen Mitteln?

Nordkirchen arbeitet mit „alternativen Pflegegeräten, z. B. einem Heißwassergerät zur Unkrautbekämpfung auf befestigten Flächen“, so Josef Klaas.

Das bedeutet auch, dass es am Straßenrand manchmal etwas nach Wildwuchs aussieht. Wie kommt das bei den Nordkirchenern an?

Nicht immer gut, wie die Gemeinde zugibt. „Uns ist bewusst, dass das nicht alle Bürgerinnen und Bürger gut finden, da die daraus resultierenden Unterhaltungsarbeiten nicht immer sofort gewährleistet werden können“, so Josef Klaas. Er verweist in dem Zusammenhang aber auf die Vorbildrolle, die die Gemeinde beim Thema Umweltschutz einnehmen will.

Das Insektensterben ist seit einiger Zeit ein Thema. Was wird in Nordkirchen neben dem Verzicht auf Unkrautvernichtungsmittel getan, um diesem Trend entgegenzuwirken?

Zum Beispiel werden einige Ausgleichsflächen nicht mit Kunstdünger oder mit Gülle gedüngt – die Gemeinde setzt stattdessen auf Tierbeweidung. Das ist laut der Gemeinde zum Beispiel auf der Weide hinter dem Pumpwerk an der Selmer Straße in Südkirchen der Fall, an der Weide neben der Siedlung Plasch und an der Weide hinter der Gesamtschule in Nordkirchen.

„Andere öffentliche Grünflächen wie die Dorfparks in Südkirchen und Capelle sowie eine Vielzahl von Regenbecken werden ebenfalls nicht gedüngt. Die Rasenflächen werden nicht wöchentlich kurz gehalten, sondern absichtlich in größeren zeitlichen Abständen gemäht, damit dort auch andere als Intensivgräser eine Chance haben und sich dort Oasen für Fauna und Flora entwickeln können. Diese Gedanken stecken auch hinter dem Vorgehen, die Bankette an den Wirtschaftswegen im Außenbereich nicht vor Mitte Juni zu mähen. Ausnahmen bilden hier jedoch Kreuzungen und Einmündungen, an denen die Übersicht der Verkehrsteilnehmer gegeben sein muss“, teilt die Gemeinde mit.

Besondern schön anzusehen sind im Moment übrigens die Böschungen des neuen Regenrückhaltebeckens am Capeller Bach. „Dort haben wir die Böschungen nicht mit Mutterboden angedeckt. So können sich die noch im Boden steckenden Samen entfalten. Unterstützt wird das durch eine Blumenwieseneinsaat, die wir auf den rohen Boden aufgetragen haben“, so Josef Klaas.

Wie vogelfreundlich ist Nordkirchen?

Der Bürgermeister dazu: „Bodenbrütende Vögel wie die Lerche haben bei uns eine Chance, ihre Jungen groß zu ziehen“, so Bürgermeister Bergmann. „Höhlenbrüter hingegen nutzen gerne auch die rund 50 im gesamten Gemeindegebiet hängenden Nistkästen der Gemeinde zum Brüten.“

Sind auch die Landwirte in Nordkirchen, deren Methoden häufig ja auch mit dem Insektensterben in Zusammenhang gebracht werden, in Sachen Blühstreifen aktiv?

Ja, das sind sie. Im Kreis Coesfeld sind die Landwirte dabei sogar schon ziemlich weit vorne: Unter dem Motto „Blütenpracht am Wegesrand“ finden sich im Kreis Blühstreifen in einer Länge von insgesamt 150 Kilometern. Wie viel Längenmeter davon genau in Nordkirchen sind, konnte Ortslandwirt Herbert Lütke Holz am Montag auf Anfrage zwar nicht auf die Schnelle beantworten. „Aber ich bin sicher, dass es einige Kilometer sind.“ In seinem eigenen Betrieb zum Beispiel hat er schon seit vier Jahren zwei Hektar für Blühstreifen vorgesehen.


Was genau bringen die Blühstreifen denn?

Zum einen, so erklärt Ortslandwirt Herbert Lütke Holz, wird dem Wild in diesen Bereichen, die dann auch nicht bewirtschaftet und befahren werden, Deckung gegeben. Für Feldhase, Fasan, Kiebitz und Rebhuhn sind sie so ein wichtiger Zufluchts- und Aufzuchtort. „Auch für Insekten sind die Blühstreifen aber wichtig“, so der Nordkirchener Landwirt. Wobei er auch einräumt:

Sie schönen und sichtbar blühenden Blumen nehmen innerhalb der Blühstreifen im Laufe der Jahre auch ab. „Da nehmen eher die Gräser Überhand“, sagt er. Schlussendlich ist das Ziel der Blühstreifen der Erhalt der Vielfalt.

Was kann man als Privatmensch im eigenen Garten tun, um ihn für Insekten attraktiv zu machen?

Wilde Ecken eigenen sich laut NABU hier zum Beispiel, die weder gemäht noch betreten werden. Frühblüher wie Krokusse oder Narzissen sind außerdem wichtig für Insekten. Auch die Orts-SPD hat darauf am Samstag an ihrer Sprech-BAR aufmerksam gemacht. Den Weltumwelttag hat sie zum Anlass genommen, dort Info-Material und Samenmischungen bienen- und insektenfreundlicher Sorten zu verteilen

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. „In den Diskussionen des Alltags geht es ja oft um die Zukunft und was wir den Kindern hinterlassen. Leider geht es dann meist viel zu selten darum, wie ernst es um die Erde wirklich steht und wie skrupellos wir Menschen zum Teil mit ihr umgehen. Das ist vielen trotz Insektensterben oder Dieselskandal nicht bewusst. Dabei kann jeder etwas beitragen, und darauf wollten wir hinweisen“, so der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Carsten Sprung.

Sieht die Gemeinde das auch so?

Josef Klaas appelliert an Gartenbesitzer: „Bei der Gartengestaltung geht der Trend zum Intensivrasen- sowie zu Flächen mit Steinschüttung. Insekten, Kleintiere und die Umwelt freuen sich jedoch über heimische Bäume, Sträucher, Stauden und Blumen. Und auch wenn das Mehrarbeit zur Folge hat, verzichten Sie bitte zum Schutz der Umwelt auf Herbizide.“