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Wowereits Berlin-Porträt: „Sexy, aber nicht mehr so arm“

Berlin. Vor mehr als drei Jahren trat Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister von Berlin zurück. Sein wichtigstes Projekt, der neue Flughafen, ist immer noch nicht fertig. Aber ein neues Buch Wowereits.

Wowereits Berlin-Porträt: „Sexy, aber nicht mehr so arm“

Klaus Wowereit liefert viele Daten und Fakten in seinem Berlin-Buch. Foto: Jörg Carstensen

Anekdoten aus der Politik, Enthüllungen, Kultur-Klatsch oder Geheimnisse aus dem Nachtleben? Nein. Wer das vom neuen Buch von Klaus Wowereit erwartet, wird enttäuscht.

Der langjährige Regierende Bürgermeister Berlins verrät in dieser Hinsicht wenig, und schreibt: „Für einige Leser wird das vorliegende Buch möglicherweise nicht spektakulär und provozierend genug sein.“ Der Satz findet sich allerdings erst im Nachwort.

Eine weitere Feststellung beschreibt recht genau, worum es in „Sexy, aber nicht mehr so arm: mein Berlin“ (erscheint am 4. Mai im Verlag Edel Books) gehen soll - und worum nicht: „Bisken wat kann ich schon sagen über Berlin. Weshalb in diesem Buch meine Stadt die Hauptrolle spielt, nicht das ehemalige Stadtoberhaupt.“

Dabei ist „bisken“ weit untertrieben: Der 64-Jährige erklärt die Millionenstadt in so vielen Zahlen, Details und Rückblenden, dass das manchen Lesern zu viel sein könnte. Ein zweiköpfiges Redaktionsteam unterstützte den Autor und lieferte wohl die Daten- und Faktengrundlage. Sein erstes Buch „... und das ist auch gut so.: Mein Leben für die Politik“ war viel persönlicher. Darin beschrieb der SPD-Politiker, der 2001 Regierender Bürgermeister wurde, Herkunft, Jugend und Aufstieg.

Einige Kapitel im neuen Werk verraten aber manches über Wowereits Gemütszustand rund drei Jahre nach dem Abschied aus dem Amt. Wie viele Politiker fühlt er sich missverstanden. Ausführlich erläutert er, dass sie eben nicht so sind wie das Klischee: Faul, eitel und machtbesessen. Kenner würden ihm da nicht völlig widersprechen. Trotzdem klingt es wie eine Rechtfertigung.

„Zuhören, reden, lesen, schreiben“ - so sehe die Arbeit von Politikern aus. Außerdem Sitzungen, vertrauliche Gespräche, Aktenstudium, Telefonate, Konferenzen, Klausurtagungen. Die komplexen Probleme der Finanz- und Haushaltspolitik ließen sich nur von Fachpolitikern bewältigen, schreibt Wowereit. Zwar habe er nie einen ganzen Haushaltsplan mit vielen tausend Seiten gelesen. „Aber ich wusste stets, wie die Politik bei welchen Ausgaben an welchen Rädchen drehen kann und drehen sollte. Und das halte ich, mit Verlaub, für echt sinnvolle Arbeit.“

Überhaupt seien die Geschichten um „Partymeister“, rote Teppiche und Champagnerflaschen Missverständnisse, schreibt Wowereit. Er sei „das absolute Gegenteil eines schrägen Vogels. Schon vom äußeren Auftritt her bin ich, glaube ich, ein ganz normaler, eher bürgerlicher Typ.“ Daher tauge er auch nicht für „Celebrity-News, Glamour und Skandal“. Berlinale, Modemesse, Musical- und Opernpremieren, Empfänge seien letztlich Arbeit und Politik. „Und ich winke dann auch nicht in die Kamera, damit alle den Wowi toll finden, sondern um Berlin als Kulturmetropole zu verkaufen. (...) Ganz von allein kommt das „sexy“ nämlich nicht.“

Im sechsten Kapitel geht es dann um „Berlin, Brandenburg, der Bund und ihr Flughafen.“ Neues erfährt man nicht: Letztlich hätten „die ständigen Erweiterungen des Projekts die Planer zur Verzweiflung gebracht“, so Wowereit über den bis heute nicht fertig gestellten neuen Hauptstadtflughafen. „Was für eine Blamage“, heißt es zur Absage des ersten Eröffnungstermins 2012. „Ich muss zugeben, das war die dunkelste Stunde meiner Amtszeit, ja der mit Abstand schlimmste Moment meines Berufslebens überhaupt.“ Für das Desaster „gibt es weder den einen Grund noch gab es einen entscheidenden Moment. Und erst recht gebe es nicht den alleinigen Verantwortlichen“, schreibt Wowereit.

Klaus Wowereit: Sexy, aber nicht mehr so arm: mein Berlin. Verlag Edel Books. Gebundene Ausgabe 256 Seiten. Erscheint am 4. Mai 2018. ISBN-13: 978-3841905109. 19,95 Euro

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