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Beim Sticken auftanken

WERNE Die erste Frage, die Anne Kroes gestellt wird, sobald Gäste im Hotel "Ickhorn" ihre zauberhaften Stickbilder in Augenschein nehmen, lautet: Wie lange sitzt man an dieser Handarbeit?

von Von Helga Felgenträger

, 23.12.2007

Doch darauf kommt es ihr gar nicht an: Ob sie viel oder wenig Zeit braucht, ob es schnell oder langsam von der Hand geht. "Für mich ist es Entspannung", sagt sie und schöpft aus jedem Bild Kraft und Ruhe. "Ich kann noch so gestresst sein, sticke ich eine Stunde, dann bin ich danach wieder fit". Kaum ein Tag vergeht, an dem sie nicht wenigstens für ein paar Minuten in ihrer Handarbeitsecke im Wohnzimmer sitzt.

"Es ist wie eine Sucht", gesteht sie und dabei hatte sie doch mit dem Sticken angefangen, um von den Zigaretten loszukommen. "Ich suchte nach einer Beschäftigung, um mit dem Rauchen aufzuhören", sagt sie und traf 1988 die Entscheidung, dieses Laster ein für alle mal aufzugeben.

Es ist ihr gelungen: Sie hat seitdem keine Zigaretten mehr angerührt. Deswegen wird aber nicht weniger Geld ausgegeben - das neue Hobby kostet: Vorlagen, Stickgarn, Nadel und dazu der passende Rahmen, der für jedes Bild von der Buchbinderin Jutta Krüger speziell angefertigt wird.

Alles in allem eine teure Angelegenheit. Trotzdem würde sie niemals ein Bild verkaufen. "Es hängt einfach zu viel Herzblut dran", ist sie sich sicher, es hinterher zu bereuen. Rund 100 Bilder sind in den fast 20 Jahren zusammengekommen. Davon hängen allein in den Gasträumen 85. "Eins wurde leider geklaut", bedauert sie.

Träumende Stadt, Kränze, Blumensträuße, geometrische Formen und Figuren. Bei manchen Motiven wird der Betrachter in die Irre geführt, durch Farb- und Motivwahl kommt es zur optischen Täuschung.

Bei genauerem Hinsehen lassen sich bei einigen Motiven Zitate herauslesen: Glaube, Liebe, Hoffung.

Ihre Hotelgäste kommen immer wieder, um sich die Bildergalerie in den Gasträumen anzuschauen. "Einem Gast fiel die Ähnlichkeit zu Motiven von Ton Schulten auf. Er musste es wissen: Er ist mit dem holländischen Maler befreundet. Anne Kroes sucht die Motive nach ihrem persönlichen Geschmack aus. Anfangs florales Stillleben, heute abstrakter.

Nur einmal stickte die Gastwirtin eine Tischdecke. "Nur zu dekorativen Zwecken", fügt sie hinzu und sieht ihre Stickbilder doch lieber hinter Glas, geschützt vor Staub und Rauch.

Obwohl sie eigentlich mit ihrer Sammlung nicht an die Öffentlichkeit möchte, zieht die Sammlung viele bewundernde Blicke auf sich. Und manch einer schaut fragend durch die Tür: Bin ich hier richtig, ist das die Gaststätte mit den schönen Stickbildern? 

  

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