Jansons ließ die Musik jubeln

Konzerthaus Dortmund

Acht Jahre war der Dirigent nicht mehr in Dortmund. Er kam mit einer Entdeckung.

Dortmund

, 04.02.2018, 16:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
Blumen für den Maestro Mariss Jansons nach dem Konzert im Konzerthaus Dortmund Foto: Spinn

Blumen für den Maestro Mariss Jansons nach dem Konzert im Konzerthaus Dortmund Foto: Spinn

Die großen Orchester überschütten Mariss Jansons mit Ehrentiteln. Kurz nach seinem 75. Geburtstag am 14. Januar wurde der Lette Ehrendirigent der Berliner Philharmoniker.

Auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks weiß seit 2003, was es an ihm als Chef hat. Am Samstag hörte das Publikum im Konzert Dortmund das Ergebnis dieser erfolgreichen Zusammenarbeit.

Workaholic

Jansons ist ein Workaholic. Das hat ihm 1996 einen Herzinfarkt auf der Opernbühne und im Oktober 2017 einen Schwächeanfall eingebracht. Etwas blass, aber voller Energie dirigierte er in Dortmund ein Werk, das die volle Konzentration des Dirigenten fordert (Widmanns Klavierkonzert) und eins, das physisch kräftezehrend ist (Schuberts „Große Sinfonie“).

Das Publikum feierte den Maestro, der zuletzt vor acht Jahren in Dortmund dirigiert hat.

Schubert-Sinfonie

Nichts war an der Schubert-Sinfonie mit den „himmlischen Längen“ episch. Jansons machte sie mit seinem vorzüglichen Orchester zu einem spannenden, flott und geschmeidig gespielten Ereignis, in dem der Jubel in C-Dur im Mittelpunkt stand.

Der Altmeister der schönen Übergänge gab der Musikstunde mit vielen gut herausgestellten Details langen Atem und am Schluss elegante Leichtfüßigkeit.

Der „Trauermarsch für Klavier und Orchester“ des 44-jährigen Widmann gehört zu den Werken, die vielleicht noch in 100 Jahren gespielt werden.

Trauermarsch

Raffiniert instrumentiert ist das 20-minütige, klangfarbenreiche Werk. Yefim Bronfman, Pianist der Uraufführung 2014 in Berlin, passte seinen Part klug in den Orchesterapparat ein und zeigte, das dies mehr eine Sinfonie mit obligatem Klavier als ein Klavierkonzert ist. Widmann lässt die perkussive Musik wimmern, schreien, stöhnen und variiert das Trauermarsch-Motiv klug. Das ist effektvoll und spannend.

Chopins Etüde op. 10,3 spielte Bronfman als Zugabe. Noch schöner wäre der dritte Satz aus Chopins h-Moll-Sonate gewesen. Dann hätte das Publikum gehört, was Widmann (außer Mahler) zu dem Trauermarsch inspiriert hat.

Im Internet kann man die Aufzeichnung des Konzerts am Freitag in München hören: www.br-klassik.de
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