„Der Barbier von Sevilla“ bot Champagner für die Ohren

Im Konzerthaus Dortmund

Wenn noch etwas nötig war, um das Publikum in fröhliche Weihnachtsstimmung zu versetzen, war das am Dienstagabend die konzertante Aufführung von Rossinis „Barbier von Sevilla“ des Dirigenten Jérémie Rhorer im Konzerthaus Dortmund.

DORTMUND

, 20.12.2017, 16:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Graf (Michele Angelini) flirtet mit Rosina (Catherine Trottmann). Das funktionierte auch ohne Kostüm. Foto: Rest

Der Graf (Michele Angelini) flirtet mit Rosina (Catherine Trottmann). Das funktionierte auch ohne Kostüm. Foto: Rest

Alle Bedenken, dass ein Komödienspaß wie dieser unbedingt eine Inszenierung braucht, wischte das großartige Sängerensemble bei Seite. Ohne Noten, Kostüme und Requisiten, wuselte das Ensemble über die Bühne und gestikulierte und spielte mimisch so lustvoll, dass es ein Vergnügen war.

Vier stimmstarke Herren waren da am Werk

Und die vier so sehr unterschiedlichen Typen von Komödianten dieser Oper sezierte das Ensemble schärfer heraus, als das unter Perücken und in Kostümen möglich gewesen wäre. – So, wie eine Zeichnung auch schärfere Konturen hat als ein Aquarell-Gemälde. Florian Sempey war der Figaro-Platzhirsch – ein starker Bariton mit großer Präsenz. Michele Angelini sang den verliebten Grafen mit Lust an der Show und Spaß an extralangen hohen Tönen – ebenfalls herausragend. Peter Kálmán war ein wunderbar tölpelhafter Bar- tolo, und Robert Gleadow als Basilio ein ausgebufftes Schlitzohr. Rosina (Catherine Trottmann) wurde zwischen den vier präsenten, stimmstarken Herren ein wenig zum Spielball, war aber sehr koloratursicher.

Ein musikalisches Vergnügen

Der 44-jährige Franzose am Pult eröffnete das musikalische Vergnügen mit seinem „Cercle de L‘Harmonie“ etwas langsam, fand aber schnell zu großem Schwung. Und das Orchester stellte auf den historischen Instrumenten immer mehr das Spritzige von Rossinis Musik heraus. Sänger des vorzüglichen Männerchors des Chorwerks Ruhr traten auch in kleinen Nebenrollen solistisch hervor.

Drei Stunden Champagner für die Ohren bot dieser Abend. Es war ein Vergnügen, zuzuschauen und zuzuhören.