Hänsel und Gretel begeistern die ganze Familie

Aaolto-Oper Essen

Humperdincks Opern-Klassiker kam am Aalto mit vielen süßen Zutaten heraus.

Essen

von Klaus Stübler

, 06.11.2017, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hänsel (Karin Strobos, r.) und Gretel (Elbenita Kajtazi) in ihrem süßen Paradies. Foto: Saad Hamza

Hänsel (Karin Strobos, r.) und Gretel (Elbenita Kajtazi) in ihrem süßen Paradies. Foto: Saad Hamza © Saad Hamza

„Die Märchenwelt zur Kur bestellt“ lautete vor zwei Jahren der Titel einer Aalto-Produktion von Marie-Helen Joel. Ein Familienmusical. Darin im Personal ausgespart: Hänsel und Gretel. Die hat sie am Sonntag nachgeliefert – in der bekannten Oper von Engelbert Humperdinck.

Es beginnt als Abend in einer heutigen Familie: Gretel kommt mit Zahnbürste im Mund ins Kinderzimmer und geht erst mal noch malen, Bruder Hänsel schlägt ein Rad, springt Seilchen. Die Mutter räumt liegen gebliebene Sachen weg, der Papa liest den ins Bett gekrochenen Kindern noch eine Gutenachtgeschichte vor, die sie auch etwas gruseln lässt. Und damit gleitet die Inszenierung ganz langsam hinein in die Welt des Märchens, das Marie-Helen Joel mit vielen süßen Ideen erzählt.

Traumhaftes Bühnenbild begeistert alle Generationen



Ihr traumhaft-schönes Bühnenbild wartet unter anderem mit einem verwunschenen Wald aus Lebkuchenbäumen, mit riesigen Erdbeeren und überdimensionalen Butterkeksen auf. Die Kinder bauen sich ihr Knusperhäuschen selbst, die witzig kostümierte Hexe (komödiantisch noch ausbaufähig: Albrecht Kludszuweit) krabbelt aus der großen Spielzeugtruhe. Eine lustige Waldfee im Tutu mit Kopfhörern auf den Ohren (Christina Clark) vermittelt zwischen Real- und Märchenwelt, ist zugleich „Fluglotsin“, die mit Kochlöffeln Personen und Requisiten dirigiert.

Musikalisch war die Aufführung ein Ohrenschmaus



Die musikalische Ausführung macht Humperdincks Weihnachtsklassiker zum Ohrenschmaus. Karin Strobos und Elbenita Kajtazi sind Hänsel und Gretel, ein sympathisches, spielfreudiges Pärchen mit zauberhaften, jugendlichen Stimmen, klanglich ausgewogen im „Abendsegen“. Heiko Trinsinger überzeugt stimmlich und darstellerisch als Vater.

Dass man insgesamt beileibe nicht jedes gesungene Wort versteht, ist angesichts der bekannten Märchenhandlung kein großes Manko (Übertitel gibt es nicht). Die Essener Philharmoniker unter Friedrich Haider tragen nie zu dick auf, sondern lassen die Musik klangsensibel fließen. Das Sahnehäubchen liefert zuletzt der Kinderchor des Aalto-Theaters.

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