Zeitungszusteller berichtet über unheimliche Begegnung

Spekulation über ersten Wolf in Unna

Ein Zeitungszusteller hatte in der Nacht eine unheimliche Begegnung mit einem großen Tier in Unna. Er ist sicher: Es war ein Wolf. Bestätigt ist das bisher nicht. Unmöglich ist es allerdings auch nicht.

von Thomas Raulf

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Unna

, 16.02.2018, 12:39 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hat der Zeitungszusteller wirklich einen Wolf gesehen?

Hat der Zeitungszusteller wirklich einen Wolf gesehen? © dpa

„Plötzlich stand er da und sah mich an. Ich war wie erstarrt“, sagt Heinz Rzeminski. Der Unnaer ist eigentlich kein Typ, der viel Gerede macht, der regelmäßig etwa bei Behörden anruft, um Aufregung zu verbreiten. Aber was ihm da in den frühen Morgenstunden des 15. Februar in Unna begegnet ist, darüber muss er sprechen. „Es war ein Wolf“, sagt Rzeminski. „Ganz bestimmt.“ Es wäre wohl die erste Sichtung eines solchen Tiers im Kreis Unna.

Rzeminski ist Zeitungsbote. Wie immer machte er sich in der Nacht zu Freitag um kurz nach 2 Uhr auf den Weg. Von seiner Wohnung am Afferder Weg in der Nähe des Bahnübergangs fuhr er mit dem Auto in Richtung Stadt. Als er das Tier zum ersten Mal sah, dachte er sich noch nichts dabei. Ein größerer Vierbeiner lief über den Afferder Weg in Höhe des Neubaugebiets in Richtung Königsborner Straße. Rzeminski fuhr weiter zu der Sammelstelle, wo er sich üblicherweise seine Zeitungspakete abholt: zur Tankstelle an der Friedrich-Ebert-Straße.

Bepackt mit Zeitungen begab er sich dann auf seine tägliche Runde in der Siedlung um die August-Schmidt-Straße. Rzeminski hatte gerade eine Zeitung bei Hausnummer 4 eingesteckt und betrat wieder den Weg. Da sah er ihn. Das große Tier stand am Anfang des Wegs und blickte in seine Richtung. „Ich wusste überhaupt nicht, was ich machen soll“, erinnert sich der 66-Jährige. Das Tier habe geknurrt. Er habe es angesprochen in seiner Ratlosigkeit und sich wieder zum Hauseingang zurückgezogen. Dann sei das Tier an ihm vorbeigelaufen, den Weg hinunter. Weg war es. Möglicherweise verschwand das Tier über einen Weg in Richtung Vaersthausener Straße, möglicherweise an einem Garagenhof vorbei direkt auf das freie Feld.

„Da stand er.“ Heinz Rzeminski zeigt die Stelle an der August-Schmidt-Straße, an der ihm in der Nacht zu Donnerstag ein großes Tier begegnet ist – kein Hund, sondern ein Wolf, da ist der Zeitungsbote sicher.

„Da stand er.“ Heinz Rzeminski zeigt die Stelle an der August-Schmidt-Straße, an der ihm in der Nacht zu Donnerstag ein großes Tier begegnet ist – kein Hund, sondern ein Wolf, da ist der Zeitungsbote sicher. © Thomas Raulf

Zeuge: Es war kein Hund

„Das war ein Wolf“, sagt Heinz Rzeminski. Polizeisprecher Thomas Röwekamp berichtete unserer Redaktion, dass im Bereich Kurpark ein grauer Schäferhund als vermisst gemeldet worden sei. Er habe selbst jahrzehntelang einen Hund gehabt, entgegnet Rzeminski. Er kenne auch Schäferhunde. Das aber sei keiner gewesen, sagt er. Er beschreibt das Tier als sehr groß, deutlich über Kniehöhe, das Fell sei im Licht der Straßenlaterne hell gewesen, vielleicht grau. Er hält es auch für möglich, dass zwei Wölfe an diesem frühen Morgen unterwegs waren, dass er einen am Afferder Weg gesehen hat und einen an der August-Schmidt-Straße.

