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„Wohne lieber ungewöhnlich“: Geschwister-WG

Berlin. Heiraten, Kinder kriegen, scheiden lassen - und wieder von vorn: In dieser Pariser Familie wird der Patchwork-Wahnsinn auf die Spitze getrieben. Doch dann haben die sieben Halbgeschwister die Kapriolen ihrer Eltern satt. Sie gründen einfach eine WG.

„Wohne lieber ungewöhnlich“: Geschwister-WG

Claude (Philippe Katerine), Sophie (Julie Gayet), Philippe (Thierry Neuvic), Agnès (Julie Depardieu), Hugo (Lucien Jean-Baptiste), Madeleine (Nino Kirtadze) und Babette (Claudia Tagbo) werden ganz schön in die Enge getrieben. Foto: Jean-Claude Lother/Neue Visionen Filmverleih

Frankreich liebt Familienfilme. Besonders jene, in denen die Kinder ihren eigenen Kopf haben und diesen dann durchsetzen. Als eines der größten Vorbilder des Genres gilt der Teenie-Klassiker „La Boum - Die Fete“.

Auch in der neuen französischen Komödie „Wohne lieber ungewöhnlich“ erkämpfen sich die Jugendlichen die Freiheit, zu leben wie sie es für richtig halten (Originalfilmtitel: „C’est quoi cette famille?!“, etwa: „Was ist das bloß für eine Familie?!“).

Sie gründen die wohl wildeste WG seit Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt: Bastien und seine sechs Halbgeschwister ziehen heimlich in die riesige Altbauwohnung einer verstorbenen Großmutter. Schließlich haben sie den Pariser Patchwork-Alltag bei ihren insgesamt acht Erziehungsberechtigten reichlich satt. Mal sind sie bei der einen Mutter, dann bei dem anderen Vater. Ständig müssen sie ihre Sachen packen oder kurzfristig doch woanders übernachten als geplant. Damit soll endlich Schluss sein.

In ihrem neuen Domizil geht es natürlich mitunter chaotisch zu. Wenn der Kleinste allein in der Wanne vergessen wird, verwandelt sich schon mal der ganze Altbau in ein Blubberbad - bis der tropfnasse Nachbar an der Haustür klingelt. Zum Glück bietet sich die verrückte Oma an, den vor Wut schäumenden Herren mit ihren ganz eigenen Mitteln zu beruhigen.

Insgesamt aber hat die Kinderbande ihr neues Leben perfekt im Griff. Schließlich sind sie es gewöhnt, zu organisieren und improvisieren. So staunen die Eltern nicht schlecht, als sie nach dem ersten Schrecken über die Chuzpe ihrer Kinder feststellen müssen, dass ihr Nachwuchs das Leben deutlich vernünftiger meistert als sie selbst.

In der Komödie „Wohne lieber ungewöhnlich“ nimmt der Pariser Regisseur Gabriel Julien-Laferrière (Jahrgang 1962) den durchstrukturierten Alltag einer Patchwork-Sippe in seiner Heimatstadt auf die Schippe. Mit einem liebevollen Blick auf die Marotten der Erwachsenen inszeniert er die vielen kleinen Peinlichkeiten und Zwänge des Lebens, aus denen jeder wohl gern einmal ausbrechen würde. Die Kinder aber tun es einfach und zwingen ihre Eltern, sich zur Abwechslung einmal ihren Bedürfnissen anzupassen.

Die Charaktere des Films wirken zwar stereotypisch: die esoterische Joga-Mutti und der Computerspiele-Freak unter den Vätern sowie die lässige, überdrehte Oma zählen längst zum Standardpersonal französischer Familienfilme. Aber den Darstellern gelingt es dennoch, den Figuren viel Charme zu verleihen. Zur Besetzung gehören neben Gérard Depardieus Tochter Julie Depardieu auch - vor allem in Frankreich - bekannte Schauspieler wie Julie Gayet und Thierry Neuvic.

Und natürlich werden sich die talentierten Jungdarsteller große Sympathien bei den Zuschauern erspielen, wenn sie die Konventionen einfach über den Haufen werfen, allen voran Nachwuchsstar Teïlo Azaïs (Jahrgang 2002) in der Hauptrolle. Denn diese WG ist ein kleiner Kindertraum: mit ihrem Riesenbettenlager, auf dem alle Geschwister zusammen kuscheln können, und der Schaukel mitten im Wohnzimmer.

So entwickelt sich die Geschichte in der Komödie zwar etwas schematisch und vorhersehbar. Insgesamt aber ist „Wohne lieber ungewöhnlich“ ein sehr liebenswerter und humorvoller Wohlfühlfilm. Für ein harmonisches Wochenende „en famille“ durchaus zu empfehlen.

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