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Angeklagter ertrinkt in Selbstmitleid

WERNE/DORTMUND Einen Brief, den der des Elternmordes angeklagte Carsten O. an seine Freundin geschrieben hatte, verlas das Dortmunder Schwurgericht. Darin beschreibt er sich selbst als "lieber Mensch".

von von Christoph Witte

, 03.03.2008
Angeklagter ertrinkt in Selbstmitleid

Der Angeklagte Carsten O. vor dem Dortmunder Schwurgericht.

"Hallo, Du Süße, ich habe Angst davor, dass ich die Verhandlung nicht durchstehe. Ich muss wohl stark sein. Ich hoffe, dass der Richter sieht, dass ich ein lieber Mensch bin. Ich tue keiner Fliege etwas zu Leide. Dein Carsten."   

Bruder schüttelte den Kopf Am 3. September 2007 schrieb Carsten O. diesen Brief aus der Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn an seine Freundin. Er wurde im Dortmunder Schwurgericht verlesen. Andrew O. (43), Bruder und Nebenkläger, schüttelte den Kopf. Er hat am 21. Juni vergangenen Jahres seine Eltern Anita (68) und Lothar (74) verloren. Durch die Hände des jüngeren Bruders, der angeblich keiner Fliege ein Bein ausreißen würde.Ist Carsten O. allgemeingefährlich?

Wie gefährlich der 41-Jährige wirklich ist, steht im Zentrum des Sicherungsverfahrens. Ist er allgemeingefährlich, muss Carsten O. damit rechnen, auf unbestimmte Zeit in eine geschlossene Anstalt gesperrt zu werden. Gestern nahm dazu Christian Prüter, leitender Oberarzt in Eickelborn, Stellung. Er betreute Carsten O. vier Monate lang nach dem mutmaßlichen Elternmord und ist einer von mindestens 15 Medizinern, die O. in den vergangenen Jahren behandelt hatten.

"Am wahrscheinlichsten ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung"

Meistens ging der Beschuldigte wegen Schlafstörungen und Rückenschmerzen zum Arzt. Schon früher war Carsten O. auch zu stationären Aufenthalten in der Psychiatrie. Prüter: "Am wahrscheinlichsten ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung." Er ertränke sich in Selbstmitleid, zeige keinerlei Gefühle bezüglich der Tat, mache sich lediglich Sorgen um seine eigene Zukunft.

Wahnsymptome nicht feststellbar

Wahnsymptome, "bizarre Gedanken" oder Schizophrenie seien jedoch nicht feststellbar gewesen. Zur Frage der Allgemeingefährlichkeit konnte der Mediziner keine Aussagen mac hen: "In der Klinik gingen wir von keiner Gefahr aus."

Carsten O. nennt seine Tat "Kurzschlussreaktion"

Bernd Roggenwallner, vom Gericht bestellter Psychiater, führte mit Carsten O. das erste längere Gespräch direkt nach der Tat. Ihm gegenüber machte der Beschuldigte auch die ersten Anmerkungen zum Tatmotiv: "Seine Eltern hätten ihm zwei Millionen Euro unterschlagen, die dafür sein Bruder bekommen habe." Zudem sei er als Kind missbraucht und von seinem Vater als faul beschimpft worden. "Irgendwann habe er dann den Hammer geschwungen. Es war eine Kurzschlussreaktion."

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