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"Unterschied liegt eher im Kalender"

WERNE Am 11. Oktober endete der islamische Fastenmonat Ramadan. Darüber sprach Dechant Heiner Innig mit Ali Boz vom Vorstand des Werner Moscheenvereins. Innig bekam im vergangenen Jahr für seine Bemühungen um den christlich-islamischen Dialog den Kulturpreis der Stadt Werne verliehen.

23.10.2007

Boz: Ich persönlich habe erwartet, dass ich diese Fastenzeit als Selbständiger gut überstehe. Denn viele Muslime haben ihren Jahresurlaub in die Fastenzeit verlegt, damit sie es gesundheitlich durchstehen können.

Innig: Heisst das, dass normale Arbeitsabläufe mit den religiösen Vorschriften gar nicht vereinbar sind, oder was ist daran so anstrengend?

Boz: Die Vorschrift besagt, dass während der hellen Tageszeit weder gegessen noch getrunken werden darf. Darum wird im Winter während der Fastenzeit weniger Urlaub genommen als im Sommer.

 Innig: Ich erinnere mich an die Geschichte von dem türkischen Fussballer, der fastete und trotzdem spielte. Ich fand das ziemlich leichtsinnig aus sportmedizinischer Sicht.

 Boz: Vermutungen sind der Anfang allen Übels, daher haben die Islamgelehrten aus dem Koran und den Überlieferungen des Propheten Regeln zum Fasten abgeleitet. Wird durch das Fasten die eigene oder die Gesundheit anderer gefährdet, so wird es diesen Personen nicht erlaubt zu fasten.

 Innig: Das beruhigt und freut mich sehr! Auch in den christlichen Kirchen ist es so, dass niemand etwas tun muss, was er nicht kann, auch wenn es fromm aussehen mag. Ein Verzicht ist nicht um seiner selbst willen da. Wenn ich verzichte, dann aus Solidarität mit Not leidenden, um frei zu werden von meinen Bedürfnissen oder um herauszufinden, von welchen Dingen ich mich abhängig machen lasse.

 Boz: Das ganze Jahr über ist der Mensch am Jagen und Sammeln, der Ramadan soll dem Einzelnen und der Gemeinschaft aufzeigen, dass er geben muss. Falls ein Muslim aus gesundheitlichen Gründen nicht fasten kann, so muss er für jeden Tag, an dem er nicht fasten kann über die Moscheenverbände an bedürftige Moslems auf der Welt Geld spenden. Der Spendenbetrag muss so hoch sein, dass er einen Menschen einen ganzen Tag satt macht.

 Innig: Das fasziniert mich, denn wir sammeln vor Weihnachten und Ostern in den Kirchen Geld für bedürftige Christen in armen Ländern, aber ohne Maßstab. Beim christlichen Fasten geht es um dreierlei: Verzicht und zum frei werden, intensiveres Beten und Teilen mit denen in Not.

 Boz: Die islamischen Form des Fastens wirkt auf den Menschen sehr intensiv. Der Verzicht des Körpers auf seine Grundbedürfnisse verlangt dem Geist sehr viel Contenance, eine starke geistige Haltung ab. Dies schafft Klarheit im Erkennen, was wirklich wichtig ist. Dazu gehören die Rezitation des gesamten Korans während des Fastenmonats und die abendlichen Gebete in der Moschee.

 Innig: Mir scheinen die religiösen Ziele und Methoden der Fastenzeiten für Christen und Moslems sehr ähnlich zu sein. Der Unterschied liegt eher im Kalender. Christen bereiten sich auf hohe Feste vor, Muslime erinnern sich an den Monat, in dem der Koran nach eurem Glauben diktiert wurde.

 Boz: Heiner, danke für die Vorlage. Tatsächlich wurde der Koran via Erzengel Gabriel unserem Propheten Muhammed (S.A.V.) in diesem Monat von Gott herabgesandt. Vollendet wurde diese Sendung in der Nacht der offenen Möglichkeiten - Leyleth-Al-Kadr. Diese Nacht ist die wichtigste Nacht des Jahres.

 Innig: Die wichtigsten Taten Gottes für diese Welt geschahen auch für Christen nachts. Gott wurde in der Weihnacht Mensch und Jesus erstand in der Osternacht vom Tod. Davor liegen im Jahreskalender Fasten- und Besinnungszeiten. Im nächsten Advent werde ich sicher an euren letzten Ramadan denken.

 

 

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