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Starke Stimme vom Dorf

Werne "Warum ich" - Die Kabarettistin Franziska Mense-Moritz stellte ihr Programm unter dieses Motto. Höhen und Tiefen ihres bisherigen Lebens bestimmten so den Beginn des Abends im Rathaussaal.

von Von Martin Kersting

, 12.10.2007
Starke Stimme vom Dorf

Franziska Mense-Moritz gab ihr Soloprogramm „Warum ich?“ im Rathaussaal.

Aufgewachsen in Enniger, einem Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist ("Bis in die 60-er Jahre fanden hier noch Hexenprozesse statt. Letztes Opfer war der Leiter der Sparkassenfiliale, der versucht hatte, den bargeldlosen Zahlungsverkehr einzuführen").

Die Landfrau aus Enniger verkörperte diese Haltung, die dem Neuen zwar aufgeschlossen gegenübersteht, aber keinen Sinn darin sieht: "Nordic Walking ist ein Bewegungskonzept mit Stöcken in freier Natur", zitiert sie die Apotheken-Rundschau und kommentiert: "Das gilt ja wohl auch für das Setzen von Stangenbohnen".

Doppelkopf als Widerstand gegen das bourgeoise System

Gut, dass dann ein DKPist in die dörfliche Welt kam, dem sie dann nach Dortmund folgte: "Der klärte uns auf, was wir alles falsch machten. Alles, was er sagte, war richtig - und diese braunen Augen..." In Dortmund kam sie in eine revolutionäre WG, die das Doppelkopfspiel als Akt des Widerstands gegen das bourgeoise System ansah.

Wies der erste Teil einige Längen auf, hier konnten hauptsächlich ihre Lieder wirklich begeistern, so legte sie nach der Pause richtig los.

Die langjährige Frontfrau des "Geierabends" in Dortmund ließ ihre besten Typen aufmarschieren, wie die Trinknudel der "zwei vonne Südtribüne", die "Bandscheibe" im blauen Frotteemantel auf dem Krankenhausflur oder die Kellnerin Lotti: skurile, witzige Typen-Menschen, in denen sich Ruhrgebietler sofort wieder erkennen.

Die Bandscheibe riss die Zuschauer von den Stühlen

Vor allem die "Bandscheibe" war richtig echt und gut als Dortmunder Choleriker, dessen Witz und Weisheit die Zuhörer von den Stühlen rissen, so wenn sie den Angler am See Genezareth zitierte: "Ist mir scheißegal, wer Dein Vater is, aber solange ich hier angel, läuft mir keiner über das Wasser".

Jede Szene wechselte sich ab mit Liedern, in denen sie bekannte Melodien mit urigen Texten vertont hat. Kongenial begleitet wurde sie dabei am Klavier von Hans Wanning, einem engen Mitstreiter aus dem "Geierabend". Und hier im musikalischen Teil zeigten sich die Erfahrungen, die sie als langjährige Frontfrau des Rocktheater "N8chtschicht" gesammelt hatte.

Präsenz über zwei Stunden

Was das fast zweistündige Programm besonders auszeichnete, war die ungeheure Präsenz von Franziska Mense-Moritz, ihre Mimik, Gestik, ihre stimmliche Bandbreite, selbst das Umkleiden - und sie kleidete sich oft um - geschah auf offener Bühne.

Bereitwillig gab sie einige Zugaben, um sich dann zu verabschieden: "Jetzt gehe ich. Ich komme gern noch mal wieder. Aber jetzt gehe ich."

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