Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Macht Krach und stinkt

WERNE Der Blick wandert von der Asphaltpiste auf die Steuerung. Flink und gefühlvoll huschen Finger über Schalthebel, Knöpfe und Geschwindigkeitsregler. Der winzigste Fehler kann das Aus bedeuten: Marc Beckhaus ist Rennfahrer, Pilot eines RC Cars.

von Von Rudolf Zicke

, 07.12.2007

"RC Car bedeutet ,radio controlled car?, also funkgesteuertes Auto", erklärt der 27-jährige Werner.

Dabei legt er großen Wert darauf, dass sein Hobby so gut wie nichts mit den Spielzeugautos zu tun hat, die Kinder bisweilen über den Gehweg flitzen lassen: "Ich habe mit 14 Jahren zwar auch so angefangen. Was ich heute mache, das ist aber eine ganz ernsthafte und aufwändige Sache, echter Sport."

Keine Spielerei

Dass es sich bei dem RC Car von Marc Beckhaus trotz der handlichen Ausmaße tatsächlich nicht um eine Spielerei handelt, hört und riecht selbst der Laie nach dem Start des Wagens: Unter der blauen Karosserie werkelt nämlich kein flüsterleiser Elektromotor. "Da steckt ein Benziner drin, der macht Krach und stinkt und geht gewaltig nach vorne", beschreibt er seine Faszination.

2,5 Pferdestärken

Und der, obwohl er mit seinem Hubraum von 3,5 Kubikzentimetern bequem in eine Handfläche passt, hat es in sich: Der Kolben des Zweitakters bewegt sich 40 000 Mal in der Minute, die Formel-1-Boliden von "Schumi & Co." bringen es da nur auf ungefähr 17 000 Umdrehungen. Nicht minder erstaunlich die Leistung des Minis: 2,5 Pferdestärken. Und noch ein paar Details verrät Marc Beckhaus: "Je nach Getriebeübersetzung schaffe ich eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, von 0 bis 100 brauche ich weniger als zwei Sekunden."

So eine Speed kommt jedoch nicht von ungefähr. "Ich muss ständig schrauben, um die Leistung zu optimieren", sagt Marc Beckhaus. Wie in den geheimen Werkstätten der Formel 1, DTM und anderen Wettbewerben, so versucht Marc Beckhaus im Keller seines Elternhauses, immer ein Quäntchen mehr aus seinem Sport-Prototypen - Maßstab 1:8 - herauszukitzeln.

            Da wird mit den die Motorsteuerzeiten und Reifenhärten experimentiert, Kurbelwelle, Auspuff und Fahrwerk werden modifiziert, durch Kunststoffe, Aluminium, Titan und Stahl wird das Gewicht abgespeckt.

Bastlerblut

Dass Marc Beckhaus, im Übrigen ein Spross der alten Werner Autodynastie Brümmer, mit seinen "Basteleien" immer wieder richtig liegt, zeigen seine Erfolge.

Denn - wieder eine Parallele zu den Großen - es gibt auch bei den RC Cars Ranglisten und Meisterschaften. Hier gehört der junge Werner, Mitglied im "Auto-Modellsport-Club (AMC) Hamm", inzwischen zu den Besten der Nation, wird dementsprechend auch von zwei Firmen gesponsert.

Seit 2006 fährt er in der höchsten Klasse, bei der Deutschen Meisterschaft 2007 schaffte er unter den 50 Teilnehmern die schnellsten Rundenzeiten.

Doch ausgerechnet im Finale platzte der Traum vom Titel: "Ich hätte eigentlich gewinnen müssen, aber dann war ein Lenkservo defekt", hadert Marc Beckhaus noch ein wenig mit seinem Schicksal. Am Ende kam immerhin Rang 7 heraus.

Doch so leicht gibt er seine Ambitionen nicht auf: Im kommenden Jahr versucht er bei der Deutschen Meisterschaft in Ettlingen im Schwarzwald erneut sein Glück. Bis dahin hofft er, noch ein bisschen Leistung aus seinem Auto herauskitzeln zu können.

Ausbildung zum Mechatroniker

Von seinem Know-how profitieren auch die Kunden von Modellbau Baumeister im Spielwarengeschäft Weischer, in dem Marc Beckhaus teilzeitbeschäftigt ist. Im neuen Jahr möchte er jedoch eine Umschulung oder Ausbildung zum Mechatroniker beginnen, wofür er noch eine Stelle sucht. Dass er dafür schon über viele Vorkenntnisse und das notwendige Fingerspitzengefühl verfügt, das dürfte außer Frage stehen. zi-

 

  

Lesen Sie jetzt