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Wenige Meter vom Ort dieser zweiten Begegnung entfernt parkte am Freitag noch ein Auto. Auf der Heckscheibe steht „Wolfsrudel“. Es handelt sich um den Namen einer Hundeschule in Viersen. Die Betreiberin, sie heißt Anna Wolf, bestätigt, dass dieser Wagen regelmäßig in Unna parkt. Er gehöre einer Freundin. Und diese Frau besitze zwei große Hunde. Wolfshunde. Diese große Rasse sieht den echten Wölfen zum Verwechseln ähnlich. Ist Heinz Rzeminski einem Wolfshund begegnet? Es hätten in Unna sogar mehrere Halter Hunde dieser Rasse, berichtet die Hundeausbilderin. Ihre Recherche aber macht diesen Zusammenhang wieder unwahrscheinlich. Wolf fragte am Donnerstag in ihrem Unnaer Bekanntenkreis herum. Alle infrage kommenden Wolfshunde seien in der Nacht brav im Bett gewesen, berichtet Wolf.

Lanuv: Wolf in Unna ist möglich

Spaziergänger mit Hunden sind nachts in der Regel nicht unterwegs. Wölfe allerdings schon. Die Wildtiere sind bekannt dafür, dass sie nachts weite Strecken zurücklegen. Und dass tatsächlich ein Wolf im Raum Unna unterwegs war oder ist, kann nicht ausgeschlossen werden. Es sei jetzt die Jahreszeit, in der junge Wölfe ihre Rudel verlassen, um neue Reviere zu suchen, bestätigt Wilhelm Deitermann, Pressesprecher des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Das Lanuv ist die Behörde in Nordrhein-Westfalen, die Wolfsmeldungen entgegennimmt, dokumentiert und gegebenenfalls verfolgt und prüft. Vor einigen Wochen erst hatte das Lanuv eine Sichtung südlich von Münster gemeldet bekommen und bestätigt: Das war ein Wolf. In dieser Woche erst in Essen entpuppte sich eine Sichtung als Verwechslung: Der vermeintliche Wolf war ein tschechoslowakischer Wolfshund. In Fall aus Münster gab es ein Foto. Heinz Rzeminski hatte nicht die Gelegenheit, das Tier zu fotografieren.

Ob dieser Fall aufgeklärt wird, bleibt abzuwarten. Aufgrund derart vager Hinweise sei die Echtheit der Sichtung schwer einzuschätzen, sagt Deitermann. Auch der für Unna zuständige Wolfsberater, Winfried Hardes vom Forstamt, will diese unbestätigte Meldung „mit Vorsicht genießen“. Das Lanuv bekomme rund 200 solcher Meldungen im Jahr, sagt Sprecher Deitermann. Wölfe, sagt er, meiden in aller Regel Menschen und deren Siedlungen. Dass dieses Tier im Siedlungsbereich war und den Menschen anknurrte, spricht eher dagegen, dass es ein Wolf war. Dass es offenbar in Richtung des freien Feldes verschwand, das Unnaer Stadtgebiet offenbar nur gestreift hat, könnte wiederum dafür sprechen.

Wer einen Wolf sieht, soll sich telefonisch beim Lanuv melden: Tel. 02361/3050; außerhalb der Geschäftszeiten: Tel. 0201/714488

Ein Wolfsberater sitzt beim Forstamt in Dortmund, Tel. 0231/2217869

Zurückhaltung angebracht, Angst nicht

Der Wolf, in Westfalen ausgerottet im 19. Jahrhundert, wird nach und nach in Deutschland wieder heimisch. Das Tier steht unter Schutz, ist aber auch politisch umstritten, unter anderem weil Wölfe schon Herdentiere gerissen haben. Bei vielen Menschen ruft das Tier immer noch Urängste hervor, was sicher mit ihrer märchenhaften Stigmatisierung als „böse“ zu tun hat. Allerdings sind nach Angaben des Lanuv in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland keine Angriffe von gesunden, frei lebenden Wölfen auf Menschen dokumentiert. Wölfe gelten als scheu, die Begegnung mit Spaziergängern als überaus selten. 

Das sollte man tun, wenn man einen Wolf sieht
  • Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben; sich langsam zurückziehen, wenn man den Abstand vergrößern möchte
  • Nicht versuchen, das Tier anzufassen oder zu füttern
  • Wer durch lautes Ansprechen oder Klatschen auf sich aufmerksam macht, kann damit einen Wolf vertreiben.
  • Wer einen Wolf sieht, soll sich telefonisch beim Lanuv melden: Tel. 02361/3050; außerhalb der Geschäftszeiten: Tel. 0201/714488. Ein Wolfsberater sitzt beim Forstamt in Dortmund, Tel. 0231/2217869