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Wie Ferdinand Franz Wallraf Kunstschätze rettete

Köln. Vor 200 Jahren wollte Köln alles Mögliche loswerden: antike Funde, Gemälde, Kirchen - sogar den Dom. Da begann ein einzelner Bürger auf eigene Faust eine Rettungsaktion: Ferdinand Franz Wallraf kaufte alles auf, was er in die Finger bekam.

Kann das weg oder ist das Kunst? Auf diese Frage gab man in Köln vor 200 Jahren meist die Antwort: Kann weg. Kunstwerke von unschätzbarem Wert wurden damals vernichtet oder verscherbelt. Die Haltung war ungefähr so wie heute gegenüber Betonbauten der 1960er und 70er Jahre: potthässlich - sollte man abreißen.

Damals wurden in Köln zum Beispiel zahllose Kirchen zerstört oder zu Fabrikhallen umfunktioniert. Auch den halbfertigen Dom hätte man liebend gern abgebrochen, aber das ging nicht: Der war schlicht zu groß.

Also nutzte man das Ding als Kriegsgefangenenlager, Futterspeicher und Pferdestall. Auf gemalten Stadtansichten tat man so, als gebe es ihn nicht - er fehlte einfach. Einen gab es allerdings, der anders dachte. Einen großen Aufbewahrer und Sammler: Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824) - mit nur einem „f“, anders als Günter Wallraff. Ihm widmet das nach ihm benannte Wallraf-Richartz-Museum jetzt eine Ausstellung mit dem Titel „Wallrafs Erbe - Ein Bürger rettet Köln“.

1794 wurde Köln von Frankreich erobert und für 20 Jahre eine französische Stadt. Unirektor Wallraf bekam den Auftrag, alle Straßennamen umzubenennen. Das tat er auch - und machte aus der „Kotzgasse“ die „Rue des Traiteurs“, die Straße der Feinschmecker, und aus dem „Pissgässchen“ die „Passage de la Bourse“ (Börsengasse).

Die katholische Kirche, der damals halb Köln gehörte, wurde von der Revolutionsregierung in Paris enteignet. Alle Mönche und Nonnen landeten auf der Straße. Gewaltige Mengen an sakraler Kunst kamen auf den Markt - all die Gemälde, Kreuze, Monstranzen und Flügelaltäre, die die Kirchen und Klöster des „Heiligen Köln“ geschmückt hatten. Die Sachen wollte aber kaum einer haben. Das galt sogar für die fantastischen Glasmalereien aus den Kreuzgängen der umliegenden Klöster. Nur einige gotikbegeisterte Lords aus England wussten ihren Wert einzuschätzen, erstanden sie für Spottpreise und ließen sie auf ihren Schlössern in Privatkapellen einsetzen.

So mancher Kunstschatz verließ Köln für immer. Ein gewisser Adolf von Hüpsch kaufte in kurzer Zeit eine Kollektion zusammen, bot sie der Stadt Köln an, die jedoch abwinkte, worauf er die Sammlung nach Darmstadt verkaufte: Dort bildete sie den Grundstock für das Hessische Landesmuseum. Die Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée verkauften ihre überaus kostbaren Tafelgemälde altdeutscher und altniederländischer Meister an den König von Bayern, aus dessen Sammlung die Alte Pinakothek in München hervorging.

Ohne Wallraf wäre Köln nicht viel geblieben. Aber dieser Mann war gut für 100 Sammler. Nachdem er einmal begonnen hatte, wurde er nach eigenem Bekenntnis „kaufsüchtig“ und erwarb alles, was ihm in die Hände fiel - insgesamt 40 000 Objekte, vom versteinerten Vogelnest bis zum Rubens-Gemälde. Wie ein Drache hütete er seine Schätze, fand Goethe, der ihn bewunderte, aber auch kritisierte: „Der chaotische Zustand ist nicht denkbar, in welchem die kostbaren Gegenstände der Natur, Kunst und des Altertums übereinander stehen, liegen, hängen und sich durcheinander umhertreiben.“

Goethe regte an, die Kollektion in „Abtheilungen“ geordnet in einem Museum auszustellen - so ist es dann auch gekommen: Die heutige Kölner Museumslandschaft geht ganz wesentlich auf Wallraf zurück. Woraus man - weit über Köln hinaus - die Schlussfolgerung ziehen könnte: Nie vorschnell Kunst zu Schrott erklären!

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