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Widerstandsfähige Darmkeime zunehmend ein Problem

Jena (dpa) Darmkeime, die auf Antibiotika nicht ansprechen, machen Krankenhäusern nach Experteneinschätzung zunehmend zu schaffen. «Diese Erreger kommen mittlerweile sehr häufig vor», sagte der Mikrobiologe Eberhard Straube vom Universitätsklinikum Jena in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Widerstandsfähige Darmkeime zunehmend ein Problem

Ein Arzt desinfiziert sich die Hände in einem Essener Krankenhaus. Foto: Marius Becker

Zwar werde nicht jeder damit besiedelte Mensch krank, allerdings könnten die Träger der Bakterien andere Menschen anstecken. «Problematisch ist das vor allem bei Patienten mit einem ohnehin geschwächten Immunsystem, etwa Krebskranke nach einer Chemotherapie.» Gefährdet durch diese sogenannten ESBL-Keime seien auch Neugeborene, weil deren Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet sei.

Zum Problem der resistenten Bakterien trägt nach Ansicht des Experten auch die Verschreibungspraxis der Ärzte bei. So würden in der Erkältungssaison im Winter besonders häufig Antibiotika verschrieben, obwohl die meisten Infekte durch Viren verursacht würden und damit nutzlos seien. Zudem halte sich die Pharmaindustrie mit Neuentwicklungen von Antibiotika zurück. «Die rentieren sich für die Hersteller kaum», sagte Straube. «Wenn ein Medikament die Ursache seiner Anwendung beseitigt, kann man damit kein Geschäft mehr machen.»

Auf der Frühchenstation einer Bremer Klinik waren seit August drei Neugeborene an einem solchen tückischen Darmkeim gestorben. ESBL (Extended Spectrum Beta-Laktamase) bezeichnet eine Gruppe von Darmbakterien mit einem bestimmten Enzym, das viele Antibiotika unwirksam macht. Widerstandsfähig sind die Erreger vor allem gegen Penicilline. Nachweisen lassen sie sich per Stuhlproben. Nicht in jedem Fall lasse sich eine Infektion mit einem Verstoß gegen Hygieneregeln erklären, erläuterte Straube. «Es ist leider häufig so, dass man die Quelle der Erreger nicht findet.»

Eine wirksame Schutzmaßnahme für Krankenhäuser wäre aus Sicht des Mediziners ein Screening, bei dem Patienten und Klinikpersonal Stuhlproben abgeben. «Damit könnte man Keimträger rechtzeitig herausfiltern.» Entsprechende Erfahrungen gebe es bereits mit anderen resistenten Bakterienarten. «Das ist zwar aufwendig und kostet Geld - aber nur ein Bruchteil des Geldes, was Infektionen kosten.»

Universitätsklinikum

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