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Schnelle Hilfe für das kranke Herz

Infarkt ist der häufigste Notfall

Das Herz ist der Motor des Lebens – doch immer häufiger gerät es aus dem Takt. Damit Patienten mit Herzproblemen schnell geholfen wird, stehen die Mediziner des Klinikums Vest rund um die Uhr bereit.

von Jana Leygraf

, 05.06.2018
Schnelle Hilfe für das kranke Herz

Auf dem Bildschirm im Herzkatheterlabor werden die Herzkranzgefäße sichtbar. Die Ärzte können erkennen, welches Gefäß verstopft ist. © Klinikum Vest / Benito Barajas

Jahr für Jahr steigt die Zahl der Herzinfarkt-Patienten in Deutschland – und auch immer mehr Menschen leiden unter einer Herzschwäche. „Die Herzschwäche ist zu einem Hauptproblem geworden“, sagt Prof. Dr. Frank Weidemann. Seit Anfang April ist der 49-Jährige der neue Chefarzt der Medizinischen Klinik I für Kardiologie, Gastroenterologie und Diabetologie des Klinikum Vest.

Er kümmert sich mit seinem Team im Knappschaftskrankenhaus in Recklinghausen um Patienten mit allen Arten von Herzproblemen – sei es hoher Blutdruck, ein Herzinfarkt, Herzklappenprobleme oder Rhythmusstörungen. „All diese Probleme können schnell zu einer Herzschwäche führen“, äußert der Chefarzt. „Was wir auch feststellen: Die Zahl der Patienten mit Vorhofflimmern steigt.

Gerade bei älteren Menschen kommt das immer häufiger vor – der Herzrhythmus hält nun mal nur 70 bis 90 Jahre, je nach Person“, sagt Weidemann. Und genau diesen Schwerpunkt greift das Klinikum Vest auf und will sich in Zukunft noch breiter aufstellen. Ab Juli wird ein weiterer Oberarzt das Team der Kardiologie unterstützen – als Elektrophysiologe ist er dann für die elektrischen Untersuchungen am Herzen zuständig, und somit können insbesondere die Patienten mit Vorhofflimmern behandelt werden. Und auch sonst kann die Kardiologie am Klinikum Vest mit einer sehr guten Expertise glänzen. Im Notfall geht es direkt vom Rettungswagen in eines der Herzkatheterlabore. „Das Schöne an unserer Kardiologie ist, dass unsere Herzkatheterlabore und der Hybrid-OP erst drei Jahre alt und damit sehr modern sind“, erklärt Chefarzt Weidemann. „In diesen können wir fast alles machen.“

Neben den Untersuchungen der Herzkranzgefäße setzen die Spezialisten im Katheterlabor den Patienten besonders häufig sogenannte Verschlusssysteme am Herzen ein. Das geschieht nicht durch eine Operation, sondern mit einem Katheter, der gerade mal wenige Millimeter Durchmesser hat. „In der Kardiologie schneiden wir nicht. Wir führen den Katheter über die Handgelenksschlagader in den Körper des Patienten ein, der dann in Richtung des Herzens gesteuert wird“, erklärt Weidemann.

24-Stunden Bereitschaft, um sofort handeln zu können

„Wenn ein Patient Vorhofflimmern hat, kann es schnell zu einer Gerinnselbildung im Herzen kommen, der zu einem Schlaganfall führen kann. Dann setzen wir bei Patienten, die keine Blutverdünner vertragen, einen sogenannten LAA-Occluder ein, der wie ein Stöpsel funktioniert und das linke Vorhofohr dauerhaft verschließt.“ Nach dem Eingriff muss der Patient dann keine blutverdünnenden Medikamente mehr nehmen. Was ebenfalls zur Arbeit im Herzkatheterlabor gehört, ist das Einsetzen des sogenannten PFO-Occluders: Der wird benötigt, wenn das Herz ein kleines Loch hat, um einen Schlaganfall zu verhindern.

„Der Verschluss wird auf das Loch im Herzen gesetzt. Auch das geht über einen Katheter.“ Leidet ein Patient unter einer Mitralklappeninsuffizienz – das heißt, unter einem Herzklappenfehler, bei dem die Mitralklappe undicht ist und sich nicht richtig schließt –, helfen Clips, die im Hybrid-OP eingesetzt werden können. „Normalerweise würde man so etwas operieren. Bei älteren Betroffenen über 80 Jahre können wir das aber oft nicht mehr machen“, so Weidemann. Auch dann hilft die Kathetertechnik. Über die Leistenvene wird der Katheter bis ins Herz vorgeschoben, an der Spitze befindet sich ein Clip, der die Mitralklappe abdichtet.

