Bernd Koberling lässt Form in Farbe aufgehen

Museum Küppersmühle

Die Natur, die Landschaft, bestimmt den Bilderkosmos von Bernd Koberling. Seit mehr als 50 Jahren. Mal mehr, mal weniger abstrakt. Doch stets bieten sie dem Auge des Betrachters jede Menge Spannung

von Britta Helmbold

Duisburg

, 15.11.2017, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Ölgemälde „Landlinien I“ entstand 1988. Foto VG bild-Kunst, Bonn 2017, Littkemann

Das Ölgemälde „Landlinien I“ entstand 1988. Foto VG bild-Kunst, Bonn 2017, Littkemann

Koberlings stilistische Vielfalt zeigt sich in der großen Retrospektive, die am Donnerstag (16.11.) um 19 Uhr im Duisburger Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM) eröffnet wird. Kurator Christian Malycha präsentiert rund 80 Werke aus sechs Jahrzehnten in neun Räumen: eine Suche nach der eigenen Position zwischen Figuration und Abstraktion.

Inspiration lieferte die erste Reise nach Lappland

Im Kabinett-Raum sind die noch recht figürlichen frühen Fjorde- und Hüttenbilder (1963/64) zu sehen, eine Rekonstruktion einer Ausstellung von 1965 in Berlin. Inspiriert zu diesen Bilder-Räumen mit Ausblick – eine Balance von Innen und Außen – hatte Koberling seine erste Reise nach Lappland, auf der er auch in den Hütten der Eingeborenen übernachtete.

Die relativ unberührte Natur am Polarkreis, die Tundra, zog ihn an. „Den Vorwurf des Romantikers lasse ich mir gefallen“, gestand der fast 80-jährige Koberling. „Sonderromantik“ hieß denn auch die Berliner Schau. Und in den Norden hat es den Künstler immer wieder gezogen, heute lebt er in Berlin und Island.

Koberling entwickelte eine neue Maltechnik

Mit den „Überspannungen“ (1965-1969) entwickelte Koberling eine neue Maltechnik: Auf eine Leinwand malte er Landschaftselemente wie Berge und Bäume, darüber legte er eine zweite Schicht Nessel mit Wolken oder Himmel und bedeckte diese mit einer halbtransparenten Kunststofffolie.

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In diesen Gemälden ist die malerische Geste zurückgenommen, das Landschaftsbild leicht verfremdet. „Rombilder“ und „Jutebilder“ sind weitere Räume überschrieben. In der expressiven „neuen Wilden“-Phase (1982-87) kehren Mensch und Tier auf seine Bilder zurück. Zum Ende dieses Jahrzehnts wendete sich Koberling vom Makro- zum Mikrokosmos: Pilze, Pflanzen, Wucherungen – und die Farbe beginnt sich vom Gegenstand zu lösen.

Der Maler beschäftigte sich mit der Kraft der Farbe,

Anschließend beschäftigte sich der Maler mit der Kraft der Farbe, verwendet dafür meist eine dunkle Palette. Die „Plattenbilder“ hingegen sind zart hingetupfte Farben auf weißem Grund, die aufgrund der extrem verdünnten Acrylfarbe auf Kreidegründen auf Aluminiumplatten wie monumentale Aquarelle wirken.

2012 kehrte Koberling zum Öl zurück, verdichtete seine Natureindrücke. Es entstehen Strukturen aus abstrakten Blüten, Lineaturen und verschlungenen Bändern. Die Form geht in Farbe auf.

Koberlings Bilderkosmos dreht sich immer um die Auseinandersetzung mit der Natur. Die sehenswerte Schau spiegelt die ambivalente Haltung zwischen Motiv und Abstraktion wider.

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