Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Weltweites Gedenken an Opfer des Holocaust

Berlin (dpa) Zum internationalen Holocaust-Gedenktag haben Politiker aufgerufen, im Kampf gegen Antisemitismus und Rassenhass nicht nachzulassen. Außenminister Steinmeier (SPD) erklärte: «Es bleibt für uns Deutsche Aufgabe und Pflicht, Derartiges nie wieder zuzulassen und jedem Anfang zu wehren.»

Anzeige

Weltweites Gedenken an Opfer des Holocaust

Ein Besucher des Holocaust Memorial Museums in Washington entzündet zum Gedenken an die Opfer eine Kerze.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief zu Wachsamkeit gegenüber jeder Art von Intoleranz auf. Am Sonntag gab es in Deutschland zahlreiche Gedenkveranstaltungen. Auch in Auschwitz wurde der Opfer der NS-Vernichtungsmaschinerie gedacht.

Der frühere KZ-Häftling August Kowalczyk erinnerte bei der Gedenkfeier im ehemaligen Aufnahmegebäude von Auschwitz-Birkenau an das Leid der deportierten Familien. «Hier trennte man weinende, erschrockene Kinder von ihren Müttern. Machtlose Väter waren nicht in der Lage, ihre Familien zu verteidigen», sagte er. Hilflose Familien, entwürdigt durch ihre kollektive Nacktheit, hätten keinen Namen oder Vornamen mehr gehabt, sondern nur noch Lagernummern. Kowalczyk war 1940 als 19-Jähriger nach Auschwitz verschleppt worden. Nach anderthalb Jahren gelang ihm die Flucht.

Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit worden. In Deutschland wird der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus seit 1996 begangen. Die Vereinten Nationen (UN) riefen 2005 den 27. Januar zum internationalen Holocaust-Gedenktag aus. Sie wollen am Montag in einer Gedenkstunde an die sechs Millionen Juden erinnern, die den Nazis zum Opfer gefallen sind.

UN-Generalsekretär Ban erklärte: «Denen, die den Holocaust leugnen oder behaupten, dass er übertrieben dargestellt wird, begegnen wir mit unserer Entschlossenheit.» Es reiche nicht aus, der Toten zu gedenken und sie zu ehren. «Wir müssen die jetzige Generation aufklären und uns um sie kümmern.» Steinmeier sprach von einer Verpflichtung, «die Erinnerung an den von Deutschen begangenen Völkermord wach zu halten und uns weltweit gegen Antisemitismus und Rassenhass einzusetzen.»

In Deutschland wurde am Sonntag mit Kranzniederlegungen, Schweigeminuten und Ausstellungseröffnungen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. In Berlin nahm Bundespräsident Horst Köhler im Jüdischen Museum an einer Lesung teil. In der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück in Brandenburg wurde eine Ausstellung über das Schicksal der mehr als 15 000 jüdischen Häftlinge in dem ehemaligen Konzentrationslager eröffnet. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, mahnte wie andere Redner eine intensivere Auseinandersetzung mit der Nazi- Diktatur und verstärkte historische Bildung der Jugend an. Knobloch nahm auch an einer Gedenkfeier von Landtag und Landesregierung Sachsen-Anhalts in Magdeburg teil.

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, sagte bei einem Gottesdienst im ehemaligen Konzentrationslager Dachau, die Erinnerung an das Schreckensregiment des Nationalsozialismus müsse lebendig gehalten werden. Der evangelische Landesbischof von Bayern, Johannes Friedrich, räumte Schuld seiner Kirche in der NS-Zeit ein. Die Landeskirche habe geschwiegen, wo klare Worte hätten gesprochen werden müssen.

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung im Sächsischen Landtag machte der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, die Politik für zunehmenden Rechtsextremismus mitverantwortlich. Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sagte, verbalen und körperlichen Angriffen sei mit Entschiedenheit und notfalls auch mit Härte entgegenzutreten. Der Bundestag hatte bereits am Freitag eine Gedenkstunde veranstaltet.

In München nahmen am internationalen Holocaust-Gedenktag trotz massiver Kritik mehrere tausend Narren an einem Faschingszug teil. Auch Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) fuhr auf einem Wagen mit.

Anzeige
Anzeige