Gefäß wird mit Stent stabilisiert

Der häufigste Notfall in der Kardiologie ist jedoch der Herzinfarkt. „Dafür haben wir eine 24-Stunden-Bereitschaft, die jeden Patienten zu jeder Tages- und Nachtzeit sofort behandeln kann“, so der Chefarzt. Hier zählt jede Sekunde. Am Krankenhaus angekommen, wird der Patient sofort ins Herzkatheterlabor gefahren, wo das Ärzteteam schon alles für den Eingriff vorbereitet hat.

Wenn der Betroffene einen stabilen Kreislauf hat, bekommt er eine Betäubungsspritze in den Arm. Über die Arterien wird der Katheter bis zum Herzen geschoben, „der hakt sich dann in die Herzkranzgefäße ein“, erklärt der Kardiologe. Mithilfe eines Kontrastmittels werden die Gefäße dargestellt – diese können die Ärzte dann auf einem großen Bildschirm sehen. „Damit wird erkennbar, welches Gefäß verstopft ist, wodurch also der Blutfluss zum Herzmuskel behindert wird“, so der Chefarzt.

Ein Draht hilft dann, durch das geschlossene Gefäß zu kommen, um es dann mit einer Art Ballon zu weiten und wieder zu öffnen. „Wenn das Blut wieder fließt, geht es dem Patienten schlagartig besser, dann verschwindet das Engegefühl in der Brust.“

Um einen erneuten Infarkt zu verhindert, wird das Gefäß anschließend mit einem Stent stabilisiert. „Das ist ein spiralförmiges Drahtgeflecht, das dafür sorgt, dass das Gefäß dauerhaft offenbleibt“, so Weidemann. „Der Stent wird mit einem hohen Druck eingebaut – mit 14 bar. Zum Vergleich: Ein Autoreifen hat 2 bar. Bei sehr kalkhaltigen Gefäßen bei älteren Patienten nutzen wir sogar 25 bar.“

Durch das Gefäß bohren

Manchmal müssen sich die Ärzte auch durch sehr kalkhaltige Gefäße bohren. Der sehr feine Bohrer dreht sich bis zu 320.000 Mal in der Minute, „da wird der Kalk zu Mehl gemahlen, und das Gefäß ist wieder frei“, sagt der Kardiologe.

Bis 2014 war Weidemann leitender Oberarzt der Kardiologie in der Universitätsklinik Würzburg, danach wurde er Chefarzt der Kardiologie im Katharinen-Hospital in Unna. „Die Stelle hier in Recklinghausen passt gut zu mir, das Klinikum Vest ist ein großes Krankenhaus und deckt fast alle Disziplinen ab. Bei komplexen Eingriffen kann es ja auch mal Komplikationen geben. Dann ist es wichtig, einen Spezialisten aus einem anderen Bereich im Haus zu haben“, so der Kardiologe.

Sein Vorgänger Prof. Cemil Özcelik habe das Herzkatheterlabor und ein sehr gutes Team aufgebaut – „jetzt ist es meine Aufgabe, die gesamte Klinik neu zu strukturieren, ich muss mehr kommunizieren und unsere Klinik in der Öffentlichkeit präsentieren.“ Ein moderner Hybrid-OP ist Herzkathetherlabor und Operationssaal in einem, sagt Weidemann.

„Herauszustellen ist aber: Wir machen hier keine Herzchirurgie und keine Transplantationen. Die einzige klassische Operation, die hier stattfindet, ist das Einsetzen von Herzschrittmachern. Alles andere – das Einsetzen der Clips und Verschluss-Systemen – gehört zur Kathetertechnik, da schneiden wir nichts auf“, fasst der Chefarzt zusammen. Seine Abteilung im Klinikum Vest hat rund 100 Betten – ein Chefarzt, neun Oberärzte, 18 Assistenzärzte, 2 Arztassistentinnen und das Pflegeteam kümmern sich Tag und Nacht um die Patienten. Bei einem Eingriff im Herzkatheterlabor sind immer mehrere Spezialisten am Werk – „so etwas geht nicht alleine“, sagt Weidemann.

Und so ein Eingriff muss gut geplant und überlegt sein. Der Chefarzt startet früh in den Tag, am Schreibtisch sichtet er bereits vor 7 Uhr die Akten der in der Nacht neu eingetroffenen Patienten. Nach der Frühbesprechung und der Chefvisite arbeitet Weidemann dann im Katheterlabor – anschließend stehen Röntgen- und Herzkatheterbesprechungen an, bei denen die Patienten des nächsten Tages besprochen werden.

Kontakt: Klinikum Vest GmbH, Akademisches Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum, Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, Dorstener Straße 151, 45657 Recklinghausen, Tel. (02361) 560; Paracelsus-Klinik Marl, Lipper Weg 11, 45770 Marl, Tel. (02365) 900, E-Mail: info@klinikum-vest.de www.klinikum-vest.de