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"Nur der Kopf ist anders"

WERNE Mit zwei Jahren stand Nele vor dem Bücherregal: "Mama, was ist das für ein Buchstabe?" Mit viereinhalb fing sie an zu lesen, rechnete bis 20, mit fünf Jahren konnte sie den Stoff der ersten Klasse. Heute, mit sechs Jahren, sitzt sie in der dritten Klasse und hat in diesem Schuljahr bislang 173 Bücher gelesen.

25.12.2007
"Nur der Kopf ist anders"

Nele Falke und ihre Mutter Rose.

Nele Falke hat einen Intelligenzquotienten von weit über 130 und zählt damit zu den zwei Prozent hochbegabter Menschen in Deutschland. Sie wohnt mit ihrer Mutter und ihren beiden älteren Brüdern seit drei Jahren in Nordkirchen, hat über die Schule noch immer starke Verbindungen zu Werne.

"Nele ist ein ganz normales Mädchen, nur der Kopf ist anders", beschreibt Mutter Rose ihre Tochter. Bei den kinderärztlichen Untersuchungen wurde ihre Begabung festgestellt, erzählt die Mutter. Der Kindergarten tat sich mit dem Mädchen schwer, die Erzieherinnen seien nicht bereit gewesen, die Mehrarbeit auf sich zu nehmen.

Stundenweises Lernen

Nele hatte Schwierigkeiten, Kontakte zu gleichaltrigen Kindern zu knüpfen; ein Wechsel in eine andere Einrichtung brachte keine Besserung und so entschloss sich Rose Falke, ihre Tochter einschulen zu lassen. Bei der Leiterin der Wienbredeschule Marion Trübiger stieß sie offene Ohren: Nele durfte mit vier Jahren stundenweise am Unterricht teilnehmen, im Alter von fünf dann tageweise. Mit fünfeinhalb Jahren wurde sie offiziell ins zweite Schuljahr eingeschult.

"Nele wird vom Ehrgeiz aufgefressen," erzählt Rose Falke, "eine Drei in der Mathearbeit bedeutet für sie Weltuntergang!" Sie stelle Fragen, bei denen sie als Mutter schwer überlegen müsse: "Mama, woraus besteht die Milchstraße? Wie sieht ein Bär von innen aus? Wer hat die ersten Kinder auf die Welt gebracht?"

"Erste Geige spielen"

Natürlich macht sich die zierliche Sechsjährige mit solchen Fragen nicht nur Freunde. "Sie hat große Probleme, Freunde zu finden," schildert Rose Falke. "Gleichaltrigen fühlt sie sich überlegen, und bei älteren Kindern fehlt ihr die soziale Reife." Schwierig sei das Verhältnis zu ihren gut zehn Jahre älteren Brüdern: "Da will sie immer die erste Geige spielen".

Im Augenblick möchte Nele Priesterin werden, Pastoralreferentin Maria Thiemann ist ihr großes Vorbild. "Ich muss noch zwei Schuljahre überstehen", meint die manchmal genervte Mutter, "die Zeit habe ich noch, um eine geeignete Schule zu finden." An der Gesamtschule in Nordkirchen habe sie angefragt, dort würde sie wegen der pädagogischen Ausrichtung gut hinpassen.

Doch bis dahin dauert es noch einige Zeit. Die nutzt Nele zum Lesen auf dem Schulweg zwischen Nordkirchen und Werne: Ein weiteres Buch ist geschafft. Wolfgang Gumprich

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