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WestLB: Rote Zahlen und Ermittlungen

DÜSSELDORF Fehlgeschlagene Aktienspekulationen mit einem unerwartet hohen Gesamtschaden von mehr als 600 Millionen Euro haben die WestLB erstmals seit Jahren wieder in die Verlustzone gedrückt. Im ersten Halbjahr 2007 verbuchte der Konzern unter dem Strich ein Minus von 170 Millionen Euro, wie die WestLB AG am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte. Vor Steuern belief sich der Verlust auf 38 Millionen Euro.

WestLB: Rote Zahlen und Ermittlungen

Die WestLB kommt nicht aus den Schlagzeilen

Für das Gesamtjahr 2007 erwartet der Vorstand dennoch einen Vorsteuergewinn. In Kreisen der WestLB-Eigentümer wurde betont, die Bank könne den Schaden verkraften. Unterdessen geht der Streit über die künftige Aufstellung der WestLB weiter.

Hintergrund der roten Zahlen sind Fehlspekulationen im Eigenhandel - dem Kauf von Wertpapieren auf eigene Rechnung und eigenes Risiko. WestLB-Aktienhändler hatten mit hohen Beträgen auf die Kursdifferenzen zwischen Vorzugs- und Stammaktien bei Werten wie Volkswagen spekuliert. Die Gesamtbelastung aus den Fehlspekulationen beläuft sich im ersten Halbjahr 2007 auf 604 Millionen Euro. Sie ist nach Bankangaben bilanziell vollständig verarbeitet. Der Schaden fällt damit mehr als doppelt so hoch aus wie bislang veröffentlicht. Im Mai hatte die Bank den Schaden zunächst auf 243 Millionen Euro beziffert und dabei den Verkauf weiterer Positionen angekündigt. Zuletzt schrieb die WestLB AG im Geschäftsjahr 2004 rote Zahlen.

Verluste im Eigenhandel

Die Verluste im Eigenhandel haben die WestLB nach den Worten des neuen Vorstandschefs Alexander Stuhlmann „auf ihrem geschäftlich ansonsten erfolgreichen Weg zurückgeworfen“. Die Partnerschaft mit Sparkassen und Fortschritte der Bank im kundenorientierten Geschäft stimmten ihn zuversichtlich. Die Bank habe ihre Kosten im ersten Halbjahr 2007 um 109 Millionen Euro auf 803 Millionen Euro gesenkt. Angesichts der Krise im US-Immobilienmarkt erfolgte vorsorglich eine Rückstellung von rund 50 Millionen Euro. Finanzvorstand Hans-Jürgen Niehaus geht davon aus, dass der WestLB aus der US-Immobilienkrise im zweiten Halbjahr 2007 keine größeren Ausfälle entstehen werden.

NRW-Finanzminister überrascht

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Helmut Linssen (CDU) zeigte sich von der Höhe der Verluste im Eigenhandel von 604 Millionen Euro überrascht. „Das ist mehr als ich befürchtet hatte“, sagte er am Donnerstag im Landtags-Finanzausschuss in Düsseldorf. Die Bank stehe insgesamt aber besser da, „als sie bisweilen in der öffentlichen Darstellung erscheint“, unterstrich Linssen. Der Präsident des Sparkassenverbandes Rheinland, Karlheinz Bentele, betonte am Donnerstag in einer Mitteilung, dass die Bank „trotz aller Schwierigkeiten die Kraft hat, mit den Ergebnissen des operativen Geschäfts den hohen Schaden aus dem Eigenhandel zu verarbeiten.“

Gewerkschaft fordert erhalt der WetLB

Unterdessen geht die Debatte über die künftige Aufstellung der WestLB unvermindert weiter. Die Gewerkschaft ver.di fordert den Erhalt als eine eigenständige Landesbank. Die von den Sparkassenverbänden in Nordrhein-Westfalen favorisierte Fusion der WestLB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) stelle keine zufriedenstellende Lösung dar, erklärte ver.di. Einen Verkauf von WestLB-Anteilen an private Investoren, den die Landesregierung Nordrhein-Westfalens nicht ausschließt, lehnt ver.di als indiskutabel ab. Mit einem Verkauf seiner Anteile würde sich das Land aus seiner Verantwortung stehlen, hieß es.

Landesregierung: Kein Anlass für schnelle Fusion

Die nordrhein-westfälische Landesregierung sieht in den Verlusten der WestLB keinen Anlass für eine schnelle Fusion der Düsseldorfer Bank mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Es helfe nicht weiter, „vorschnell auf den Zug LBBW aufzuspringen“, sagte Linssen. Ein Zusammengehen mit der LBBW sei „vielleicht die beste Lösung, vielleicht aber auch nicht“. Die Landesregierung werde sich die erforderliche Zeit nehmen, alle Optionen zu prüfen. Das Land Nordrhein-Westfalen hält direkt und indirekt 38 Prozent an der WestLB AG. Die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen besitzen zusammengenommen die Aktienmehrheit. Außerdem sind kommunale Landschaftsverbände Nordrhein-Westfalens an der Bank beteiligt.

Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Vorstand

Durch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen drei aktuelle Mitglieder des WestLB-Vorstands werden sich nach Angaben von Linssen keine „unmittelbaren aktien- oder aufsichtsrechtlichen Konsequenzen ergeben“. Die Vorwürfe gegen die drei Manager seien nicht neu. Der Aufsichtsrat hatte den ehemaligen Bankchef Thomas Fischer und Risikovorstand Mathijs van den Adel abberufen, die drei anderen Vorstandsmitglieder aber im Amt belassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen alle fünf.

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