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Gemischte Gefühle

WERNE Schulen sollen künftig Straftaten ihrer Schüler der Polizei melden. Was in einem Erlass des NRW-Innenministeriums nun festgeschrieben worden ist, ist an den weiterführenden Schulen in Werne gängige Praxis.

von Von Dennis Werner

, 11.10.2007
Gemischte Gefühle

Wenn aus einer Schulhof-Rangelei eine Straftat wird, müssen die Schulen dies der Polizei melden.

Das Anne-Frank-Gymnasium sowie die Konrad-Adenauer-Realschule betonten, schon immer gut mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Der Erlass, so Realschulleiterin Ursula Jahn-Gilles, sei lediglich die schriftliche Verankerung einer bereits bestehenden Kooperation.

Dunkelfelder aufhellen

Einen Schritt weiter geht die Schule "Am Windmühlenberg". Mit Andreas Krieter besucht jeden Dienstag in der großen Pause ein Kontaktbeamter der Polizei die Schule. Er zeigt Präsenz und spricht mit den Hauptschülern vor Ort.

Auch am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg suchen Polizisten in unregelmäßigen Abständen Kontakt zu den Schülern. "Seit drei Jahren hat sich die Zusammenarbeit mit Polizei und Jugendämtern deutlich intensiviert", so Schulleiter Helmut Grawert.

Das Innenministerium möchte Jugendkriminalität auch in den Schulen bekämpfen. "Dunkelfelder" sollen durch eine Anzeigepflicht seitens der Schulen aufgehellt werden, um zu bewerten, welche Schule ein ernsthaftes Kriminalitätsproblem hat.

Anzeigepflicht

Dieser Anzeigepflicht sieht Hubertus Steiner, Schulleiter der Schule "Am Windmühlenberg", mit gemischten Gefühlen entgegen: "Es ist immer schwierig, Schüler zu melden, weil es in Richtung Denunzierung gehen kann", sagte er. Andererseits sei die Anzeigepflicht schon wichtig, um Kriminalität zu vermeiden. "Die Schwelle ist da, wo ich als Beamter feststelle, dass da eine Straftat geschieht."

Das sieht Ursula Jahn-Gilles ähnlich. Eine Rangelei auf dem Schulhof würde sie nicht melden; nur eine schwerwiegendere Tat, die letztlich zu einer Anzeige führt. "Das ist bei uns ganz selten nötig. Wir würden uns aber nicht scheuen, Anzeige zu erstatten", betonte Jahn-Gilles.

Ruf der Schule leidet nicht

Dass wegen einer solchen Anzeige der Ruf der Schule leiden könnte, fürchtet die Schulleiterin nicht. Im Gegenteil: "Es wäre kontraproduktiv, wenn wir Straftaten geschehen lassen, ohne dass etwas passiert."

Des Weiteren sieht der Erlass vor, die Schulleiter zu informieren, sollte einer ihrer Schüler straffällig geworden sein. Solche Informationen betrachtet Hubertus Steiner als durchaus notwendig. Es sei wichtig, auffällige Schüler im Auge zu behalten - nicht zuletzt, um sogar Gewalttaten wie Amok-Läufen vorzubeugen. "In Erfurt wäre es gut gewesen, wenn die Signale frühzeitig erkannt worden wären."

Besondere Schwere

Wolfgang Beus, Sprecher des Innenministeriums, hebt den Opferschutz hervor: Es gehe um Raubdelikte oder gefährliche Körperverletzung. "Das sind keine Klecker-Straftaten. Sie haben eine besondere Schwere", sagte er. Mit dem Erlass sei nicht beabsichtigt, Schüler zu kriminalisieren: "Opfer von Straftaten sollen Sicherheit bekommen."

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