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Zur Hölle mit den anderen

Berlin. Wie viel Toleranz braucht es, um einen Angriff auf deinen eigenen Lebensstil weglächeln zu können? Der ARD-Film „Zur Hölle mit den anderen“ macht sich auf die Suche nach einer Antwort.

Zur Hölle mit den anderen

Erik (Holger Stockhaus, links) und Sandra (Mira Bartuschek, rechts) bewirten Katrin (Britta Hammelstein, 2.v.r.) und Steffen (Felix Knopp, 2.v.l.). Foto: Johannes Krieg/SWR

Wie erziehen wir unsere Kinder? Wie stehen wir zum Thema Migration? Sind wir glücklich, wenn wir reich sind? Menschen finden auf solche Fragen unterschiedliche Antworten - und verteidigen sie gerne mit Vehemenz.

Im ARD-Film „Zur Hölle mit den anderen“ am Mittwoch (3. Januar) um 20.15 Uhr stecken zwei Paare mitten in einer solchen Auseinandersetzung, die kein gutes Ende nehmen kann.

Die Ausgangssituation ist einfach: Kulturmanagerin Katrin und Vollzeitmutter Sandra waren während des Studiums gut befreundet, treffen sich nun zufällig wieder und verabreden ein gemeinsames Abendessen mit ihren Familien. Die passen aber eigentlich gar nicht zusammen.

Katrin (Britta Hammelstein, 36, „Freier Fall“)) und ihr Mann Erik (Holger Stockhaus, 44, „Ladykracher“) gehören zur Kategorie neureiche Spießer, die gerne ihr großes Haus mit Garten und Pool vorzeigen. Sandra (Mira Bartuschek, 39, „Heiter bis tödlich“) dagegen hat den freischaffenden, linkspolitischen Journalisten Steffen (Felix Knopp, 42, „Über uns das All“) an ihrer Seite, der sich in Elternzeit um Tochter Fatme kümmert. Die Vier haben völlig unterschiedliche Vorstellungen von einem schönen Leben - und lassen deshalb kein Fettnäpfchen aus, als sie aufeinandertreffen.

Steffen ist Vegetarier und Umweltaktivist, Erik Rassist. Sandra sehnt sich vor allem nach Sicherheit, Katrin dagegen nach Erfolg und Anerkennung. Diskutiert wird über die großen Fragen der Gesellschaft und der Lebensführung, die jeder anders beantwortet. Aus einer intensiven Diskussion wird schnell ein verbitterter Wettstreit.

„Zur Hölle mit den anderen“ ist ein Film über Toleranz, die gerne beschworen, aber doch nicht gelebt wird. Der Drang zur Selbstverwirklichung und zur Optimierung des eigenen Lebens führt zu Lebenskonzepten, die nicht miteinander kompatibel sind. Das ist nicht schlimm und war vermutlich schon immer so - doch der Film führt vor, wozu die Suche nach dem perfekten Lebensstil führen kann.

Eben noch wurde überschwänglich eine Einladung ausgesprochen, kurz danach kommen die ersten Zweifel, ob das funktioneren kann. Doch statt den Grillabend in Ruhe durchzustehen, lassen sich die vier Protagonisten immer wieder provozieren. Regisseur Stefan Krohmer und Drehbuchautorin Nicole Armbruster gelingt es, die angespannte Situation nachfühlbar zu machen. Jeder Blick, jeder falsche Tonfall bei einem provokanten Spruch hat Folgen, führt zur nächsten Eskalationsstufe auf dem Weg zum großen Krach.

Dass das gelingt, liegt nicht zuletzt an den vier Schauspielern, die bestens zu ihren Rollen passen und den Eindruck vermitteln, als würden sie sich untereinander tatsächlich mit ihren gespielten Charakteren provozieren. Auch die Filmmusik (Stefan Will) hat daran ihren Anteil, nicht zuletzt Gitarrenklänge, die an den letzten Spanienurlaub erinnern. Wenn dann noch Vicky Leandros ihren Ohrwurm „Ich liebe das Leben“ trällert, als wäre es das passende Motto für den Film, macht das die Scheinheiligkeit der Szene perfekt.

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