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Wenn ein Riesenrad-Bauer wegen Trumps Zöllen am Rad dreht

Jacksonville. Vollmundig versprach US-Präsident Trump, mit Zöllen auf importierten Stahl und Aluminium Arbeiter im eigenen Land zu schützen. Doch nun treiben genau diese Zölle dortigen Herstellern Sorgenfalten ins Gesicht - und das, obwohl sie US-Metalle verwenden.

Wenn ein Riesenrad-Bauer wegen Trumps Zöllen am Rad dreht

Ein Mitarbeiter der Eli Bridge Company arbeitet an dem Fahrgeschäft „Scrambler“. Foto: Steve Warmowski

In 118 Jahren Firmengeschichte hat die Eli Bridge Company schon Einiges überstanden: Trotz Wirtschaftskrisen, Kriegen und ausländischer Konkurrenz hat das Familienunternehmen schier unermüdlich Riesenräder und andere Fahrgeschäfte für Freizeitparks und Kirmessen gebaut.

Nun steht die Firma mit Sitz in Jacksonville im US-Bundesstaat Illinois vor einer neuen Herausforderung: die steigenden Kosten für Stahl und Aluminium. Ursache dafür sind die von Präsident Donald Trump angekündigten Zölle auf diese zwei wichtigen Metall-Arten. Er belegte Einfuhren etwa aus China mit hohen Abgaben, die EU bleibt dank Ausnahmen bis Anfang Mai vorläufig verschont. Und mit China stehen die Zeichen nach der jüngsten Zuspitzung auf Eskalation.

Die größten Riesenräder von Eli Bridge wiegen wegen der Stahlträger 20 Tonnen und können bis zu 48 Fahrgäste befördern. Diese dürfen dann in 16 Sitzen aus Flugzeugaluminium Platz nehmen. In diesem Geschäft steht nicht nur der Ruf der Firma, sondern auch die Sicherheit der Fahrgäste auf dem Spiel. Daher baut Eli Bridge nach eigenen Angaben wortwörtlich nur auf in den USA hergestellten Schrauben und Nieten.

Auch der verwendete Stahl kommt meist aus dem eigenen Land. „Wir beziehen all unsere Verbindungselemente von einem Unternehmen“, sagt Patty Sullivan, Chefin des Unternehmens und Ururenkelin des Gründers. „Wenn man Leute 18 Meter hoch in der Luft sitzen hat, will man nicht, dass die Sachen nicht das leisten, was man von ihnen erwartet.“

Aber auch die Traditionsfirma ist nicht gegen mögliche Folgen von Trumps Zöllen gefeit. „Ich bin zumindest ein wenig besorgt, denn wenn die ausländischen Preise steigen, eröffnet das den US-Herstellern die Möglichkeit, die Preise zu erhöhen“, sagt Sullivan. Und das würde Material für Waren von Eli Bridge teurer machen.

Die Automatisierung sei ein wichtiger Grund für Verluste von Arbeitsplätzen in der US-Stahlindustrie - wichtiger noch als Konkurrenz aus dem Ausland, erklärt Eswar Prasad, Handelsökonom an der einflussreichen US-Denkfabrik Brookings Institution.

Er hält es für möglich, dass die Strafzölle der Trump-Regierung die Gewinnmargen der US-Stahlproduzenten steigern könnten, ohne dass mehr Geld in die Taschen der Arbeitnehmer fließt. „Der breitere negative Effekt ist, dass diese Zölle die Preise für alle amerikanischen Verbraucher hochtreiben würden, und das wird vermutlich weder für die Produktion noch für die Beschäftigung in den USA gut sein“, sagt er.

Ein Mitte Februar veröffentlichter Bericht des Handelsministeriums kam zum Schluss, dass die Einfuhr von Stahlerzeugnissen und Aluminium die nationale Sicherheit untergrabe. Diese Schlussfolgerung wurde dann auch im Erlass von Präsident Donald Trump aufgegriffen.

Kurz darauf kündigte American Keg an, ein Drittel seiner 30 Mitarbeiter in Pottsville (Pennsylvania) zu entlassen. Der nach eigenen Angaben einzige US-Hersteller von Stahlfässern für Bier und Apfelwein verwendet wie Eli Bridge nur Stahl aus dem eigenen Land. Das Unternehmen kämpft nun mit den Auswirkungen der Zölle.

„Die Zölle haben einige unbeabsichtigte Folgen“, sagte der Firmenchef Paul Czachor dem Sender Fox Business. „Als die Zölle diskutiert und umgesetzt wurden, stiegen die Kosten für inländischen Stahl seit dem vierten Quartal des letzten Jahres weiter an.“

Die Krux für American Keg: Konkurrenzprodukte wie chinesische Bierfässer sind fertige Erzeugnisse, die nicht den gleichen Zöllen unterliegen, die auf Rohstoffe erhoben werden. Czachor sagt, er sei gezwungen gewesen, die Preise zu erhöhen. Das habe in den letzten Monaten zu einem Rückgang bei den Bestellungen geführt. Nun befürchtet er, dass seine Kunden vor einer Zerreißprobe stehen.

Eli Bridge steht vor ähnlichen Problemen. Im Kampf gegen die oft günstigere Import-Konkurrenz lotet das Unternehmen nun auch ausländische Märkte aus. Eli Bridge verkaufte erstmals 1905, fünf Jahre nach der Gründung, Riesenräder ins Ausland. In 36 Länder konnte die Firma bislang Fahrgeschäfte absetzen, sagt Sullivan. Im vergangenen Jahr bauten 19 Mitarbeiter gemeinsam mit Aushilfskräften drei Riesenräder und einen krakenartiges Karussell, das Markenzeichen des Unternehmens. Zudem überholten sie bereits fertige Fahrgeschäfte.

Das Unternehmen versucht seit einiger Zeit, ein Standbein im rasch wachsenden Markt in China aufzubauen. Es sei aber schwierig gewesen, mit den dortigen Preisen zu konkurrieren, sagt Sullivan. Als weiteres Problem sieht sie das undurchsichtige Regulierungssystem des Landes. „Es ist ein hartes Geschäft da draußen.“

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