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Zeugin berichtet von angeblichem Vergiftungsversuch

Kanalleiche Waltrop

Mit der Vernehmung einer der besten Freundinnen des mutmaßlichen Mordopfers ist am Freitag der zweite Prozess um den Fund einer Frauenleiche auf dem Dortmund-Ems-Kanal bei Waltrop fortgesetzt worden. Es ging um gebrochene Herzen, wilde Spekulationen und vergiftete Getränke.

BOCHUM/WALTROP

von Werner von Braunschweig

, 22.06.2018
Zeugin berichtet von angeblichem Vergiftungsversuch

Der Angeklagte zum Prozessauftakt im März 2018 mit seinen Verteidigern Wolfgang Zeitler (r.) und Siegmund Benecken (l.). © Werner von Braunschweig

Die Erzieherin war eine wichtige Vertraute für die Mutter aus Oer-Erkenschwick. „Sie hat häufig Zuflucht bei mir gesucht wegen ihrer Beziehungsprobleme“, sagte die 28-Jährige vor dem Bochumer Landgericht. Fast immer sei es bei den Streitigkeiten mit dem angeklagten Ehemann (44) um dessen Affäre mit einer Arbeitskollegin gegangen. „Sie war deswegen sehr verletzt. Ich habe ihr Leiden gesehen“, erinnerte sich die Zeugin.

Auch mit dem Angeklagten habe sie damals über die tiefe Enttäuschung ihrer Freundin gesprochen. „Das war ihm auch alles bewusst“, berichtete die Zeugin. Dennoch habe er trotz anderer Ankündigungen nie etwas geändert. Im Gegenteil: Immer wieder sei herausgekommen, dass es wieder Treffen mit der Geliebten und immer wieder Streit deswegen gegeben habe.

Tabletten in den Ayran gemischt?

Befragt nach Besonderheiten bei oder nach den Streitigkeiten, erinnerte sich die Freundin an eine Information, die ihr die Mutter anvertraut habe. „Sie hat einmal behauptet, dass er ihr wohl Tabletten in den Ayran gemischt hat“, so die Zeugin. „Ich habe ihr daraufhin gesagt, trink‘ einfach nichts mehr, was er Dir anbietet.“

Nachdem ihre Freundin am 5. Juni 2015 plötzlich verschwunden gewesen sei, „haben wir alle gerätselt, wo sie nur sein kann“. In den Familien sei wild spekuliert worden. Darüber, dass sie eventuell abgehauen oder mit einem anderen Mann durchgebrannt sei. Sie selbst habe daran nicht geglaubt. Nachdem die Leiche der 25-Jährigen am 10. Juni 2015 auf dem Kanal entdeckt worden war, habe sie kurz danach den Angeklagten gefragt, ob er das war. „Er sagte ganz klar Nein!“, so die Zeugin.

Weil der Bundesgerichtshof (BGH) ein erstes Freispruch-Urteil aufgehoben hatte, wird dem 44-Jährigen nun erneut der Prozess gemacht.

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Staatsanwalt ist von der Schuld des Angeklagten überzeugt

Der Angeklagte beteuert seine Unschuld. „Mein Mandant weist die Vorwürfe als absolut unzutreffend zurück“, hatte Verteidiger Siegmund Benecken zum Prozessauftakt vor dem Bochumer Landgericht erklärt. Staatsanwalt Dietrich Streßig ist dagegen absolut davon überzeugt, dass der 44-Jährige einen kaltblütigen Mord begangen hat.

Laut Anklage soll der 44-Jährige seine Frau in der Nacht auf den 6. Juni 2015 auf der Couch erstickt haben. Wahrscheinlich mit einem Kissen. Anschließend soll er die Leiche im Pkw seines Bruders nach Waltrop transportiert und dort von einer Brücke im Dortmund-Ems-Kanal versenkt haben. Am 10. Juni wurde der Leichnam zufällig von Spaziergängern entdeckt.

Als Motiv verweist die Staatsanwaltschaft auf eine nahezu ausweglose Situation des Angeklagten. Obwohl bekannt war, dass er schon seit Jahren eine Geliebte hatte, verlangte seine eigene Familie das Festhalten an der Ehe mit dem späteren Opfer. Um von seiner Großfamilie nicht verstoßen zu werden und die Affäre weiterführen zu können, soll der 44-Jährige es als „einzige Möglichkeit“ angesehen haben, einen Ertrinkungsunfall oder Selbstmord zu inszenieren.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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